Verkehr

Berliner Autobahntunnel so häufig wie nie gesperrt

Mit der Eröffnung des BER wird sich die Situation auf den Stadtautobahnen zuspitzen.

Für viele Autofahrer ein gewohnter Anblick: Stau auf der A100. In Tunneln dürfen diese gar nicht erst entstehen.

Für viele Autofahrer ein gewohnter Anblick: Stau auf der A100. In Tunneln dürfen diese gar nicht erst entstehen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Für Berufspendler und Berliner gehören Staus auf den Stadtautobahnen seit Jahren zum Alltag. Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Überlastungen der A100 und der A111 wachsen von Jahr zu Jahr. Das zeigen die jüngsten Statistiken zu den Tunnelsperrungen. Die Zahlen für das vergangene Jahr hat die Senatsverkehrsverwaltung im Rahmen der Beantwortung einer schriftlichen Anfrage des Grünen-Abgeordneten Harald Moritz veröffentlicht.

Demnach musste der Tunnel Ortsteil Britz 2019 wegen hohen Verkehrsaufkommens 41 Mal stadteinwärts gesperrt werden. Das ist mehr als doppelt so häufig wie 2018. In Fahrtrichtung Süd waren es sieben Sperrungen. Um Staus im Tunnel zu vermeiden, ließ die Verkehrslenkung 842 Mal Fahrstreifen vor dem Tunnel und die Zufahrten Buschkrugallee und Britzer Damm kurzzeitig schließen. Das ist ebenfalls ein Negativ-Rekord. Fast immer (836 Mal) waren die Fahrstreifen in Richtung Norden davon betroffen. Die meisten Sperrungen gab es im morgendlichen Berufsverkehr. Das führte zu massiven Belastungen auf der ausgewiesenen Umleitungsstrecke über die Anschlussstelle Gradestraße, die Blaschkowallee, die Späthstraße und die Anschlussstelle Späthstraße.

Verkehrsexperten erwarten mit der geplanten Eröffnung des Flughafens BER im Oktober einen deutlichen Zuwachs des Verkehrsaufkommens auf der A100 und der A113. Dadurch dürfte die dauerhafte Überlastung des Britzer Tunnels noch drastisch zunehmen. Statt der täglich etwa 135.000 Autos werden dort 200.000 erwartet. Dadurch dürfte der Tunnel noch deutlich häufiger gesperrt werden. Denn seit etwa 14 Jahren gibt es eine Sicherheitsrichtlinie zum Betreiben von Straßentunneln. Demnach darf darin kein Stau entstehen. Um das zu verhindern, werden die Tunnel komplett gesperrt oder über die Zufahrten auf die Autobahn der Zufluss von Fahrzeugen gesteuert.

Auf A100 und A113 droht regelmäßig Verkehrskollaps

80 Prozent der Fluggäste am BER, so die Verkehrsexperten, werden aus Berlin kommen. Das hat Folgen: Aufgrund der stark auf Berlin ausgerichteten Verkehre werde es eine „starke Bündelung“ auf der Stadtautobahn geben. Die Autoren eines Verkehrsgutachtens vom Büro Spreeplan, das im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Flughafengesellschaft für den BER erarbeitet wurde, kommen zu dem Schluss: „Die Belastung im Straßenverkehr (insbesondere der Autobahn) in den Spitzenstunden ist als kritisch einzuschätzen.“ Die Planer empfehlen, den öffentlichen Nahverkehr weiter zu stärken.

„Die hohen und teilweise weiter gestiegenen Zahlen der Sperrungen oder Zufahrtsbeschränkungen der Autobahntunnel zeigt, dass die Stadtautobahnen an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen sind. Ein Mehr an Autoverkehr ist weder in den Wohngebieten noch auf der Autobahn zu verkraften“, sagte der Grünen-Abgeordnete Moritz. „Die Lösung kann nicht der Ausbau der Autobahn sein, das führt nur zu noch mehr Autoverkehr, die Lösung liegt im Umstieg auf den Umweltverbund, auf Bahnen, Busse, das Fahrrad und zu Fuß. Leider geht der Ausbau der Infrastruktur nicht so schnell, wie wir es eigentlich bräuchten, dazu hätten schon vor Jahren die Weichen richtig gestellt werden müssen.“

Deutlich geringer, aber ebenso verdoppelt haben sich die Sperrungen des Tunnels Flughafen Tegel. Wegen hohen Verkehrsaufkommens wurde er in Richtung Norden im vergangenen Jahr 39 Mal, in Richtung Süden 54 Mal geschlossen. 325 Mal wurden einzelne Fahrstreifen gesperrt. Um den Zufluss auf die Stadtautobahn zu regulieren, hat die Verkehrslenkung die Auffahrt Siemensdamm 574 Mal und die an der Antonienstraße 507 Mal dichtgemacht.