U-Bahn-Ausbau

Diese U-Bahn-Linien könnten verlängert werden

Braucht Berlin weitere Strecken im Untergrund? Auf diesen Linien könnte es zu Erweiterungen kommen.

Eines der Vorhaben ist der Ausbau der U8 bis zum Märkischen Viertel.

Eines der Vorhaben ist der Ausbau der U8 bis zum Märkischen Viertel.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin.  Rund neun Monate noch, so die Planungen, dann eröffnet Berlin seine neue U-Bahn. 20 Jahre nach dem Ausbau der U2 nach Pankow erhält die Stadt durch den Lückenschluss der U5 in Mitte eine Erweiterung des U-Bahnnetzes. Und danach? Beschlossen ist bislang nichts. Die Debatte, ob Berlin weitere Strecken im Untergrund braucht, und wo diese entstehen sollen, hat jedoch wieder an Fahrt aufgenommen. Sie legt auch die Differenzen innerhalb der rot-rot-grünen Koalition offen, die rund um den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs existieren.

Konkret wird es bald bei der Frage nach dem Ausbau der Linien U6, U7 und U8. Die Machbarkeitsstudien würden „in Kürze“ veröffentlicht, teilte Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung mit. Untersucht wurde durch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zunächst eine Erweiterung der U6 zum Flughafen Tegel, der U7 Richtung Flughafen Schönefeld sowie ein Ausbau der U8 zum Märkischen Viertel.

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U-Bahn-Ausbau in Berlin: Kommt die U8-Verlängerung zum Märkischen Viertel

Die Pläne sind mittlerweile fertig erarbeitet. Durchgesickert sind schon länger die Ergebnisse für eine U8-Verlängerung zum Märkischen Viertel. Erwartet würden 25.000 Fahrgäste mehr pro Tag, heißt es in der Machbarkeitsstudie, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Die zusätzliche Station schlüge mit mindestens 112 Millionen Euro zu Buche. Teurer würde eine Variante mit zwei Bahnhöfen, die am Senftenberger Ring endet und 329 bis 386 Millionen Euro kostete.

Währenddessen sind längst weitere Steckenverlängerungen im Gespräch. Ende 2019 hat die Verkehrsverwaltung eine Machbarkeitsstudie für die Erweiterung der U7 über den Bahnhof Spandau hinaus zur Heerstraße Nord in Auftrag gegeben. Zuvor wurde bereits beschlossen, dass bei der Untersuchung des anderen Endes der Linie im Südosten auch die Verbindung vom Flughafen Schönefeld bis zum BER mitbetrachtet werden soll. Eine technische Bewertung dieses Abschnitts soll ebenfalls schon bald vorliegen, teilte Thomsen mit.

Nun wird auch wieder intensiver über eine Verlängerung der U3 vom U-Bahnhof Krumme Lanke zum S-Bahnhof Mexikoplatz nachgedacht. Die Strecke gilt im Verhältnis zu anderen Erweiterungen als einfach zu realisieren. Von den wenigen hundert Metern langen Verbindung sind gut 150 Meter Tunnel bereits vor Jahrzehnten gebaut worden. Die Kosten für den Bau sollen sich auf rund 40 Millionen Euro belaufen. „Das begrüßen wir vorbehaltlos“, sagte Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzende des Berliner Fahrgastverbands Igeb. Das zusätzliche Stück würde eine Lücke im Netz schließen – und verhältnismäßig schnell ginge es auch. „Das könnte innerhalb von zehn Jahren durch sein und könnte in offener Bauweise gebaut werden“, so Wieseke.

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CDU fordert Verlängerung der U6 nach Lichtenrade

Die Strecke ist eine von drei Erweiterungen, deren Bau die SPD-Fraktion bereits im vergangenen Sommer gefordert hatte. „Die ist wichtig und hätte schon längst passieren sollen“, sagte SPD-Verkehrsexperte Tino Schopf zur U3-Verlängerung. Er und seine Fraktion fordern auch den Ausbau der U8 zum Märkischen Viertel und der U2 nach Pankow-Kirche, wofür ebenfalls nur rund 600 Meter Tunnel fehlen.

Innerhalb der Koalition stoßen die Sozialdemokraten damit jedoch auf Ablehnung. Die Linke spricht sich gegen einen U-Bahnausbau aus. Es müsse „vorrangig in den Erhalt und die technische Modernisierung des U-Bahn-Bestandsnetzes investiert werden“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Kristian Ronneburg. Im Untergrund gäbe es einen Sanierungsstau von mehr als zwei Milliarden Euro. Auch deshalb befände sich die U-Bahn „nicht auf der Höhe der Zeit im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen“. Die Linke setzen zudem darauf, den öffentlichen Nahverkehr zuvorderst durch den Trambau zu stärken. Ähnlich sehen es Teile der Grünen. Verkehrssenatorin Regine Günther gilt in der Frage hingegen als weniger eindeutig positioniert als viele ihrer Parteikollegen.

Deutlich pro Untergrundbahn argumentieren Opposition und Wirtschaft. „Berlin braucht dringend einen Ausbau des U-Bahn-Netzes“, sagte Jörg Nolte, Geschäftsführer für Wirtschaft und Politik der Industrie- und Handelskammer Berlin. Eine echte Mobilitätswende lasse sich nicht allein mit Radwegen und Straßenbahnen bewerkstelligen. „In der wachsenden und sich immer mehr verdichtenden Stadt kann nur die U-Bahn genügend Kapazitäten im ÖPNV schaffen“, sagte FDP-Verkehrspolitiker Henner Schmidt. Den Senat forderte er auf, „endlich größer zu denken und der U-Bahn die Bedeutung zu verschaffen, die ihr für die Zukunft unserer Stadt gebührt.“ Neue Ausbau-Ideen brachte die CDU-Fraktion am Donnerstag in die Debatte ein. Per Antrag im Abgeordnetenhaus forderten die Christdemokraten den Senat auf, auch eine Verlängerung der U6 nach Lichtenrade zu untersuchen.