Corona-Krise

Vivantes will planbare OPs verschieben: Was das bedeutet

Um Kapazitäten für die Corona-Patienten zu schaffen, werden einige Eingriffe am Vivantes Klinikum nicht mehr durchgeführt.

Eine Frau mit Gesichtsmaske am Eingang des Vivantes Wenckebach-Klinikums in Tempelhof.

Eine Frau mit Gesichtsmaske am Eingang des Vivantes Wenckebach-Klinikums in Tempelhof.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Berlin. Wegen der Corona-Krise soll auch in den Krankenhäusern der Hauptstadt ein Teil der Behandlungen verschoben werden. „Wir bitten um Verständnis, dass für planbare Operationen bis auf Weiteres keine neuen Termine mehr vereinbart werden“, sagt Mischa Moriceau, Sprecherin des landeseigenen Klinik-Konzerns Vivantes.

Ab Montag bis Freitag der kommenden Woche würden bereits geplante, aber nicht dringend medizinisch notwendige Eingriffe, gegebenenfalls verschoben. „Solche Operationen sind beispielsweise orthopädische Eingriffe an Knie oder Hüfte.“ In diesem Fall informiere die Klinik die betroffenen Menschen direkt, meist schriftlich oder telefonisch.

Die Notfallversorgung bei Vivantes bliebe aber gesichert. Krebsbehandlungen sollen demnach weiter stattfinden. „Vivantes plant die intensivmedizinischen Kapazitäten für Patienten und Patientinnen mit Coronavirus weiter zu erhöhen und mit Beatmungsgeräten auszustatten“, so Moriceau weiter. Durch die Verschiebung von planbaren Operationen könnten OP-Mitarbeiter aus dem Funktionsbereich und der Anästhesie entsprechend eingesetzt werden.

Unklar ist, wie es in anderen Kliniken gehandhabt werden soll. Eine entsprechende Anfrage an die Charité und das Deutsche Rote Kreuz blieb von offizieller Seite unbeantwortet. Auch Berlines Regierender Bürgermeister Michael Müller und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (beide SPD) äußerten sich am Freitagabend nicht dazu. In einem Berliner Klinikum des Deutschen Roten Kreuzes hieß es wiederum, dass nichts verschoben und auch an den normalen Operationen weiter festgehalten werde. Das erfuhr die Berliner Morgenpost von einer Patientin. Allerdings sei ihr auch gesagt worden, dass man die Lage Tag für Tag neu bewerte.

Spahn appelliert an Krankenhäuser zu verschieben

Am Donnerstag einigten sich Bund und Länder darauf, alle planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe zu verschieben, um die Kliniken für eine erwartete größere Zahl an Coronapatienten frei zu halten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat alle Kliniken aufgerufen, sich für Behandlungen vieler Patienten mit dem neuen Coronavirus zu wappnen. „Bitte verschieben Sie planbare Operationen und Eingriffe jetzt“, schrieb der CDU-Politiker am Freitag an die Geschäftsführer der Krankenhäuser. „Eine Entscheidung dieser unmittelbaren Tragweite hat es für den Krankenhausbetrieb in der Bundesrepublik Deutschland wahrscheinlich noch nicht gegeben.“ Er sei sich bewusst, welche Folgen dies für Beschäftigte und Patienten habe. Spahn bat außerdem darum, wenn möglich auch Studenten und Mitarbeiter im Ruhestand einzusetzen und diese jetzt schon auszubilden.

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) erklärte, selbstverständlich kämen die Kliniken der Aufforderung nach, ab kommender Woche Patientenbehandlungen – soweit medizinisch vertretbar – zurückzufahren. Dies mache Kapazitäten für die Versorgung schwer betroffener Covid-19-Patienten und aller weiteren akut Behandlungsbedürftigen verfügbar. Es müsse jetzt alles getan werden, um den Bestand und die Arbeitsfähigkeit der Kliniken zu erhalten, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

Der Minister bekräftigte die Zusage von Bund und Ländern, dass wirtschaftliche Folgen ausgeglichen würden, damit kein Krankenhaus ins Defizit kommt. Eine entsprechende Gesetzesregelung solle zügig kommen. Zudem soll es zusätzlich einen Bonus für jedes Intensivbett geben, das zusätzlich provisorisch geschaffen und vorgehalten wird. Der Beschluss legt fest, dass die entstehenden wirtschaftlichen Folgen für die Krankenhäuser seitens der gesetzlichen Krankenkassen ausgeglichen werden.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) begrüßen die Pläne. „Zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie brauchen wir unbedingt freie Intensivkapazitäten, und es ist richtig, dafür planbare Operationen abzusagen“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis aus dem Vorstand. Die GKV sicherten den Krankenhäusern finanzielle Rückendeckung bei zusätzlichen Kosten wegen der Coronakrise zu. Die Kliniken könnten sich darauf verlassen, dass man an ihrer Seite stehe, so Stoff-Ahnis weiter. Zur Umsetzung der Finanzierungsfragen sei man im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium und der DKG.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben mit Stand Ende vergangenen Jahres rund 19,8 Milliarden Euro an Finanzreserven. Operativ waren sie 2019 erstmals seit 2015 ins Minus gerutscht. Unter dem Strich stand ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro nach einem Überschuss von zwei Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Niedersachsen hatte bereits am Freitagmittag angekündigt, ab Montag alle planbaren Operationen zu verschieben. „Es wird sehr auf die nächsten Wochen ankommen“, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD).