Versorgung

Coronavirus: Wie Pflegeeinrichtungen damit umgehen

In der ambulanten Versorgung in Berlin muss es besondere Vorsichtsmaßnahmen geben. Die Lage ist schwierig.

Pflegedienste sollen selbst planen, wie sie mit Material-Engpässen und Personalausfällen umgehen.

Pflegedienste sollen selbst planen, wie sie mit Material-Engpässen und Personalausfällen umgehen.

Foto: Lukas Schulze / FUNKE Foto Services

Berlin. Während Veranstaltungen abgesagt werden und Großraumbüros leer stehen, müssen ambulante Pflegekräfte durch Berlin fahren, um ihre schwerkrankten Patienten zu versorgen. Das grassierende Coronavirus stellt ambulante Pflegeeinrichtungen vor enorme Herausforderungen. In einer Informationsveranstaltung in dieser Woche teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung den Trägern dieser Einrichtungen mit, sie sollten eigenständig ihre Pandemiepläne erstellen.

Donald Ilte, Leiter der Pflegeabteilung des Senats, sagte, man müsse auf kommende Corona-Notfälle „kreativ reagieren“. Dabei sollten die Träger selbst Verantwortung für den Umgang mit dem Virus übernehmen, da sie die Krankheitsgeschichte ihrer Patienten kennen. Ihre Patienten stellten die „am höchsten vulnerable Gruppe“ dar, also die gefährdetste Gruppe.

Einrichtungen müssen für Corona-Notfall vorplanen

Der Senat empfiehlt, in einem Pandemie-Plan festzulegen, wer innerhalb der jeweiligen Einrichtung Verantwortung für Entscheidungen sowie Hygienemaßnahmen trägt. Zudem solle dort festgeschrieben sein, wie man mit Personal- sowie Materialengpässen umzugehen habe. Angesichts des Fachkräftemangels in der Branche stelle das eine zusätzliche Herausforderung dar, sagte eine Mitarbeiterin der Senatsverwaltung.

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Falls das Virus in der Belegschaft der jeweiligen Träger grassiere, führe das in manchen Fällen zu erheblichen Personal-Engpässen. Wenn Lücken im Dienstplan nicht mehr gefüllt werden könnten, müssten manche Leistungen für Patienten gekürzt werden. In Rücksprache mit dem jeweils zuständigen Arzt könnte dies auch von ihm verordnete Leistungen betreffen. Die Krankenkassen müssten in diesem Fall informiert werden.

Dem Pflegepersonal wurde versichert, ihm werde bei diesen Entscheidungen vonseiten des Senats und der Krankenkassen „eine hohe Flexibilität“ garantiert. In jedem Fall sollten die Einrichtungen sich darum bemühen, die ambulante Pflege aufrecht zu erhalten. So möchte die Senatsverwaltung verhindern, dass es zu massenhaften Einlieferungen und somit zum Kollaps der Berliner Krankenhäuser kommen könnte.

Da die Mortalitätsrate bei infizierten Personen über 60 Jahren sowie chronisch Kranken besonders hoch sei, sollen Pflegekräfte diesen Patienten zu einer Pneumokokken- sowie Keuchhusten-Impfung raten. Zudem sollen sie ihre Patienten darum bitten, Besuch in ihrer Wohnung zu beschränken. Besucher der Patienten sollten sich mit ihren Kontaktdaten in Listen eintragen. Auch sie sollten über Hygienemaßnahmen informiert werden. Patienten soll geraten werden, möglichst nicht das Haus zu verlassen. Dass die Kontrolle dieser Maßnahmen von den Krankenpflegern letztendlich nicht gewährleistet werden könnte, gab eine Mitarbeiterin der Senatsverwaltung zu.

Pflegepersonal besorgt wegen Schutzausrüstung

Ein bestätigter Corona-Verdachtsfall bei einem Patienten liegt vor, wenn derjenige typische Symptome zeigt und zudem Kontakt mit anderen Infizierten hatte oder von der Reise aus einem Risiko-Gebiet zurückgekehrt ist. Diesen Patienten empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Website: „Empfangen Sie keinen unnötigen Besuch. Haushaltspersonen und eventuelle Besucher sollten sich in anderen Räumen aufhalten oder, falls dies nicht möglich ist, einen Mindestabstand von mindestens einem Meter bis zwei Meter zu Ihnen einhalten.“ Man solle sich nach Möglichkeit in einem gut belüfteten Einzelzimmer einquartieren.

Falls Patienten in ambulanter Behandlung an Corona erkranken, jedoch nicht zu einer Risikogruppe zählen und ihr Zustand stabil ist, können sie in ihrem Zuhause isoliert werden. Wenn sie über 60 Jahre alt sind, eine chronische Erkrankung vorliegt oder die Symptome sich verschlimmern, sollen sie umgehend ins Krankenhaus eingeliefert werden, um dort in Quarantäne zu kommen.

Nach Informationen der Morgenpost macht das Pflegepersonal sich Sorgen um Lieferengpässe bei Schutzausrüstungen. So erklärte eine Pflegerin, Mitarbeiter ihrer Einrichtung dächten bereits darüber nach, Desinfektionsspray selbst herzustellen.

Die Landesregierung betreibt nach Morgenpost-Informationen massive Bemühungen, zusätzliche Schutzausrüstung für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen aufzutreiben. Die Kosten hierfür schnellen zwar aufgrund der hohen Nachfrage in die Höhe, das Land stellte jedoch zusätzliche Mittel bereit.