Tourismus

Tierische Kampagne: So wird für Steglitz-Zehlendorf geworben

Mit einer Plakat-Kampagne sollen Einwohner und Besucher von Friedrichshain-Kreuzberg nach Steglitz-Zehlendorf gelotst werden.

Foto: pa

Der Paarhufer mit der Sonnenbrille kann es kaum abwarten, der Wiederkäuer zeigt ein vorfreudig-entrücktes Grinsen und der Wasservogel hebt bereits das Cocktailglas. Da kann sich der Berliner Südwesten auf einiges gefasst machen: Mit Tiermotiven und bunten Plakaten sollen Berliner und Besucher kurz vor dem Start der Internationalen Tourismus Börse (ITB) aus dem Stadtzentrum zu den Attraktionen von Steglitz-Zehlendorf gelotst werden. Die Poster werden zwischen März und Mai in ausgewählten U-Bahnlinien hängen.

Die Aktion des landeseigenen Tourismusvermarkters „Visit Berlin“ und der Bezirksämter von Friedrichshain-Kreuzberg und Steglitz-Zehlendorf hat zwei Auslöser. Im Innenstadtbezirk sinkt die Akzeptanz von Touristen. Da sind etwa die zurückgelassenen Müllhaufen in Grünanlagen und die nächtlichen lauten Besucherströme auf Bergmannstraße, Oranienstraße und rund um den Boxhagener Platz.

Viele Sehenswürdigkeiten in Steglitz-Zehlendorf, aber wenig Gäste

Wirtschaftsstadtrat Andy Hehmke (SPD) beklagt seit vielen Jahren, dass ihm nicht genug Landesmittel zur Verfügung stehen, um einen stadtverträglichen Tourismus im Bezirk zu gestalten. Seit diesem Jahr immerhin sind im Bezirk Waste Watcher, also Müllpatrouillen in Zivil, unterwegs.

Lesen Sie auch: Berliner sollten ihre eigene Stadt mehr entdecken

Auch andere Innenstadtbezirke klagen über die unerwünschten Nebenerscheinungen von Berlins international gewachsener Attraktivität. Mitte und Pankow veranstalteten im August mit einem Stadtführer eine Tour zur Gedenkstätte Bernauer Straße und schickten die Touristen anschließend in den Mauerpark: zum Müllsammeln.

Das zweite Grund für die neue Kampagne liegt in Steglitz-Zehlendorf. Dort fühlt man sich trotz vieler Sehenswürdigkeiten – vom oft übersichtlich besuchten Alliierten-Museum bis zur mitunter fast verwaisten Pfaueninsel – touristisch unausgelastet.

Plakate in U-Bahnwagen der Linien U1, U2, U3 und U4

So werden jetzt in U-Bahnwagen der Linien U1, U2, U3 und U4 vier Plakatmotive mit radelndem Ziegenbock, Schaf, Schmetterling und einer Gans mit Schwimmreifen angebracht. 400 Stück kommen auf die Scheiben sowie auf die Streifen darüber.

Und da man auch in der Wirtschaftsförderung Steglitz-Zehlendorf, den Initiatoren des Projekts, spätestens seit den BSR-Kampagnen weiß, dass ein lässiger Spruch am ehesten in Erinnerung bleibt, ließ man sich auf die Text-Vorschläge der Kreuzberger Agentur Heldisch ein.

So haben drei der vier Plakate jetzt eine unverkennbare Drogenanspielung: „Bock auf Gras? Pst! Nicht nur in Friedrichshain-Kreuzberg gibt es Grünanlagen“, „Schaf auf ‘nen Trip?“ und „Gans schön blau“.

Wirtschaftsstadtrat Hehmke sagte bei der Vorstellung der Plakate auf dem U-Bahnhof Warschauer Straße am Donnerstag, in seinem Bezirk wecke der Begriff „Gras“ gewiss andere Assoziationen als üblich. Finanziert wird das Projekt mit einer nicht genannten Summe durch „Mittel für besondere touristische Projekte“ der Senatswirtschaftsverwaltung.

Touristen bei ihrem dritten Berlinbesuch gewinnen

Die Kampagne wendet sich allerdings nicht primär an Touristen. Man will auch Menschen aus Friedrichshain-Kreuzberg und Berliner, die sich bislang nur auf Innenstadtbezirke konzentrieren damit umleiten. „Visit Berlin“-Chef Burkhard Kieker sagte, Studien hätten gezeigt, dass etwa an den Nightlife-Hotspots Admiralbrücke und Warschauer Brücke 50 bis 70 Prozent Menschen aus der Stadt unterwegs sind.

„Mit der Kampagne sagen wir jetzt: Hey, verlasst doch mal den Kiez. Wir wollen damit neue Inspiration liefern.“ Die Bezirksbürgermeisterin des Südwest-Bezirks, Cerstin Richter-Kotowski (CDU), will auch Touristen gewinnen, die die üblichen Sehenwürdigkeiten Berlins kennen, auf zweitem oder drittem Berlinbesuch sind „und jetzt in den Bezirk kommen, um etwa das Schloß Glienicke oder den Botanischen Garten zu entdecken“.

Praktisch heißt dies, Besucher mit dem Velo können jetzt eine der drei „Radrouten Südwest“ erkunden. Diese sind rund 20 Kilometer lang, als Rundwege konzipiert und miteinander kombinierbar. Stadtrat Hehmke betonte, dass am U-Banhof Onkel Toms Hütte eine Fahrradvermietung eingerichtet wurde, so dass man auch per U-Bahn anreisen kann. Die Wege sind in einem Pocketflyer ausgewiesen, der in den Bezirksämtern ausliegt.

Online findet man sie unter tourismus-suedwest.berlin. Anders als der Schmetterling auf den neuen Postern muss man sich also weder einen Fremdenführer an den Lenker klemmen noch während der Radfahrt darin lesen.