Sport

Sportstätten: Sanierungsstau wächst auf 257 Millionen Euro

| Lesedauer: 4 Minuten
Jens Anker
Das Poststadion in Moabit  wird für 900.000 Euro saniert.

Das Poststadion in Moabit wird für 900.000 Euro saniert.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

61 Sportanlagen und -hallen sollen in diesem Jahr saniert werden. Der Landessportbund LSB fordert mehr Geld zur Erneuerung.

Berlin. Der Sanierungsstau an Berlins Sportstätten wird immer länger. Innerhalb eines Jahres ist er von 218 Millionen Euro auf 257 Millionen Euro gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Bericht zum Sportstättensanierungsprogramm der Sportverwaltung hervor. Trotz der Erhöhung des Programms auf 18 Millionen Euro pro Jahr bleibt der Sanierungsbedarf „weiterhin auf einem hohen Niveau mit leicht steigender Tendenz“, heißt es in dem Bericht des Sportstaatssekretärs, Alexander Dzembritzki. „Der hohe Bedarf zeigt deutlich, dass das Sanierungsprogramm auch weiterhin fortgeführt werden muss, um ihn nicht noch weiter anwachsen zu lassen.“

Zweifel an der Höhe des Sanierungsbedarfs

Allerdings bestehen in der Sportverwaltung auch Zweifel über die tatsächliche Höhe des Sanierungsbedarfs. So habe Marzahn-Hellersdorf insgesamt 22 Sporthallen zur Sanierung angemeldet, mit einem Gesamtvolumen von 51 Millionen Euro. Allerdings entstehe für einige Hallen erst in vier Jahren ein Bedarf. Im Gegensatz dazu habe Tempelhof-Schöneberg lediglich eine Sporthalle zur Sanierung angemeldet, Neukölln gar keine. „Die Richtigkeit der Angaben kann seitens des Senats nicht abschließend beurteilt werden“, heißt es daher in dem Bericht weiter. In diesem Jahr sollen insgesamt 61 Sportstätten in allen zwölf Bezirken saniert werden. Sie hatten 68 Sanierungsfälle angemeldet, sieben davon schafften es aber nicht auf die Liste. Sieben von zehn Sporthallen oder –anlagen wurden von den Bezirken vorgeschlagen, die übrigen von der Senatsverwaltung.

Die größten Sanierungsmaßnahmen werden in diesem Jahr an den Sportanlagen „Am Breiten Luch“ und dem sogenannten BVG-Stadion in Lichtenberg vorgenommen. Hier werden insgesamt 2,9 und 2,7 Millionen Euro investiert, in diesem Jahr fließen 415.000 und 618.000 Euro zur Sanierung der beiden Hauptspielfelder und der Leichtathletikanlagen. Mit insgesamt 2,2 Millionen Euro soll die Sportanlage Blankenburg in Pankow erneuert werden, unter anderem dadurch, dass der Rasenplatz in ein Kunststoffspielfeld umgewandelt wird, um ganzjährig nutzbar zu sein.

1,3 Millionen Euro kostet an der Sportanlage Sachtlebenstraße in Zehlendorf die Umwandlung der Tennisanlage in ein Basketballspielfeld. Für eine Million Euro werden unter anderem die Sanitäranlagen im Stadion Hakenfelde in Spandau saniert. Mit 920.000 Euro werden die technischen Anlagen in der Sporthalle am Steinplatz in Charlottenburg-Wilmersdorf erneuert, und 900.000 Euro fließen in die Sanierung der Kunstrasenplätze im Poststadion in Moabit.

Wie viele der Hallen und Anlagen tatsächlich saniert werden, ist allerdings noch unklar. Zwar haben die Bezirke einen Großteil des zur Verfügung stehenden Geldes zur Sanierung angemeldet, tatsächlich ausgegeben wurde aber nur ein Bruchteil. Die geringsten Summen wurden in den Bezirken Mitte (15,7 Prozent), Reinickendorf (17,3) und Friedrichshain-Kreuzberg (27,1) abgerufen. „Alle anderen Bezirke lagen bei über 40 Prozent“, schreibt Staatssekretär Dzembritzki in seinem Bericht. Dies sei auch der Grund, warum der Senat keine Notwendigkeit sieht, die Mittel des Sanierungsprogramms aufzustocken. „Auch wenn der gestiegene Sanierungsbedarf vermuten lässt, das Finanzvolumen des Sportstättensanierungsprogramms zu erhöhen, würde eine finanzielle Aufstockung zurzeit schon allein aufgrund der Personalkapazitäten und der Ressourcen in den Bezirken und bei den Baufachbetrieben nicht umsetzbar sein.“

Das sieht der Landessportbund (LSB) ganz anders. „Das ist nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Leiter der Stabsstelle Infrastruktur beim LSB, David Kozlowski. Der LSB zweifelt die von den Bezirken gemeldeten Sanierungszahlen an. „Es fehlt immer noch eine konkrete Datengrundlage“, kritisiert Kozlowski. Und unabhängig davon: „Eine geschätzte Abdeckung von 15 Prozent der notwendigen Sanierungen bedeutet, dass 85 Prozent der Sportanlagen nicht angegangen werden“, sagt Kozlowski. „Wir bekommen nicht das Geld, das wir brauchen.“

Ursprünglich wurden Lottomittel ausgezahlt

Das Sportstättensanierungsprogramm besteht seit mehr als zehn Jahren. Ursprünglich wurde das Geld aus Lottomitteln zur Verfügung gestellt. Da immer weniger Menschen Lotto spielen, sank der garantierte Betrag in den letzten Jahren stetig. Der LSB drängte deshalb darauf, eine planungssichere Summe zur Verfügung gestellt zu bekommen. Ende 2017 unterzeichnete das Land dann die Fördervereinbarung „Zukunftssicherung Sport“. Sie sieht vor, dass jedes Jahr 18 Millionen Euro zur Sanierung der Berliner Sportanlagen bereit stehen. Anfangs hatte das Land lediglich vier Millionen Euro bereit gestellt. Der Betrag stieg in den vergangenen Jahren jedoch wegen des steigenden Sanierungsbedarfs mehrmals an.

Mehr zum Thema:

Jahn-Sportpark vor Totalumbau: Bürger können online mitreden