Coronavirus

Hamsterkäufe in Berlin: So erklärt der Handel leere Regale

Viele Regale in Berliner Supermärkten sind wegen des Coronavirus derzeit leer. Gibt es Lieferengpässe? Der Handelsverband klärt auf.

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Berlin. Nur die Holzpalette ist übrig. Normalerweise stapeln sich Packungen Toilettenpapier darauf. Ein paar Gänge weiter hängen lediglich die Preisschilder an den leeren Nudelregalen, und in der Abteilung, in der Mehl oder Zucker steht, sieht es ähnlich verlassen aus.

Seit auch in Deutschland Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind, steigt die Nachfrage im Einzelhandel - vor allem nach haltbaren Lebensmitteln. Das bestätigt Günter Päts, stellvertretender Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg.

In der Fastenzeit bis Ostern bemühen Kunden ihren Geldbeutel eigentlich nicht sehr. Päts nennt es die „Saure Gurken-Zeit“. Doch in der vergangenen Woche sei der Umsatz der Einzelhändler zwischen 30 und 40 Prozent gestiegen. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagt Päts der Berliner Morgenpost. Die Kunden würden neben Büchsenbrot, Konserven und Nudeln auch Drogerieartikel wie Desinfektionsmittel horten.

Coronavirus in Berlin: Sind Hamsterkäufe überhaupt erlaubt?

Doch sind solche Hamsterkäufe überhaupt zulässig? Ernährungsexpertin Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin zufolge gilt die Faustregel: Kunden können so viel einkaufen, wie sie in zwei bis drei Wochen verbrauchen würden. Das falle unter haushaltsübliche Menge. Allerdings sei der Verbrauch bei jedem Menschen unterschiedlich. Deshalb liege es auch im Ermessen der Verantwortlichen im Einzelhandel, wie viel die Kunden von einem Produkt kaufen dürfen. Erlaubt der Fiilialleiter beispielsweise einem Kunden eine Palette Toilettenpapier mitzunehmen, dann sei das laut Schautz in Ordnung. Aber er könne das eben auch verbieten, da eine ganze Palette nicht unter die Kategorie „haushaltsübliche Menge“ falle.

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Schautz empfiehlt Verbrauchern ohnehin, immer einen Vorrat von etwa zehn Tagen zu Hause zu haben, aber nicht speziell wegen des Coronavirus. Eine volle Speisekammer sei auch nützlich, wenn man sich beispielsweise den Fuß breche. Für den Ernstfall würden sich trockene Lebensmittel wie Linsen, Knäckebrot, Reis oder Nudeln als besonders lange haltbar erweisen, so Schautz. Das derzeitige Kaufverhalten führt sie auf die Verunsicherung wegen des Coronavirus zurück. Die Kunden wissen nicht, welche Auswirkung das Virus haben kann, deshalb würden sie so reagieren. Ein ähnliches Verhalten gebe es oft nur, wenn ein Hersteller Änderungen ankündigt. „Als Nutella die Rezeptur geändert hat, kauften die Menschen vermehrt die alten Gläser“, sagt die Ernährungsexpertin.

Doch führt der Konsum zu Lieferengpässen im Einzelhandel? Günter Päts vom Handelsverband sagt: Nein. „Es gibt keinen Grund zur Panik.“ Denn derzeit komme die Industrie der Nachfrage hinterher. Sei dies nicht mehr der Fall, dann könnten Regale in den Supermärkten wirklich leer bleiben. Daran würde man allerdings noch nicht einmal denken.

Coronavirus - Viele Kunden in Apotheken, aber wegen Grippe

Doch weshalb stehen dann doch viele Regale leer? Päts sagt, dass viele Supermärkte keine großen Lagerräume hätten und oftmals nur zwei Mal in der Woche mit haltbaren Lebensmitteln beliefert würden. Würden die Kunden am ersten Tag beispielsweise Nudeln leerkaufen, gebe es erst am nächsten Liefertag wieder Nachschub. „Aber noch können wir nachliefern“, sagt Päts. Die nächsten Wochen seien mit dem Bestand in den Logistikzentren gesichert. Deshalb müsse auch niemand voreilig Vorräte anschaffen.

Dieser Eindruck, dass Produkte gebunkert werden, beschleicht einen auch, wenn man derzeit an Apotheken vorbeiläuft. Patienten stehen oft bis zur Eingangstür. Decken sie sich vermehrt mit Medikamenten ein? Nein, sagt Stefan Schmidt, Pressesprecher des Apotheker-Vereins Berlin. Im Februar und März sei Grippezeit - deshalb gebe es zu dieser Zeit immer mehr Kunden. Einen direkten Zusammenhang mit dem Coronavirus sehe er nicht. Allerdings beobachtet er, dass Menschen mehr Beratungsbedarf wegen des Virus haben.

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