Automesse

Berlin bei der IAA von München ausgebremst

Die Hauptstadt geht bei der IAA-Vergabe leer aus. Die Wirtschaft ist enttäuscht, die Opposition sieht die Schuld beim Senat.

 Besucher drängen sich auf der Internationalen Automobilausstellung IAA um die Fahrzeuge.

Besucher drängen sich auf der Internationalen Automobilausstellung IAA um die Fahrzeuge.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Berlin. „Es war ein sehr enges Rennen, für das ich den Beteiligten herzlich danke“, teilte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, am Dienstagabend mit. Dass München den Zuschlag für die Ausrichtung der nächsten Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) bekommen würde, hatte sich in den Stunden zuvor bereits angedeutet. Die anderen Bewerber, Hamburg und auch Berlin, gingen hingegen leer aus.

Messe-Chef Christian Göke gratulierte in einer ersten Reaktion dem künftigen IAA-Ausrichter München: „Zunächst wünschen wir der IAA alles Gute für den Neustart in 2021. Unsere Gratulation gilt München, dessen Konzept die Mehrheit des VDA-Vorstandes überzeugen konnte. Ich danke allen, die unsere Bewerbung in den letzten Wochen leidenschaftlich unterstützt haben, und ich bin mir sicher, dass unser Ansatz der Branche vor allem auch international einen glaubhaften, kraftvollen und wegweisenden Neustart ermöglicht hätte“, teilte Göke mit.

"Das ist eine bittere Nachricht für Berlin"

Die Berliner Wirtschaft zeigte sich zunächst enttäuscht über die Absage des Automobilverbandes: „Das ist eine bittere Nachricht für Berlin“, sagte die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK), Beatrice Kramm. Die Wirtschaft habe die Bewerbung von Beginn an unterstützt und die Messe ein sehr gutes und zukunftsweisendes Konzept entwickelt. „Dass sich der VDA gegen Berlin entschieden hat, ist ein herber Verlust nicht nur für die Messe, sondern für den Standort. Eine Veranstaltung mit dieser internationalen Strahlkraft hätte zahlreiche neue Arbeitsplätze und mehr Wertschöpfung für die gesamte Metropolregion bedeutet“, so Kramm weiter.

Man müsse nun gemeinsam analysieren, wie Berlin in der nationalen wie internationalen Konkurrenz der Messestandorte noch attraktiver werden könne. „Wenn man Veranstalter nicht mit finanziellen Anreizen locken will oder kann, ist es umso wichtiger, dass alle Beteiligten im Interesse der Stadt zusammenstehen und klarmachen, dass Berlin the place to be ist“, sage Kramm.

Die bayrische Staatsregierung hatte im Zuge der Vergabe angekündigt, eine IAA in München mit rund 15 Millionen Euro unterstützen zu wollen. Berlin hingegen lehnte ein ähnliches finanzielles Engagement stets ab. Für Kritik sorgte im Laufe des Bewerbungsprozesses zudem das Veto der Grünen in Berlin. Die Partei hatte sich per Beschluss gegen eine Bewerbung ausgesprochen. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) war deshalb nicht Teil der Delegation, die im Januar die Berlin-Ideen dem VDA vorgestellt hatte.

Pop selbst reagierte am Dienstagnachmittag enttäuscht auf die Vergabe der IAA nach München. „Ich bedaure die Entscheidung. Berlin ist der richtige Ort für neue Mobilitätsideen, das zeigt sich mit erfolgreichen Veranstaltungen wie dem Greentech Festival. Leider hat mit München nun das Prinzip Subvention gewonnen. Berlin war zu Recht nicht bereit, sich eine Messe zu kaufen“, erklärte die Politikerin. Statt eines Neuanfangs gehe es nun weiter nach dem Motto "Keine Experimente", kritisierte sie. „Ich hätte mir auch in den eigenen Reihen mehr Dialogbereitschaft gewünscht. Gewonnen haben nun die Beharrungskräfte, auf allen Seiten“, sagte Pop wohl auch mit Blick auf das Nein der Grünen in Berlin.

Michael Müller: Berlin steht weiterhin als Partner zur Verfügung

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte hingegen, auch an der Isar könne die IAA ein neues Kapitel aufschlagen, von dem Deutschland im Zeitalter von Digitalisierung und neuer Mobilität profitieren könne. „Berlin steht dazu weiterhin als Partner zur Verfügung. Unsere Stadt wird ein wichtiger Schrittmacher der Mobilitätswende bleiben und alle Anstrengungen unternehmen, innovative Mobilitätsangebote zu entwickeln und zu verwirklichen“, so Müller weiter.

Berlins CDU-Chef Kai Wegner nannte die Absage eine „bittere Klatsche für den Messe- und Innovationsstandort Berlin“. „Es rächt sich, dass der rot-rot-grüne Senat bei der Bewerbung gespalten war. Der offen zur Schau gestellte Autohass der Grünen und das dröhnende Schweigen der Wirtschaftssenatorin haben die Berliner Chancen ruiniert“, analysierte Wegner. Auch CDU-Fraktionschef Burkard Dregger sprach von einem „Fehlschlag für den Regierenden Bürgermeister und seinen Senat“. „Wer wie die rot-rot-grüne Koalition der Mobilität Steine in den Weg legt, kann kein Aushängeschild für Mobilitätskonzepte der Zukunft sein“, sagte Dregger.

Sebastian Czaja, Fraktionschef der FDP im Abgeordnetenhaus, sagte, die Absage sei bedauerlich, aber wenig überraschend. „Der rot-rot-grüne Senat hat Berlin mit seiner ideologischen Verkehrspolitik die IAA gekostet. Das ist nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden, sondern auch eine politische Niederlage. Schließlich sollte die Mobilität der Zukunft auch in Berlin endlich breit – und nicht wie bisher – einseitig angegangen werden“, so Czaja. Leidtragende seien die Berliner, denn Umsätze würden nun woanders getätigt. „Wer täglich Autohass propagiert, muss sich nicht wundern, wenn die Automobilbranche der Stadt den Rücken zuwendet“, sagte der AfD-Abgeordnete Christian Buchholz.

Auch die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) hätten sich vom Senat mehr Geschlossenheit gewünscht. „Eine IAA in Berlin hätte einen zusätzlichen Turbo für die Hauptstadt bedeuten können. Es ist nicht nur schade um die vielen Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen, die uns nun entgehen. Berlin hätte sich auch weltweit als Metropole der modernen Mobilität profilieren können“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. Dazu allerdings hätte es einen Senat gebraucht, der geschlossen eine solche Idee unterstützt, so Amsinck.

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