Untersuchungsstelle

Schlangestehen an der Charité für den Coronavirus-Test

Corona-Verdacht: Die Berliner Charité hat eine Untersuchungsstelle eingerichtet. Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt.

Menschen mit Atemschutzmasken stehen vor der Untersuchungsstelle der Charité und warten auf Einlass.

Menschen mit Atemschutzmasken stehen vor der Untersuchungsstelle der Charité und warten auf Einlass.

Foto: Davids/Darmer

Berlin. Die Mitarbeiter sitzen hinter Glas. Der Erstkontakt mit Hilfesuchenden in der neuen Untersuchungsstelle für Coronafälle an der Berliner Charité, Campus Virchow-Klinikum, findet zunächst fernmündlich mit Blick durch eine Scheibe statt. Erst später, wenn wirklich ein Abstrich für den Test auf das neue Coronavirus genommen wird, lässt das medizinische Personal – geschützt mit Maske, Handschuhen und Kittel – die Menschen an sich heran.

„Das Gebäude hat keinen Zusammenhang mit dem stationären Bereich und mit den Notaufnahmen“, erklärte der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, die Wahl des zufällig wegen eines Umbaus leerstehenden Gebäudes auf dem Virchow-Campus der Universitätsklinik. Dass die zum Warten aufgestellten Partyzelte kaum alle Menschen fassen können, kommentierte Frei so: „Jede Maßnahme hat irgendeine Limitation.“ Er hoffe deshalb, dass auch die anderen Berliner Krankenhäuser dem Beispiel folgen und eigene Stellen öffnen. Das sei der Fall, bis zu sechs solcher Zentren seien an Berlins Kliniken geplant, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

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Mittags stehen schon 100 Menschen auf Warteliste

Die Nachfrage der Bürger ist jedenfalls enorm – vor allem nach Bekanntwerden der ersten bestätigten Fälle in Berlin. Nach zwei Stunden seien 20 Hilfesuchende da gewesen, berichtete Frei. Mittags warteten schon 100 Menschen darauf, einen Test machen zu können. Dabei wurden die Menschen mit einer Atemmaske ausgestattet. „Nur Patienten mit Symptomen sollten die Untersuchungsstelle direkt aufsuchen“, sagte Charité-Sprecherin Manuela Zingl.

Bei Vivantes will man dem Beispiel der Charité folgen und in Prenzlauer Berg und im Wenckebach-Klinikum in Tempelhof solche Zentren aufbauen. Auch in die Rettungsstellen des kommunalen Klinikkonzerns seien in den letzten Tagen viele besorgte Patienten gekommen, die sich auf das Coronavirus testen lassen wollten, teilweise auch ohne Symptome, sagte Sprecherin Mischa Moriceau. Bisher würden Verdachtsfälle zwar im selben Gebäude, aber in gesonderten Räumlichkeiten untersucht.

Damit sich Erkrankte nicht in die Krankenhäuser, Arztpraxen oder die neuen Anlaufstellen schleppen und dort andere anstecken, haben Feuerwehr und Kassenärztliche Vereinigung (KV) einen neuen Fahrdienst angekündigt. Er soll immobile Patienten mit sehr schweren Erkältungserkrankungen zu Hause oder in Pflegeheimen aufsuchen und gegebenenfalls Tests auf das Coronavirus durchführen. Die Feuerwehr stellt Fahrer, Begleitpersonal und Schutzausrüstung, die KV die Ärzte. Die vier Wagen sind zwischen sieben und 22 Uhr im Einsatz und können bei der KV-Leitstelle unter 030-116117 angefordert werden.

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Politiker rufen zur Besonnenheit auf

Während Politiker wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zur Besonnenheit aufriefen und dafür warben, das öffentliche Leben nicht lahm zu legen, reagiert die Bevölkerung nicht immer entsprechend. So stoppte in der Nacht zum Dienstag ein BVG-Busfahrer sein Fahrzeug noch vor dem Start der Tour auf dem Betriebshof, weil er dachte, er habe das Virus. Der Befund fiel aber negativ aus. Der Bus wurde gewaschen und wieder in Betrieb genommen.

Trotz anderslautender Empfehlungen von Experten und Behörden kommt es in der Stadt auch zu Hamsterkäufen. Bei Aldi an der Müllerstraße in Wedding sind nur die Paletten übrig, auf denen sich normalerweise Toilettenpapier stapelt. Bei Lidl im Friedrichshainer Rudolfkiez hängen an den leeren Nudelregalen nur noch die Preisschilder. In der Abteilung, in der normalerweise Packungen mit Mehl oder Zucker stehen, sieht es ähnlich verlassen aus.

Seit das Coronavirus auch Deutschland erreicht hat, steigt die Nachfrage im Einzelhandel, im Fokus der Kunden stehen haltbare Lebensmittel. Das berichtet Günter Päts, stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. In der Fastenzeit bis Ostern sei normalerweise „saure Gurken-Zeit“. Doch in der vergangenen Woche sei der Umsatz der Einzelhändler zwischen 30 und 40 Prozent gestiegen. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagte Päts. Die Kunden würden neben Büchsenbrot, Konserven und Nudeln auch vermehrt Drogerieartikel wie Desinfektionsmittel kaufen.

Sind Hamsterkäufe überhaupt erlaubt?

Die Ernährungsexpertin Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin beantwortet die Frage, ob Hamsterkäufe überhaupt erlaubt seien. Als Faustregel gelte, dass Kunden so viel einkaufen könnten, wie sie in zwei bis drei Wochen verbrauchten. Das falle unter den Begriff der haushaltsüblichen Menge. Allerdings sei der Verbrauch bei jedem Menschen unterschiedlich. Deshalb liege es auch im Ermessen des Einzelhandels, wie viel die Kunden von einem Produkt kaufen dürfen.

Erlaube der Filialleiter beispielsweise einem Kunden, eine Palette Toilettenpapier mitzunehmen, dann sei das laut Schautz in Ordnung. Aber er könne das eben auch verbieten, da eine ganze Palette eben nicht unter die Kategorie „haushaltsübliche Menge“ falle.

Grund zur Panik gebe es aber nicht, die Industrie komme der Nachfrage hinterher, heißt es aus dem Einzelhandel. Dass Regale mal leer blieben, liege eher an fehlenden Lagern in den Läden als an Lieferengpässen.

Andere Prioritäten: Anti-Terrorübung abgesagt

Wirkliche Probleme gibt es am ehesten noch bei Desinfektionsmitteln. Vor vielen Läden – wie dem Hit Ullrich Verbrauchermarkt am Zoo – hängen Schilder, dass die Mittel ausverkauft sind. Nicht von ungefähr berichten Krankenhäuser, dass Desinfektionsmittel aus Spendern oder auch aus Lagern gestohlen werden. Auch Apotheken melden das Fehlen einzelner Medikamente, wobei die Engpässe schon vor dem Auftauchen des Coronavirus aufgetreten waren.

Die Sicherheitsbehörden setzen jedenfalls Prioritäten. Eine für 11. März geplante Anti-Terror-Übung in Berlin mit 3000 Mitwirkenden wird nach Angaben der Innenverwaltung verschoben.

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