Infektionen

Coronavirus: Berlins Kliniken bauen Untersuchungsstellen auf

Die Zahl der Infizierten steigt. Berlins Krankenhäuser reagieren. Senatschef Müller erwartet großen Schaden für die Wirtschaft.

Coronavirus: Diese Regeln gelten im Betrieb

Das Corona-Virus verbreitet sich und viele Firmen befürchten Ausfälle. An diese Regeln müssen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer halten.

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Berlin. Die Berliner Krankenhäuser bauen angesichts der sich ausbreitenden Coronavirus-Epidemie ein neues System von Untersuchungsstellen auf. Nach dem Vorbild der Charité, die ein solches Zentrum am Dienstag auf dem Campus Virchow in Wedding eröffnete, sollen auch andere Krankenhäuser Anlaufstellen für Bürger einrichten, die einen Test für notwendig halten. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sprach von bis zu sechs solcher Untersuchungsstellen, die verhindern sollen, dass Infizierte das Personal der Rettungsstellen anstecken. Der kommunale Klinikkonzern Vivantes will diese Zentren in seinen Häusern Prenzlauer Berg und Wenckebach in Tempelhof einrichten.

Nach weiteren Corona-Fällen in Berlin hat der Amtsarzt von Friedrichshain-Kreuzberg die vorübergehende Schließung von zwei Schulen angeordnet. Neben der bereits am Montag gemeldeten Emanuel-Lasker-Oberschule war zunächst auch die benachbarte Modersohn-Grundschule betroffen. Ein Lehrer der Oberschule war nach einem Aufenthalt in Südtirol positiv auf das Virus getestet worden. Die Schließung erfolgte, weil es einen konkreten Fall gebe. Vorbeugend würden Schulen aber nicht geschlossen, stellte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) klar. „Wir machen nicht die Schule zu, weil jemand einen Nachbarn hat, der in Italien war.“ Am Nachmittag teilte die Bildungsverwaltung mit, dass die Grundschule am Mittwoch wieder öffnen wird. Nur die Filiale an der Corinthstraße bleibe geschlossen.

Müller: Öffentliche Leben in Berlin nicht lahmlegen

Bis Dienstagabend gab es sechs bestätigte Fälle in Berlin. Die ersten fünf Infizierten hatten nichts miteinander zu tun. Doch beim sechsten Fall gibt es erstmals einen Zusammenhang. Ein Mann aus Mitte hat mit dem ersten bekannten Corona-Patienten, einem 22-Jährigen, der laut Charité auf dem Weg der Besserung ist, im selben Großraumbüro gearbeitet. Die Amtsärzte ordneten an, alle Kollegen auf das Virus zu testen. Insgesamt hätten die Gesundheitsbehörden rund 200 Kontaktpersonen der Infizierten identifiziert, sagte Senatorin Kalayci. Sie seien zu Hause isoliert, würden auf das Virus getestet.

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Der Regierende Bürgermeister betonte, man wolle das öffentliche Leben in Berlin nicht lahmlegen. Organisatoren müssten selber die Risiken abwägen und entscheiden, ob sie ihre Veranstaltungen absagen. Fußballspiele im Freien oder Sportevents in großen, gut gelüfteten Hallen, wo die Zuschauer sich nur kurz aufhielten, seien anders zu bewerten als eine Messe mit vielen ausländischen Besuchern, so Müller. Der Berliner Wirtschaft drohten in jedem Fall „erhebliche Ausfälle“, die private Unternehmen wie auch den Landeshaushalt treffen würden. „Es könnte in den kommenden Jahren zu Kürzungen kommen, weil wir das auffangen müssen“, sagte Müller. „Aber Gesundheitsschutz geht vor.“

Kassenärzte warnen vor unnötigen Arztbesuchen

Die sieben großen Industriestaaten (G7) wollen im Kampf gegen die Auswirkungen des Coronavirus „alle angemessenen politischen Maßnahmen“ ergreifen. Die G7-Finanzminister seien „bereit zu handeln“, erklärten sie am Dienstag nach einer Telefonkonferenz, an der auch die G7-Zentralbankchefs teilnahmen. Dies schließe auch die Staatshaushalte belastende Maßnahmen ein. Die Lungenkrankheit Covid-19 sorgt weltweit für Störungen im Wirtschaftskreislauf. Orte werden abgeriegelt, Straßen gesperrt, Fabriken geschlossen, die Börsenkurse sanken stark und erholen sich bislang nur teilweise.

Deutschlands Kassenärzte warnten am Dienstag eindringlich vor unnötigen Praxisbesuchen. Andernfalls sehen sie die Versorgung der Bevölkerung als gefährdet an. „Umfangreichere Testung von klinisch Gesunden ist medizinischer Unfug“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Sollte jemand bei sich den Verdacht auf Corona haben, „dann sollte er nicht irgendwo hinrennen“, mahnte Deutschlands oberster Kassenarzt. Tests seien nur sinnvoll, wenn jemand Symptome einer Erkrankung der oberen Atemwege aufweise und in einem Risikogebiet war oder womöglich Umgang mit einer Kontaktperson eines Infizierten gehabt habe. In der vergangenen Woche seien in 60 Prozent der dafür geeigneten Labore 11.000 Tests gemacht worden. Bis Dienstagvormittag wurden aber lediglich 188 Infektionen erfasst.