Finanzielle Einbußen

Coronavirus: Berliner Hotels verzeichnen massive Einbußen

Das Coronavirus und die Absage der ITB haben deutliche Auswirkungen auf den Hotelbetrieb in Berlin. Der Hotelverband will mehr Hilfe.

Eine Frau macht in einem Zimmer des Hotels das Bett.

Eine Frau macht in einem Zimmer des Hotels das Bett.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Berlin.  Am Montag versprach die landeseigene Investitionsbank Berlin (IBB) vergünstigte Darlehen für die Hotel- und Gastronomieunternehmen der Hauptstadt, die durch den Ausbruch des Coronavirus und insbesondere die Absage der großen Touristikmesse ITB in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Sofern es einen weiteren Geldgeber gibt, können demnächst Hilfsgelder in Höhe von einer Millionen Euro beantragt werden. Tilgungszahlungen sollen dabei bis zu zwei Jahre lang keine anfallen.

Der Wirtschaftssenat unter Ramona Pop (Grüne) reagierte damit auf einen Hilferuf des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin. Dieser hatte bei einer Blitzumfrage unter seinen Mitgliedern in der Hotellerie und der Gastronomie ermittelt, dass 94 Prozent der kontaktierten Unternehmen Umsatzeinbußen für die Monate Februar und März verzeichnen. Die Einbußen liegen durchschnittlich bei 32 Prozent. Außerdem haben 91 Prozent der Firmen unter Rückgängen bei Neubuchungen zu leiden.

So leiden bekannte Berliner Hotels unter Corona

Die Lage in den großen und bekannten Hotels Berlins scheint durchaus bedrohlich zu sein. Jürgen Gangl, Generaldirektor des Park Inn am Alexanderplatz, gibt auf Anfrage der Berliner Morgenpost an: „Mit der Absage der ITB sind die Buchungszahlen dramatisch gefallen. Alleine in der ITB-Woche haben wir über 530.000 Euro verloren. Im gesamten Monat März über eine Million Euro an Umsatz. Von den weiteren Stornierungen im April und Mai mal ganz abgesehen.“ Bei diesen Stornierungen handele es sich um Tagungen und Veranstaltungen.

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Etwas zurückhaltender formuliert es Mario Maxeiner von der IHG-Gruppe, zu der auch das InterContinental Berlin an der Budapester Straße gehört: „Wir sind noch dabei, uns ein klares Bild zu verschaffen, aber mit den jüngsten Messestornierungen sehen wir branchenweit natürlich eine geringere Auslastung in den Hotels.“

„Auch das Hotel de Rome hat deutliche Nachfragerückgänge zu verzeichnen, und größere Veranstalter müssen ihre Planungen verschieben“, so Generaldirektor Gordon Debus. Neben dem Ausfall der ITB sei insbesondere die seiner Meinung nach überproportionale Medienberichterstattung zu Corona für diese wirtschaftlichen Schäden verantwortlich. Auch interessant: Die Berliner Morgenpost informiert in einem Newsblog über die neusten Entwicklungen beim Coronavirus in Berlin.

Genaue Zahlen können noch nicht angegeben werden

Andere Häuser, wie das Ritz-Carlton am Potsdamer Platz, können die Lage aufgrund der noch herrschenden Ungewissheit nicht abschätzen. „In der Zwischenzeit ist das Wohlergehen unserer Gäste und Mitarbeiter von größter Bedeutung“ gibt Pressesprecherin Gitte Balkwitz stattdessen an. Deswegen werde stetig an hygienischen und gesundheitlichen Vorkehrungen gearbeitet.

Auch das Adlon Berlin möchte die finanziellen Schäden aufgrund der sich täglich verändernden Lage erst zu einem späteren Zeitpunkt bewerten.

Von Seiten des Hilton Hotels heißt es gegenüber der Berliner Morgenpost: „In der letzten Woche hatten wir jeden Tag ein Verhältnis von zwei neuen Reservierungen zu zwölf Stornierungen. Wir haben im Moment ungefähr 50 Prozent Stornierungen auf Buchungen. Eine große interne Veranstaltung zur ITB musste ebenfalls abgesagt werden.“ Offiziell hat das Hilton Hotel am Gendarmenmarkt jedoch noch keine Zahlen genannt.

Maßnahmen gehen der Dehoga nicht weit genug

Der Dehoga Berlin begrüßt die Fördermittel der IBB und die beschlossenen Erleichterungen im Bereich des Kurzarbeitergelds derweil als erste gute Schritte, um der Lage im Hotelbetrieb Herr zu werden. Die Bestimmungen zu den Hilfsgeldern seien laut Hauptgeschäftsführer Thomas Lengefelder aber noch viel zu vage und unbestimmt: „Wir brauchen branchenspezifische Lösungen. Die Länder benötigen zügig weitere Instrumente zur Unterstützung und dürfen nicht alleingelassen werden. Hier muss die Bundesregierung handeln.“

Zuvor hatte Dehoga-Präsident Guido Zöllick erklärt, dass die vereinbarten Maßnahmen zur Krisenbewältigung nicht ausreichten: „Es besteht weiterer, dringender Handlungsbedarf.“ Um eine Insolvenzwelle, ein Übergreifen auf die Zuliefererbranche und Kündigungen zu verhindern, fordert der Verband insbesondere einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für Speisen.

Auch die Deutsche Oper verzeichnet einen massiven Rückgang beim Vorverkauf und an der Abendkasse. Das teilte die Kulturinstitution am Dienstag auf ihrer Jahrespressekonferenz mit.