Antisemitismus

Neue Beratungsstelle für Betroffene von Antisemitismus

Berlin steckt als erstes Bundesland Geld in eine Beratungsstelle für Antisemitismus-Betroffene. 120.000 Euro gehen ins Förderprojekt.

Stellen die Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung (OFEK) vor: Lorenz Korgel (Ansprechpartner des Landes Berlin für Antisemitismus), Marina Chernivsky, Geschäftsführerin der OFEK) und Justizsenator Dirk Behrendt (Bündnis90/Die Grünen, v.l.).

Stellen die Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung (OFEK) vor: Lorenz Korgel (Ansprechpartner des Landes Berlin für Antisemitismus), Marina Chernivsky, Geschäftsführerin der OFEK) und Justizsenator Dirk Behrendt (Bündnis90/Die Grünen, v.l.).

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Geben tut es sie schon seit Februar in Berlin, jetzt wurde sie erstmals öffentlich vorgestellt: Die Beratungsstelle für Betroffene von antisemitischer Gewalt und Diskriminierung OFEK. Die Hauptstadt fördert das Projekt für das Jahr 2020 mit 120.000 Euro.

Damit ist Berlin nach Angaben von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) das erste Bundesland, das eine spezifische Beratungsstelle für von Judenfeindlichkeit betroffene Menschen finanziell unterstützt. Bisher hatte die OFEK lediglich eine bundesweit agierende Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main.

Stärkung der jüdischen Gemeinschaft ist wichtiges Anliegen

„Die hohe Zahl antisemitischer Straftaten verlangt ausdifferenzierte Angebote für Betroffene“, erklärte Behrendt. Deshalb sieht Behrendt es als einen positiven Schritt, solche Angebote finanziell zu fördern. „Die Stärkung der jüdischen Gemeinschaft ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagte Marina Chernivsky, Geschäftsführerin der OFEK.

Der gemeinsame Austausch und das Bilden von Netzwerken solle dazu beitragen. Dafür bietet OFEK Beratungen und psychosoziale Unterstützung an. Hier können sich Einzelpersonen und deren Angehörige über ihren Umgang nach antisemitischen Vorfällen in der Schule, am Arbeitsplatz oder im persönlichen Umfeld informieren. Auch Schulen sowie Fach- und Führungskräfte aus Politik, Gesellschaft und Medien können sich beraten lassen.

„Ich freue mich, dass wir nun in Berlin ein spezifisches Angebot für Betroffene von antisemitischen Übergriffen etablieren können“, erklärte Marina Chernivsky. Mit ihrer Arbeit wolle sie dort Einsicht wecken, wo die Abwehr überwiegt. „Wir wollen nicht nur über die Formen von Antisemitismus referieren, sondern Brücken zu den Menschen schlagen – zu ihren Emotionen, Fragen und Abwehrreaktionen“.

„Jüdinnen und Juden brauchen die gesamtgesellschaftliche Solidarität gegen Antisemitismus“, erklärte Lorenz Korgel, Ansprechpartner des Landes Berlin für Antisemitismus. „Deswegen ist es ein wichtiger Schritt, dass Berlin als erstes Bundesland so eine Beratungsstelle fördert.“ Er fügt an, dass es jedoch damit allein noch nicht getan ist. „Viele weitere Schritte müssen folgen.“

Beratungsgespräche können per E-Mail an beratung@zwst-kompetenzzentrum.de oder telefonisch unter der Nummer 030/610 80 458 vereinbart werden.