Schwimmbäder in Berlin

Berlins Schwimmbäder wollen gegen Kinderlärm vorgehen

Vor allem ältere Badegäste beschweren sich immer wieder über den Lärm von Kindern. Darauf wollen die Bäderbetriebe nun reagieren.

Wenn Klassen und Vereine trainieren, ist das oft ganz schön laut. Die Berliner Bäderbetriebe planen deshalb getrennte Becken für sie.

Wenn Klassen und Vereine trainieren, ist das oft ganz schön laut. Die Berliner Bäderbetriebe planen deshalb getrennte Becken für sie.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Schulklassen und Schwimmvereine auf der einen Seite, Badegäste, die in Ruhe ihre Bahnen ziehen wollen, auf der anderen: Weil der Platz in Berlins Schwimmbädern begrenzt ist, lassen sich Konflikte zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen kaum verhindern. Um diese dennoch zu reduzieren, sollen neue Bäder so gebaut werden, dass „eine Beeinträchtigung des öffentlichen Badebetriebs vermieden werden kann“, heißt es in dem kürzlich vom Senat beschlossenen Bericht „Bäderkonzept überarbeiten – Öffentliche Daseinsvorsorge als Leitbild“ an das Abgeordnetenhaus.

Das soll etwa geschehen, indem bei Neubauten statt einem großen Becken zwei 25-Meter-Becken entstehen, die räumlich voneinander getrennt werden. „Bei einem 50-Meter-Becken sind alle Nutzergruppen in einem Raum, bei zwei separaten Becken trennen Sie die Gruppen. Dadurch erhöht sich die Nutzungszufriedenheit“, erklärt Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe (BBB). Die beiden neuen Multifunktionsbäder in Pankow und Mariendorf würden deshalb bereits nach diesem Prinzip geplant.

Oloew verweist dabei auf eine Marktforschung, die für die Berliner Bäder gemacht wurde. Dabei habe sich gezeigt: Kunden bemängeln bei den Schwimmhallen besonders andere Kunden. Knackpunkt ist vor allem der Lärm. In dem Bericht des Senats heißt es: „Viele – vor allem ältere – Badegäste wünschen keine zeitgleiche Nutzung mit Schulklassen oder Vereinen.“ Die Bäderbetriebe wollen deshalb auch zukünftig an teilweise getrennten Bädern oder Schwimmzeiten für Vereine und Schulen einerseits und die Öffentlichkeit andererseits festhalten. Gleichzeitig ist aber auch ein Parallelbetrieb Teil des Konzepts, um knappe Wasserflächen optimal auszunutzen.

Schwimmbäder in Berlin: Unternehmen will Auslastung der Bahnen kontrollieren

Daher setzt man darauf, die Nutzergruppen in neuen Schwimmbädern zumindest akustisch voneinander zu trennen – so könne auch der Antrieb, Bäder häufiger zu besuchen, erhöht werden, sagt Oloew. Auch bei Sanierungen bestehender Hallen soll eine solche Trennung geprüft werden, ob etwa eine weitere Halle angebaut werden kann. Möglich sei das jedoch nur selten.

Um den Nutzungsgrad der Bäder zu optimieren, sollen die BBB künftig zudem „verstärkt stichprobenartige Kontrollen der jeweiligen Bahnauslastungen vor Ort“ organisieren, heißt es in dem Bericht. Wird bei Vereinen wiederholt eine ungenügende Auslastung oder Nichtnutzung festgestellt, „folgen Reduzierungen der Wasserflächen oder Streichungen von Nutzungszeiten“. Kompromisse seien notwendig, heißt es, denn: „Allen Beteiligten ist bewusst, dass die derzeit zur Verfügung stehende Wasserfläche den wachsenden Bedarfen und Ansprüchen kaum gerecht wird“.

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Berliner Bäderbetriebe wollen Krankenstand senken

Um die Angebote für öffentliches Schwimmen zu erhöhen und Öffnungszeiten auszudehnen, ist eines Grundvoraussetzung: Personal. Zusätzliche Mitarbeiter wurden bereits eingestellt, gleichzeitig sei der leicht Krankenstand gesenkt worden, Oloew. Zuletzt lag dieser deutlich über dem Branchenschnitt, wie es im Bericht heißt. Ziel sei es, den Krankenstand von 12,6 Prozent – dem Wert aus dem Jahr 2018 – um vier Prozent zu senken. Im vergangenen Jahr sei er bereits um 0,3 Prozent zurückgegangen.

Auch bei der Bezahlung der Mitarbeiter soll sich etwas tun. Die Bäderbetriebe beabsichtigen, einen Flexibilitätsbonus einzuführen. Dieser soll zum Beispiel Mitarbeitern in Freibädern gezahlt werden, die sich bereit erklären, länger zu arbeiten, wenn bei gutem Wetter viele Besucher da sind, erklärt Oloew. Voraussetzung dafür ist, dass der Kommunale Arbeitgeberverband mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einen Ergänzungstarifvertrag abschließt.

Zentral für die Zukunft der Berliner Schwimmbäder ist ein sogenannter Bädervertrag, den das Land Berlin, die Bäderbetriebe und die BBB Infrastruktur GmbH & Co. KG abschließen wollen. Laut Oloew soll das noch in diesem Jahr erfolgen. Dieser wäre für die Bäderbetriebe ein großer Schritt: Das erste Mal in der Unternehmensgeschichte, so der Sprecher, würden die BBB dann nach einer konkreten, vom Land bestellten Leistung bezahlt werden. Dabei sind getrennte Zahlungen für den Betrieb und für Investitionen vorgesehen. Erhalt und Entwicklung der Bäder sollen wesentlicher Teil der Vertrags sein. Für Sanierungen soll ein Zehn-Jahres-Plan festgelegt werden, sagt Oloew. Einen Entwurf gebe es bereits.

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Kritik an langer Dauer beim Bau neuer Schwimmbäder in Berlin

Dennis Buchner, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sieht für die vergangenen Jahre durchaus eine positive Entwicklung bei den Bädern. Öffnungszeiten seien ausgeweitet und Ausfälle durch Personalmangel reduziert worden. „Es ist aber auch noch eine Menge zu tun“, sagt er. Vor allem geht es ihm bei den beiden Multifunktionsbädern in Pankow und Mariendorf zu langsam voran. Die seien 2015 prinzipiell beschlossen und finanziert worden, eine Eröffnung ist jedoch erst 2024 oder 2025 geplant. „Das dauert sehr lange“, so Buchner. „Dabei wären sie eine große Hilfe, um Konflikte zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen auszugleichen.“