Neubau

Vivantes-Neubau mit Rettungsstelle für Kinder

Das Krankenhaus Neukölln wird für 226 Millionen Euro erweitert. Auch ein Landeplatz für Hubschrauber ist geplant.

So soll der Neubau am Neuköllner Vivantes Klinikum, der sogenannte Nordkopf, einmal aussehen.

So soll der Neubau am Neuköllner Vivantes Klinikum, der sogenannte Nordkopf, einmal aussehen.

Foto: Heinle, Wischer und Partner – freie Architekten

Berlin. Schon heute ist das Neuköllner Vivantes Klinikum eine große Baustelle. Wo einst Krankenhaus-Besucher ihre Autos parken konnten, klaffen nun riesige Baulücken. Überall auf dem Klinikgelände stehen Kräne, Bagger und Container. Kein Wunder: Hier im Süden von Neukölln, an der Rudower Straße, baut sich Vivantes ein neues und dringend benötigtes Krankenhaus. An diesem Freitag ist der offizielle Spatenstich.

Die alte Klinik wurde zuletzt 1986 modernisiert. Seitdem hat sich nicht nur der medizinische Standard enorm weiterentwickelt. Auch die Umstände sind mittlerweile ganz andere als noch vor 34 Jahren. So wurde die Rettungsstelle beispielsweise ursprünglich für rund 25.000 Patienten pro Jahr konzipiert. Heute aber werden hier im Schnitt 80.000 Notfälle behandelt – Tendenz steigend. Insgesamt leben rund 600.000 Berliner im Einzugsgebiet des Krankenhauses, in dem längst nicht mehr nur Neuköllner Patienten behandelt werden, sondern auch Anwohner aus Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick.

Vivantes-Klinikum Neukölln: Bauarbeiten finden im laufenden Betrieb statt

Der Um- und Neubau des Klinikums wird im laufenden Betrieb stattfinden. Und um den zu gewährleisten, muss Schritt für Schritt gebaut werden. Nun wird im ersten Bauabschnitt vor dem Hauptgebäude an der Rudower Straße ein neuer Krankenhausbau, der sogenannte Nordkopf, errichtet.

Er soll als Ausweichfläche für die danach einsetzende Sanierung des restlichen Krankenhauses dienen, die weitere zehn bis 15 Jahre dauern kann.

Und schon allein dieser Nordkopf kostet 226 Millionen Euro, 164 Millionen Euro davon werden aus Landesmitteln finanziert. Insgesamt belaufen sich die Umbaukosten für das Vivantes Klinikum Neukölln auf schätzungsweise 700 Millionen Euro.

Vivantes-Klinikum: Kosten steigen um 76 Millionen Euro

Ursprünglich waren für den Nordkopf 150 Millionen Euro veranschlagt worden. Doch wie ein Vivantes-Sprecher nun erklärte, seien zu den einstigen Plänen noch Erweiterungen hinzugekommen. So solle nun in dem neuen Bau unter anderem auch die Intensivstation mit 28 Betten untergebracht sein; außerdem neben der Erwachsenen- auch eine integrierte Kinderrettungsstelle.

Die Ergänzungen würden die 76 Millionen Euro Mehrkosten erklären, so der Sprecher. In dem Nordkopf werden zudem eine Radiologie, eine Funktionsdiagnostik für die Endoskopie und eine Kardiologie, 16 Operationssäle sowie 240 Pflegebetten errichtet. Und das Klinikum erhält einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach. Bis 2024 soll das alles fertig gebaut und einsatzbereit sein.

Auch am Haupthaus des Vivantes-Klinikums finden Bauarbeiten statt

Parallel zu den Bauarbeiten am Nordkopf finden derzeit bereits Sanierungsarbeiten am Hauptgebäude des Klinikums, am sogenannten Südkopf, statt. Hier werden eine neue Zentralsterilisation und eine Klinikapotheke eingerichtet, die das Klinikum Neukölln sowie weitere Vivantes-Standorte in Berlin versorgen sollen. Auch ein Präsenzlabor wird hier eingerichtet. Die Sanierung des Südkopfes wird rund 30 Millionen Euro kosten und soll 2022 abgeschlossen sein. Außerdem müssen Technik, Gebäudehülle, Fassade sowie das Dach des Haupthauses energetisch saniert werden.

Im April vergangenen Jahres wurde zudem auf dem Vivantes-Gelände an der Rudower Straße mit dem Bau einer neuen Psychiatrie begonnen. Bereits in diesem Jahr soll der 50-Millionen-Euro-Bau bezugsfertig sein. Er wird künftig Platz für 120 Betten haben. Damit ist die Psychiatrie am Klinikum Neukölln die größte psychiatrische Abteilung aller Vivantes Krankenhäuser – und eine der größten in ganz Deutschland.

Für 270 Parkplätze, die für den Bau des geplanten Nordkopfes weichen mussten, wird Ersatz geschafft. Ein neues Parkhaus mit insgesamt 480 Stellplätzen wird dort gebaut, wo bis jetzt noch das zum Klinikum gehörende Ida-Wolff-Pflegeheim an der Fritz-Erler-Allee steht. Neben einem Parkhaus wird hier auch ein Ärztehaus neu sowie das Pflegeheim umgebaut. Das Pflegeheim wird mit leicht reduzierter Kapazität bestehen bleiben.

2400 Mitarbeiter kümmern sich um 125.000 Patienten

Das Klinikum Neukölln ist nach dem Virchow-Klinikum der Charité das größte der 81 Krankenhäuser der Stadt, mit mehr als 1200 Betten, rund 560 Ärzten und 1123 Pflegekräften sowie mehr als 125.000 Patienten jährlich. Aufgrund seiner Lage ist es für die medizinische Versorgungssicherheit Berlins enorm wichtig. So wird beispielsweise die neue Rettungsstelle erste Anlaufstelle für den künftigen Großflughafen BER sein. Bei der Notfallversorgung ist das Klinikum nahezu der Alleinversorger für Neukölln und Teile von anderen Bezirken.

Im Jahr 2014 – aktuellere Zahlen liegen nicht vor – wurde das Krankenhaus 23.000 Mal von Feuerwehr und Rettungsdiensten angesteuert. Damit liegt es in der Stadt einsam an der Spitze. Danach folgen das Vivantes Klinikum im Friedrichshain und das Virchow-Klinikum der Charité mit jeweils ungefähr 19.000 Anfahrten. Außerdem kommen jedes Jahr im Neuköllner Klinikum mehr als 3200 Babys zur Welt.