Techno-Demo

Berliner „Zug der Liebe“ auch 2020: Das ist die Route

Zum fünften Mal wird die Techno-Demo „Zug der Liebe“ am 22. August durch Berlin raven. Die Route führt von Mitte nach Kreuzberg.

Ausgelassen feiern die Teilnehmer beim  „Zug der Liebe".

Ausgelassen feiern die Teilnehmer beim „Zug der Liebe".

Foto: Gregor Fischer / dpa

Die Stimmung ist an diesem Freitag mehr als ausgelassen in den Räumlichkeiten der Berliner Clubcommission, dem Verband der hauptstädtischen Party-Szene. Von regnerischem Wetter und Corona lässt sich der Vorstand des „Zug der Liebe e.V.“ die freudige Ankündigung jedenfalls nicht verderben – viel mehr wird ausgiebig über das Virus gescherzt. „Unsere Planungen liefen schon lange vor dem Ausbruch“, so Vorstand Martin Hüttmann. „Stand jetzt ist Corona für uns kein Thema.“

Und das obwohl Hüttmann mit seinen Kollegen nun schon bereits das fünfte Mal eine besonders große und laute Menschenansammlung veranstaltet. Denn am 22. August ab 13 Uhr soll sie wieder durch Berlin tanzen, die Techno-Demonstration „Zug der Liebe“.

Wie jedes Jahr unterstreicht Hüttmann deutlich, dass es sich bei ihr eben nicht um „eine zweite Loveparade“ handelt, sondern um eine politische Veranstaltung mit musikalischer Untermalung: „Klar kommen einige Gäste auch nur zum Feiern. Unser Ziel ist es aber, in guter Stimmung auf engagierte soziale Organisationen und politische Missstände hinzuweisen.“

Sein Mit-Vorstand David Kracht ergänzt: „Die teilnehmenden Projekte nehmen uns als Party-Plattform für Altruisten wahr.“ Auf 15 Wagen sollen sich über 50 Vereine bei lauter Techno-und Reggaemusik präsentieren, zwischendurch sind politische Kundgebungen von Redner geplant, die aus verschiedenen Organisationen stammen.

Sponsoring kommt für die Veranstalter nicht in Frage

Mit dabei sind neben Berliner Tafel, dem Tierschutzverein, der Berliner Obdachlosenhilfe und UNICEF auch Projekte zur Förderung des Umweltschutzes, der Kinder- und Jugendarbeit, der Demokratieförderung und aus weiteren Engagementfeldern auch Reporter ohne Grenzen und SeaWatch. Bis zum Start der Demonstration sollen sich die kleineren Vereine auf zwölf so genannten „Social Parties“ in bekannten Berliner Clubs wie dem „Sisyfass“ oder dem „Klunkerkranich“ vorstellen können.

Mitlaufenden Gästen steht es frei, tanzend Protestplakate zu den Missständen hochhalten, die sie gerade beschäftigen. Entsprechend breitgefasst ist das Motto des „Zugs der Liebe“ auch 2020: Schaut nicht weg. Angesprochen werden damit so unterschiedliche Probleme wie gesellschaftlicher Rassismus, die Seenotrettung von Flüchtlingen, die politischen Erfolge von AfD und Pegida, die Verdrängung der Berliner Clubszene und die Gentrifizierung der Kieze.

Dabei soll es aber selbstverständlich nicht nur bierernst zugehen. Deswegen bekommt der diesjährige „Zug der Liebe“ auch zum ersten Mal ein eigenes Maskottchen an die Hand. Einen coolen Fuchs mit Brille, der ein wenig wie John Lennon aussehen soll. Einen Namen hat dieser Sympathieträger allerdings noch nicht. Darüber soll spätestens bis August basisdemokratisch in den sozialen Medien abgestimmt werden, versichert Hüttmann.

Nicht an einen Fuchs, sondern an eine Schweineschnauze, daran erinnert laut dem Pressesprecher des gemeinnützigen Vereins, Jens Schwan, die diesjährige Route der Techno-Demonstration. Sie wird am Mauerpark an der Bernauer Straße starten und führt dann unter anderem über die Schönhauser zur Karl-Marx-Allee. Über Andreasstraße und Köpenicker Straße geht es anschließend nach Kreuzberg. Am Moritzplatz ist Endstation, wo im benachbarten Nachtclub „Ritter Butzke“ ab 20 Uhr die große Abschlussparty stattfinden soll.

„Zug der Liebe“ setzt auf Crowdfunding

Der Eintritt für diese Feier wird einen Teil der Kosten der gemeinnützigen und ehrenamtlich organisierten Demonstration tragen. Um die Veranstaltung – die für die sozialen Vereine wie immer kostenlos ist – wirklich stemmen zu können, läuft aber ein Crowd-funding-Aufruf. Auf private Spenden von mindestens 17.500 Euro ist der „Zug der Liebe e.V.“ für Wagen, DJ-Gagen und Technik angewiesen. Mit 10.000 Euro beteiligt sich das Musicboard des Berliner Senats – zur Förderung junger Talente. 6000 freiwillige Helfer sorgen zusätzlich für Entlastung. Sponsoring von großen Firmen wird es laut Hüttmann und Kracht trotz mehrerer Anfragen aber niemals geben: „Das würde nur den Fokus von den sozialen Projekten nehmen. Das wäre Verrat an uns selbst.“

Überschüsse werden an die beteiligten Vereine gespendet. „Über 11.000 Euro im letzten Jahr“, wie Hüttmann verkündet. Der Verein „Zug der Liebe“ wurde 2016 zusammen von elf Freunden zur Organisation des Raves gegründet. Während im ersten Jahr der Demonstration, 28.000 Menschen teilnahmen, konnten die Vereine im 2019 bereits 70.000 Gästen präsentieren. „Trotzdem wahrscheinlich keine Konkurrenz zu Rave The Planet“, wie Hüttmann anmerkt.

Der Techno-Zug „Rave The Planet“ war von Kult-DJ Dr. Motte für Juli 2021 angekündigt worden. „Das wird uns nächstes Jahr aber nicht tangieren“, ist sich Rave-Konkurrent Hüttmann sicher, „wir haben eine ganz andere Ausrichtung. Wenn aber jemand wirklich eine neue Loveparade in Berlin ausrichten kann, dann sind es nicht wir, sondern sicher der Motte.“