Positionspapier

FDP will Werkunterricht an Berliner Grundschulen

Seit Jahren bleiben in Berlin Ausbildungsplätze unbesetzt. Die FDP will nun Werkunterricht an Schulen und Wohnheime für Azubis.

Maren Jasper-Winter und Sebastian Czaja (l.) bei einem Termin im KFZ-Meisterbetrieb Macht-macht-mobil in Kreuzberg. Die Partei hat nun ein Papier vorgelegt, um die Ausbildungssituation in Berlin zu verbessern.

Maren Jasper-Winter und Sebastian Czaja (l.) bei einem Termin im KFZ-Meisterbetrieb Macht-macht-mobil in Kreuzberg. Die Partei hat nun ein Papier vorgelegt, um die Ausbildungssituation in Berlin zu verbessern.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Die Fraktion der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus will mit einem umfangreichen Paket die Ausbildungssituation in Berlin verbessern. In einem Positionspapier, das der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt, fordert die Partei unter anderem die Einführung von Werkunterricht an Berliner Grundschulen, 1000 neue Wohnheimplätze für Azubis, die Zahlung einer Meisterprämie sowie eine bessere Berufsorientierung.

Es sei an der Zeit, in Berlin nicht mehr nur von Wertschätzung für berufliche Bildung zu sprechen, sondern Rahmenbedingungen zu verändern, um mehr Menschen für die Ausbildung zu gewinnen, heißt es in dem Papier. Die FDP hat in Berlin vor allem strukturelle Probleme entdeckt und sieht etwa einen steigenden Trend zur Akademisierung. Gleichzeitig werde in Berlin jeder dritte Lehrlingsvertrag nach einiger Zeit wieder aufgelöst, zudem seien die Azubis in der deutschen Hauptstadt mit einem Einstiegsalter von 21,6 Jahren bundesweit am ältesten. Ausbildungsbetriebe würden bei ihren Lehrlingen zudem verstärkt Schwächen beim Lesen, Rechnen und Schreiben feststellen, schreibt die FDP.

FDP: Berlin soll Flächen für Azubi-Wohnungen bereitstellen

Die Freien Demokraten plädieren nun für eine frühere Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für das Thema Ausbildung. Neben Werkunterricht sollen dafür auch verstärkt Vorbilder aus der Praxis an die Schulen geschickt werden. Darüber hinaus müsse sich aber auch die Qualität des Unterrichts an sich verbessern. Mit Blick auf fehlenden bezahlbaren Wohnraum fordert die FDP zudem, mindestens 1000 neue Wohnheimplätze für Lehrlinge zu schaffen. Unternehmen, die bereit sind, Wohnungen für ihre Azubis zu bauen, sollen durch die Stadt geeignete Flächen bereitgestellt werden, heißt es in dem Papier.

Für Azubis will die FDP auch die finanzielle Situation verbessern: Dafür soll unter anderem das Bafög einheitlich und auch elternunabhängig gewährt werden. Auch angehenden Meistern will die FDP helfen. „Die Meister müssen so schnell wie möglich von den rund 700 Euro Prüfungsgebühr entlastet werden“, erklärt die Partei. Zudem soll, so die FDP, eine Meisterprämie eingeführt werden, die es etwa auch in Brandenburg schon gibt. Dort erhalten Meister nach bestandener Prüfung einen Meisterbonus in Höhe von 1500 Euro. Einzelne Punkte aus dem Papier werde die FDP nach und nach als Anträge im Abgeordnetenhaus einbringen, heißt es.

In Berlin bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt

Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer beklagen seit Jahren nachlassende schulische Grundkenntnisse bei Lehrlingen. Ausbildungsbetrieben fällt es darüber hinaus seit Jahren schwer, Azubi-Stellen zu besetzen. Zum Start in das neue Lehrjahr, Ende September 2019, waren in Berlin noch 1302 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Die FDP hatte am Dienstag in einer Fraktionssitzung die Zuständigkeiten zu dem Thema neu geordnet. Das hatte der Abgang des bisherigen Sprechers für Wirtschaft und Arbeit, Florian Swyter, nötig gemacht. Swyter war Anfang März als Hauptgeschäftsführer zum Bundesverband der Personaldienstleister gewechselt. Seine Aufgaben als wirtschaftspolitischer Sprecher übernimmt Sebastian Czaja, der auch Fraktionschef ist. Maren Jasper-Winter wird Sprecherin für Aus- und Weiterbildung.

Czaja: „Schmutzige Hände sind etwas Normales“

„Der Stellenwert von Handwerkern ist momentan viel zu gering“, beklagte Czaja. Um die Ausbildungssituation zu verbessern, sollte der Senat ebenso viel Engagement zeigen wie beim Thema Pflege, forderte er. „Jungen Menschen fehlt aber heute vielfach der Bezugspunkt zum Handwerk. Werkunterricht an Schulen könnte wieder ein Bewusstsein dafür schaffen und auch zeigen, dass schmutzige Hände etwas Normales sind“, sagte Czaja, der vor seinem Studium selbst eine Ausbildung zum Elektrotechniker absolviert hatte.

Maren Jasper-Winter sprach sich dafür aus, ein breites Bündnis für die Ausbildung ins Leben zu rufen. Dafür sollten sich die zuständigen Senatsverwaltungen gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden, aber auch Schülern und Azubis selbst, an einen Tisch setzen, so Jasper-Winter.