Lungenerkrankung

Coronavirus in Berlin: Nächste Schule bleibt geschlossen

In Berlin sind eine Frau und zwei Männer mit dem Coronavirus infiziert. Die Emanuel-Lasker-Oberschule bleibt vorerst geschlossen.

Videografik: So wird das Coronavirus übertragen

Das Coronavirus Sars-CoV-2 kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Vor allem bei engem Körperkontakt ist die Ansteckungsgefahr groß. Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen können einer Infektion vorbeugen.

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  • In Berlin gibt es fünf bestätigte Coronavirus-Fälle.
  • Die Infizierten kommen aus den Bezirken Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln.
  • Die Emanuel-Lasker-Oberschule in Friedrichshain bleibt vorerst geschlossen. Ein Lehrer soll sich auf einer Ski-Reise in Südtirol mit dem Coronavirus infiziert haben. Auch die Berlin Metropolitan School in Mitte ist geschlossen.
  • Informationen über den Umgang mit dem Virus erhalten Betroffene unter der Telefonnummer 030 90 28 28 28, der Hotline der Gesundheitsverwaltung.

Berlin. Die Gesundheitsbehörden in Berlin sind mit Hochdruck dabei, Freunde, Kollegen, Angehörige und sonstige Kontakte von fünf mit dem Coronavirus infizierten Berlinern ausfindig zu machen. Ein 22-Jähriger aus Mitte wurde am späten Sonntagabend als erster Corona-Fall in Berlin bekannt.

Am Montagabend teilte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mit, es gebe zwei weitere bestätigte Fälle: ein Mann aus Marzahn-Hellersdorf und eine Frau ebenfalls aus Mitte. „Diese beiden Patienten haben aber nichts mit dem 22-Jährigen zu tun“, so Kalayci.

Am Dienstag teilte die Gesundheitssenatorin mit, dass sich ein Mann aus Tempelhof-Schöneberg und ein Arzt einer Tagesklinik aus Neukölln mit dem Coronavirus angesteckt haben. Nach RBB-Informationen hielt sich der Mann aus Tempelhof-Schöneberg zuletzt in Paris auf. Er meldete sich in der Notaufnahme des Franziskus-Krankenhauses. Bei ihm wurden 16 Kontaktpersonen identifiziert. Bei dem Arzt aus der Tagesklinik wurden 30 Kontaktpersonen ermittelt. Laut RBB seien 200 Kontaktpersonen identifiziert.

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Coronavirus in Berlin: Erste öffentliche Schule in Berlin schließt

Bei dem in Marzahn-Hellersdorf erkrankten Mann handelt es sich offenbar um einen Lehrer, der sich bei einer Reise nach Südtirol mit dem Coronavirus infiziert hat. Aus diesem Grund bleibt die Emanuel-Lasker-Oberschule in Friedrichshain-Kreuzberg bis auf Weiteres geschlossen, wie der Sprecher der Senatsbildungsverwaltung, Martin Klesmann, am Montagabend bestätigte.

Der Mann war mit zwei Gruppen aus 74 Schülerinnen und Schülern sowie sechs Lehrkräften auf Skifahrt in Südtirol und hatte nach der Rückkehr Krankheitssymptome entwickelt. Bis zur Abklärung der als Kontaktpersonen eingestuften Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fahrten sei es daher angebracht, den Schulbetrieb zu unterbrechen, hieß es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung für Gesundheit.

Der infizierte 22-Jährige aus Mitte lebt in einer Wohngemeinschaft und arbeitet bei einer IT-Firma in Kreuzberg. Bis zum Mittag hatten die Gesundheitsämter 60 Personen identifiziert, die der Patient womöglich angesteckt haben könnte. Er liegt im Virchow-Klinikum der Charité, sein Zustand wurde am Nachmittag als „stabil“ beschrieben. Seine Eltern, die ihn am Wochenende besucht hatten, stammen aus Nordrhein-Westfalen und wiesen nach Angaben von Kalayci keine Symptome auf.

Der Patient war am frühen Sonntagmorgen mit der Feuerwehr in die Rettungsstelle des Virchow-Klinikums eingeliefert worden. Zunächst habe man ihn auf Hirnhautentzündung und andere neurologische Leiden untersucht, sagte der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei. Er sei desorientiert gewesen und habe über Kopfschmerzen geklagt. Das sei untypisch für Corona. Weil die Charité seit einer Woche jedoch jeden Grippe-Test auch auf das Coronavirus untersucht, sei der Fall überhaupt diagnostiziert worden.

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Coronavirus in Berlin - Wichtige Informationen der Behörden im Überblick:

Coronavirus: Erster Erkrankter in Brandenburg

Auch für Brandenburg wurde am Abend ein Erkrankter gemeldet. Es handle sich um einen 51-Jährigen aus Hohen Neuendorf (Oberhavel), der von einer Reise nach Südtirol zurückgekehrt sei, so das Gesundheitsministeriums in Potsdam. Für das Freizeitbad Tropical Islands (Dahme-Spreewald) gab es hingegen Entwarnung. Dort hatte sich ein an Corona erkrankter Mann aus NRW aufgehalten. Die Tests fielen jedoch bei allen 104 Mitarbeitern negativ aus, hieß es am Abend.

„Die Dynamik in Deutschland ist da“, sagte Kalayci. Die Berliner Feuerwehr schätzt das Risiko für die Bevölkerung als „mäßig“ ein. Damit folgt sie dem Bundesgesundheitsministerium. Die Charité baut eine neue Struktur zur Behandlung und Diagnose von Corona auf. Das Universitätsklinikum möchte verhindern, dass wie nach dem Besuch des 22-Jährigen Rettungsstellen geschlossen werden müssen, wenn dort zunächst unerkannte Corona-Fälle ankommen. Tests sollen nun in einem um ein Wartezelt ergänztes Haus und auf dem Campus Virchow erfolgen, sagte Frei. Die Gesundheitssenatorin kündigte an, dieses Modell auch an anderen Krankenhäusern einzuführen, um Rettungsstellen und Arztpraxen zu entlasten.

Die Gesundheitsbehörden appellieren an die Bürger, sich verantwortungsbewusst zu verhalten. Bei Krankheitssymptomen solle man zu Hause bleiben und zunächst den Hausarzt telefonisch kontaktieren. Für die Schließung von Schulen oder Kindertagesstätten bestehe bisher in Berlin noch kein Anlass, stellte die Gesundheitssenatorin klar.

Berlin Metropolitan School schickt Schüler nach Hause

Dass am Nachmittag die private Metropolitan School in Mitte ihre Schüler nach Hause schickte und die Schule auch am Dienstag geschlossen halten will, ist nicht vom Amtsarzt veranlasst, wie es eigentlich vorgeschrieben ist. Ein Elternteil arbeitet aber nach Informationen der Morgenpost in der selben Firma wie der 22-Jährige aus Mitte, galt aber nicht als identifizierte Kontaktperson.

Gleichwohl informierte die Schulleitung die Eltern, ihre Kinder abzuholen. In den Gesundheitsbehörden wird dieses Verhalten jedoch eher als schlechtes Beispiel gewertet, wie man nicht reagieren sollte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, die Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus sollten „verhältnismäßig und angemessen ausfallen“. Eine generelle Absage von Großveranstaltungen sei ebenso wie eine generelle Schließung von Unternehmen bei einzelnen Nachweisen unter Mitarbeitern nicht ratsam.

Coronavirus: In welchen Verdachtsfällen eine Abklärung empfohlen ist

Bis zum Nachmittag waren beim Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 157 Sars-CoV-2-Infektionen erfasst, mehr als die Hälfte davon allein in NRW. Für die Europäische Union stufte die EU-Gesundheitsagentur ECDC das Risiko von „moderat“ auf „hoch“ herauf, so EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Weltweit wurden am Montagmorgen knapp 90.000 Ansteckungsfälle in 68 Ländern verzeichnet. Die Zahl der Todesfälle überschritt 3000. In Deutschland wurden am Abend zudem erste Fälle in Sachsen und Thüringen gemeldet. Damit sind bislang 13 der 16 Bundesländer betroffen.

Berlins Gesundheitsverwaltung empfiehlt Angehörigen von Risikogruppen, sich vorsorglich impfen zu lassen - vor allem gegen Pneumokokken und Keuchhusten. Gegen Sars-CoV-2 selbst gibt es weiter keinen Impfstoff. Die Berliner Feuerwehr bittet darum, bei Nachfragen nicht den Notruf 112 zu wählen, sondern die Hotline der Gesundheitsverwaltung unter der 030 90 28 28 28.

Coronavirus: Berlins Kliniken sehen sich gut vorbereitet

Der landeseigene Klinikkonzern Vivantes und die Charité als große Berliner Krankenhausträger sehen sich gut auf Patienten mit dem neuen Coronavirus vorbereitet. In den neun Vivantes-Häusern gebe es rund 1860 isolierfähige Zimmer, teilte der Konzern am Wochenende auf Anfrage mit.

Für die Senatsgesundheitsverwaltung sind grundsätzlich aber alle 38 Berliner Notfallkrankenhäuser und Notfallzentren für Patienten geeignet, die am Sars-CoV-2-Virus erkrankt sind. Die Nachweisverfahren übernehme das Labor von Vivantes und Charité für alle Kliniken.

Bei den laufenden Tests von Proben auf das neuartige Coronavirus läuft an der Berliner Charité allerdings nicht alles nach Plan. "Seit Freitagnachmittag kommt es zu einer leichten Verzögerung bei der Testung von SARS-CoV-2-Proben, da eine Lieferung von Laborreagenzien nicht rechtzeitig eingegangen ist", erklärte Charité- Sprecherin Manuela Zingl am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse- Agentur.

Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Der Ursprung des neuartigen Virus liegt in China. Nach einer kürzlich von Chinas Gesundheitsbehörde vorgestellten Analyse sterben dort 2,3 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten, darunter sind bisher vor allem alte Menschen mit Vorerkrankungen.

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