Corona-Krise

Senat verbietet private Feiern mit mehr als 50 Personen

Neue drastische Vorschriften: Kinos und Fitnessstudios müssen ab sofort schließen. Strenge Besuchsregeln auch für Krankenhäuser.

Die Verschärfung der Maßnahmen sei "dringend nötig", erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Sonnabend (hier auf der Pressekonferenz zur Corona-Pandemie am Freitag).

Die Verschärfung der Maßnahmen sei "dringend nötig", erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Sonnabend (hier auf der Pressekonferenz zur Corona-Pandemie am Freitag).

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin. Der Berliner Senat hat am Sonnabend drastische Verbote erlassen, um gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus vorzugehen. Untersagt sind ab sofort alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern – betroffen sind damit auch größere private Feiern.

Neben Kneipen und Clubs müssen auch Kinos, Spielhallen, Spielbanken, Messen, Wettannahmestellen sowie ähnliche Unternehmen schließen. Das gilt auch für kleinere Theater, Konzerthäuser, Museen, Ausstellungen und andere Vergnügungsstätten, darunter auch Bordelle. Sportanlagen, Schwimmbäder sowie Fitnessstudios werden ebenfalls geschlossen. Der Innenverwaltung zufolge werde die Polizei diese Verbote kontrollieren.

Für Veranstaltungen mit weniger als 50 Personen müssen nun genaue Anwesenheitslisten geführt werden – mit Namen, Adressen und Telefonnummern der Teilnehmenden. Auch der Besuch in Krankenhäusern wird eingeschränkt. Patienten dürfen keinen Besuch mehr empfangen. Ausgenommen davon sind Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, die in Behandlung sind, und Schwerstkranke. Der Besuch von Pflegeheimen wird auf einmal pro Tag limitiert. Kinder unter 16 Jahren dürfen dort keine Angehörigen mehr besuchen.

Lesen Sie hier die „Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus in Berlin“ im Wortlaut

Müller: „Wir alle sind nun gefragt“

Die rot-rot-grüne Landesregierung verschärft damit nach nicht einmal 24 Stunden massiv ihre bereits am Vortag angekündigten Maßnahmen. Sie seien „dringend nötig, um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, weil dadurch die sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert werden können“, teilte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit. „Wir alle sind nun gefragt, jeder einzelne von uns.“ Alle sollten in den kommenden Wochen oder auch Monaten solidarisch miteinander sein. „Besonders die älteren Mitmenschen unter uns brauchen unsere Unterstützung, weil sie zur größten Risikogruppe zählen“, so Müller weiter.

Am Freitag hatte der Senat beschlossen, Kneipen, Bars und Clubs ab kommendem Dienstag zu schließen. Zwar blieben am Freitagabend die meisten Clubs freiwillig geschlossen. In den Bars jedoch herrschte reger Betrieb. Nicht betroffen von den Schließungen sind Restaurants und Imbisse, sie müssen jedoch Auflagen erfüllen. Auch Kneipen und Bars, die selbstzubereitete Speisen anbieten, dürfen unter Bedingungen weiter öffnen.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengefasst. Darüber hinaus berichten wir in einem Newsblog laufend über die aktuellsten Entwicklungen bei der Ausbreitung und Eindämmung des Coronavirus in Berlin. Die überregionalen News zu Covid-19 können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Kinder-Notbetreuung soll in vertrauter Kita stattfinden

Der Senat rückt zudem von den Plänen ab, die Kita-Notbetreuung nur zentral anzubieten. Wie die Senatsbildungsverwaltung am Sonnabend mitteilte, sollen die Kinder nicht in neu zusammengestellten Gruppen und konzentriert in ausgesuchten Einrichtungen untergebracht werden. Stattdessen würden die Kinder weiterhin grundsätzlich in die vertraute Kita gehen.

„Wir haben dabei die neuen Einschätzungen von Professor Dr. Christian Drosten berücksichtigt und nehmen Anregungen der Kita-Träger aus der täglichen Praxis auf“, betonte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Der Virologe und Charité-Professor Dr. Drosten hatte demnach Freitagnacht gegenüber dem Senat deutlich gemacht, dass die Notbetreuung nicht konzentriert in neu zusammengestellten Gruppen stattfinden soll. Dadurch entstünden neue Kontaktnetzwerke zur Übertragung des Virus, begründete Virologe Christian Drosten seine Haltung am Sonnabend auf Twitter. „Die Infektion wird dadurch befeuert.“

Berlin schließt wie berichtet ab kommendem Dienstag die Kitas bis zum 17. April. Ausgenommen ist eine Notbetreuung für Kinder von Eltern, die „in systemrelevanten Berufen arbeiten und keine andere Möglichkeit einer Kinderbetreuung organisieren können“, teilte die Bildungsverwaltung mit. Um welche Berufe es sich dabei konkret handelt, wurde am Sonnabend noch nicht entschieden.

Unterdessen stieg die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Berlin weiter an. Die Gesundheitsverwaltung meldete am Sonnabend 216 Fälle. In Deutschland gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts derzeit mehr als 4100 Corona-Infektionen. Mindestens acht Menschen starben bislang infolge des Virus.