Flüchtlinge

Container auf Tempelhofer Feld werden reaktiviert

Abbau der „Tempohomes“ auf dem Rollfeld wurde gestoppt. Räume sollen Reserve sein, falls wieder mehr Menschen in die Stadt kommen.

Sollten abgebaut werden: Die Tempohomes für Flüchtlinge auf dem Tempelhofer Feld

Sollten abgebaut werden: Die Tempohomes für Flüchtlinge auf dem Tempelhofer Feld

Foto: Reto Klar

Der Senat verändert unter dem Eindruck einer möglichen neuen Flüchtlingskrise seine Strategie im Umgang mit bestehenden Containerdörfern. Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) stoppt den Abbau von 900 Containern, so genannten Tempohomes, auf dem Tempelhofer Feld. Die Unterkünfte sollen reaktiviert und wieder bewohnbar gemacht werden. Die Anlage auf dem Rollfeld soll als Reserve bereit stehen, falls die Zahlen der Geflüchteten in den nächsten Monaten wieder ansteigen. Eine Nutzung sei aber nur „eventuell und temporär“ geplant, sagte ein Sprecher der Senatorin der Berliner Morgenpost.

Tempelhof-Initiative stimmt einer Weiternutzung zu

Im Sommer 2019 waren mehr als 1000 geflüchtete Menschen aus dem weiträumigen Containerdorf ausgezogen. Nur 18 Monate stand die Unterkunft zur Verfügung. Denn das Tempelhofer-Feld-Gesetz, das die Berliner in einem Volksentscheid 2014 per Volksentscheid beschlossen hatten, verbietet feste Bauten auf dem ehemaligen Flughafengelände. Deshalb war dem Containerdorf, das 17 Millionen Euro gekostet hatte, nur eine kurze Lebensdauer beschieden.

Alle Forderungen, das Tempelhofer-Feld-Gesetz zu lockern, um nicht teuer aufgebaute Infrastruktur wieder zu zerstören, waren am Widerstand vor allem der Linken und der Grünen gescheitert. Jetzt aber gibt es ein Umdenken. Die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“, die seinerzeit den Volksentscheid initiiert hatte, sei informiert. Sie habe ihr Einverständnis signalisiert und zugesagt, angesichts der kritischen Lage an der türkisch-griechischen Grenze nicht gegen eine Nutzung der Container vorzugehen, so Breitenbachs Sprecher.

Wie der Zustand der Unterkünfte aktuell ist und welcher Aufwand nötig ist, um die einmal voll funktionsfähigen Apartments in den Containern wieder herzurichten, konnte die Verwaltung am Montag nicht sagen. Seit einem halben Jahr bemühte sich die landeseigene Immobiliengesellschaft BIM, die Container selbst zu verkaufen, die Erfolge hielten sich jedoch in Grenzen. Allerdings sind Ausstattungsstücke von Möbeln bis zu Waschmaschinen schon länger abtransportiert worden. Schon vor sechs Monaten hieß es von der BIM; es befinde sich lediglich Restmobiliar noch vor Ort.

Berlin ist auf weitere Flüchtlinge vorbereitet

Der rot-rot-grüne Berliner Senat hatte zuletzt mehrfach seine Bereitschaft bekundet, auch über der Stadt möglicherweise zugewiesene Kontingente hinaus weitere Geflüchtete aufnehmen zu wollen. Dabei verwiesen Senatorin Breitenbach und auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf vorhandene Kapazitäten in den Berliner Flüchtlingsunterkünften. In den Heimen stehen bisher etwa 2000 Betten frei. Mit den Tempelhofer Containern könnte die Reserve auf 3000 Plätze wachsen.

Berlin hatte zuletzt nicht nur das Containerdorf in Tempelhof, sondern auch Anlagen an der Dingolfinger und an der Zossener Straße in Marzahn-Hellersdorf abgebaut. Insgesamt kalkuliert die BIM die Kosten für den Abbau der 15 Tempohome-Grundstücke auf 47 Millionen Euro. Diese Summe addiert sich zu den Baukosten hinzu. 91 Millionen Euro hatte es gekostet, zwischen 2016, als die Flüchtlingskrise akut war, und Anfang 2019 fast 4000 Unterkunftsplätze in Containern zu schaffen. Weil die meisten dieser Containerdörfer nur nach dem Flüchtlingsbaurecht genehmigt wurden und nur drei Jahre stehen dürfen, war nun der Rückbau im Gange.