Coronavirus

Hunderte lassen sich an der Charité testen

Die Corona-Untersuchungsstelle im Virchow-Klinikum testet täglich mehr als 100 Menschen. Bisher waren die Resultate negativ.

Coronavirus - Fakten und Verhaltenstipps

Das Coronavirus breitet sich weltweit immer weiter aus. Wie gefährlich die Erkrankung ist, ob Schutzmasken und Desinfektionsmittel wirklich nötig sind und was man sonst tun kann - das haben Experten erklärt.

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Berlin.  Am Vormittag ist die Schlange noch nicht lang. Etwa zwei Dutzend Menschen warten vor der Corona-Untersuchungsstelle auf dem Virchow-Campus der Charité darauf, dass der Türwächter mit der Atemmaske und dem Schutzanzug sie einlässt und die Mediziner einen Abstrich machen. Sie ziehen Wartemarken und werden mit einer einfachen Atemschutzmaske versorgt. So richtig krank sieht eigentlich niemand aus, obwohl die Charité eigens darauf hingewiesen hat, es sollten sich nur Menschen mit Erkältungs- oder Grippesymptomen vorstellen.

Zwei junge Frauen begehren Einlass. Die eine war vor vier Wochen in Venedig. Sie fühlt sich bis auf ein leichtes Kratzen im Hals gesund. „Alle sagen, ich solle mich testen lassen“, sagt die Frau. Dafür ist ihre Mitbewohnerin erkältet. Sie sei sonst nie krank. Sie arbeite mit alten Menschen, habe eine kranke Mutter. „Da will ich Sicherheit haben“, sagt sie.

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Arbeitgeber verlangen ein negatives Testergebnis

Auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude raucht ein arabischstämmiger Mann eine Zigarette. Er sei wegen einer Erkältung von seiner Tätigkeit als Kellner in einem Restaurant in Mitte krankgeschrieben, wolle nächste Woche wieder arbeiten gehen. Aber sein Arbeitgeber verlange von ihm, dass er ein negatives Testergebnis vorlege, ehe er wieder anfangen kann.

Eine Charité-Sprecherin bestätigt, dass solche Wünsche von Arbeitgebern einen großen Teil der mehr als 100 Personen ausmache, die seit Dienstag pro Tag in die Untersuchungsstelle gekommen seien. Es mache jedoch wenig Sinn, bei beschwerdefreien Menschen einen Abstrich zu nehmen. Die Inkubationszeit, bis sich die Infektion zeige, betrage bis zu zwei Wochen.

Auf dem Rasen vor dem Haus sitzt ein Student und liest. Er fühle sich eigentlich gesund, sagt der junge Mann und zieht seine Atemmaske herunter. Aber er habe mit einem Mann gearbeitet, der mit dem ersten Berliner Coronapatienten gearbeitet habe, begründet er seinen Besuch im Virchow-Klinikum. Er selbst bewege sich ansonsten normal in der Stadt, gehe auch zur Universität. Sich testen zu lassen, sei eine „Vorsichtsmaßnahme“.

Bisher haben die mindestens 200 Tests, die über die Charité-Stelle gemacht und bereits ausgewertet wurden, fast immer ein negatives Ergebnis erbracht. Nur in einem Fall, so heißt es, gab es einen Treffer. Wie viele Tests in Berlin insgesamt genommen wurden, kann die Gesundheitsverwaltung jedoch nicht sagen. „Die Tests werden von den Gesundheitsämtern, Hausarztpraxen und Kliniken in Auftrag gegeben und nicht zentral erfasst“, sagte ein Sprecher der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Die Kapazität der Labore liegt laut Charité-Direktor Ulrich Frei aber bei bis zu 500 Tests am Tag.

Die Zahl der demnach in mehreren Tausend Tests nachgewiesenen Corona-Fälle in Berlin ist im Laufe des Donnerstags auf 13 gestiegen. Ein Mädchen aus Friedrichshain-Kreuzberg ist infiziert. Sie ist Schülerin des Lehrers der immer noch geschlossenen Emanuel-Lasker-Schule in Friedrichshain, bei dem das Virus nach der Rückkehr von einer Skifahrt in Südtirol nachgewiesen worden war. Ein weiterer neuer Fall steht in Verbindung mit dem ersten in Berlin festgestellten Corona-Patienten, der noch immer in der Charité behandelt wird. Auch eine Frau aus Pankow, die sich in häuslicher Isolation befindet, stand in Verbindung mit einer bereits als infiziert gemeldeten Person. Ohne Kontakt zu einer bereits identifizierten Infektionskette war ein Mann aus Reinickendorf, der ebenfalls in häuslicher Quarantäne bleiben muss. Er arbeitet im Bezirksamt Reinickendorf, hat aber nach Angaben eines Sprechers keine Beziehung zum Gesundheitsamt, welches sich ums Aufspüren und Kontaktieren von Kontaktpersonen von bekannten Corona-Fällen kümmert.

Coronavirus in Berlin - Wichtige Informationen der Behörden im Überblick:

Um die Untersuchungsstelle der Charité zu entlasten und den Bürgern weitere Anlaufpunkte jenseits von Arztpraxen und Rettungsstellen zu bieten, werden in der Stadt zeitnah weitere Krankenhäuser ein ähnliches Angebot bereitstellen. Am Montag eröffnet der kommunale Klinikkonzern Vivantes zwei solcher Abklärungsstellen. In einem separaten Gebäude am Wenckebach-Klinikum in Tempelhof und am aufgegebenen Klinikstandort Prenzlauer Berg an der Fröbelstraße nehmen die Zentren ab neun Uhr den Betrieb auf.

„Ob eine Coronavirus-Diagnostik sinnvoll ist, entscheidet ein Arzt nach einem Beratungsgespräch, sodass der Test vor Ort durchgeführt werden kann“, sagte eine Vivantes-Sprecherin. Die beiden Anlaufstellen würden separat vom Klinikbetrieb eingerichtet. Ein weiteres Untersuchungszentrum soll im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Lichtenberg entstehen. In zwei weiteren Krankenhäusern und einem Medizinischen Versorgungszentrum laufen darüber hinaus die Vorbereitungen, sagte Senatorin Kalayci am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Die Strategie beim Coronavirus sei weiter, infizierte Menschen und Kontaktpersonen zu identifizieren und zu isolieren, sagte Kalayci. Die Hoffnung sei, die Ausbreitung des Virus so zu verlangsamen. Die Eindämmung ist bundesweites Ziel. Wissenschaftler diskutieren in diesem Zusammenhang sogar über Handydaten zur Ortung von Kontaktpersonen. Rechtlich und mit Blick auf den Datenschutz seien solche Ideen aber noch nicht geprüft, sagte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI).