Gesundheit

30.000 Kinder müssen in Berlin Notbetreuung bekommen

Die Kitas schließen bis zum Ende der Osterferien. Auch Tagesmütter stellen Mittwoch ihre Arbeit ein. Das Infektionsrisiko ist zu groß.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Der Dienstag wird spannend beim landeseigenen Kitabetrieb „SüdOst“. Es seien erstmal alle Erzieherinnen im Dienst, um eine Notbetreuung sicherzustellen. „Wir wissen noch nicht, wie viele Kinder es werden“, sagte Sandra Stahl, die pädagogische Geschäftsführerin der „Kindertagesstätten SüdOst“, die 44 Kitas in den Bezirken Neukölln und Treptow-Köpenick betreiben. Erst am gestrigen Montag habe man ja die Selbsterklärung den Eltern herausgeben können, die nun ausgefüllt werden müssen.

Beide Elternteile müssen im „systemrelevanten Beruf“ sein

Anspruch auf eine Notbetreuung haben nur Eltern, die in „systemrelevanten Berufen“ arbeiten. Dazu gehören medizinisches und Pflege-Personal, Apotheker, Polizei, Feuerwehr und Justizvollzug. Dann natürlich auch die Mitarbeiter der BSR, der BVG, der Energie- und Wasserbetriebe oder der Telekommunikation. Aber auch „Schlüsselfunktionsträger“ in öffentlichen Einrichtungen und Behörden, wie beispielsweise in der Senats- oder Bezirksverwaltung. Aber auch in den Jobcentern – wobei dort überall auch versucht wird, möglichst viel Arbeit in ein Homeoffice auszulagern.

Für manche Eltern enttäuschend scheint, dass „beide“ Eltern für eine Notbetreuung in systemrelevanten Berufen arbeiten müssen. Es reicht nicht, wenn nur ein Elternteil beispielsweise bei der BVG oder als Krankenschwester arbeitet – ist der Partner oder Ehemann Versicherungsagent, muss er zuhause bleiben. Man will ja auch die Gruppen der Notfallbetreuung in den Kitas möglichst klein halten.

Viel Diskussionen gibt es um den letzten Punkt auf der Liste von Berechtigten, die von der Senatsverwaltung für Inneres erstellt wurde: „Sonstiges betriebsnotwendiges Personal der kritischen Infrastruktur und der Grundversorgung.“ Für Sandra Stahl von den Kitabetrieben SüdOst ist der Fall klar: „Dazu gehört für uns auch die alleinerziehende Verkäuferin beim Bäcker oder die Kassiererin im Supermarkt, die mit einem Feuerwehrmann verheiratet ist.“ Diese Frauen und Männer im Einzelhandel gingen trotz Infektionsgefahr Tag für Tag zur Arbeit, ohne sie würde die Infrastruktur der Stadt zusammenbrechen.

Viele Tagesmütter äußerten große Bedenken

Eine Änderung gibt es im Bereich der Tagespflege. Die soll ab Mittwoch, den 18.3., auch schließen, das will der Senat heute beschließen. Zwar hätten Tagesmütter oft nur kleinere Gruppen, aber die Ansteckungsgefahr sei zu groß. „Um die Corona-Pandemie einzudämmen, müssen wir die sozialen Kontakte noch weiter reduzieren“, sagte Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD). Viele Tagesmütter hätten ihre Bedenken geäußert. „Wir kommen mit diesem Schritt zugleich der Bitte von vielen Tagesmüttern nach“, so Scheeres. Auch für die Tagespflege gilt eine Notfallbetreuung.

Erwartet wird, dass im Rahmen der Notversorgung von Dienstag an in den nächsten Wochen rund 30.000 Kinder betreut werden. Das sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag. Insgesamt besuchen rund 163.000 Berliner Kinder eine Kita, die meisten Eltern stehen jetzt also vor einer Herausforderung. Wohin mit dem Nachwuchs?

Wenn ein Elternteil nicht zu den systemrelevanten Berufsgruppen gehöre, müsse die Familie wie alle anderen Berliner Eltern auch die Betreuung selbst organisieren, teilte die Senatsverwaltung mit. „Ich weiß, dass die Schließzeit für viele Eltern eine große Belastung bedeutet. Ich setze aber auf ihr Verständnis“, erklärte Senatorin Scheeres. „Die Maßnahme ist im Interesse der Gesundheit aller Berliner.“

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Coronavirus-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Im Stadtbild machten sich die vielen Kinder, die jetzt zuhause betreut werden, schon bemerkbar. Eltern nahmen sie überallhin mit – ob in den Supermarkt oder zur Post. Ob das immer so glücklich ist, wird sich noch herausstellen; hier treffen jetzt kleine Kinder und ältere Mitbürger oft direkt aufeinander. Für die meisten Kinder scheint der Coronavirus keine große Bedrohung zu sein, sie geben ihn manchmal auch weiter, ohne selbst zu erkranken.

Auch für die Eltern könnten fünf Wochen eng zusammen mit dem Nachwuchs ein Erlebnis werden. „Viele geben ihre Kinder ja sogar in den Ferien ab, in Miniclubs“, erzählte eine Kindergartenleiterin. Das geht jetzt nicht.