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Reisemesse ITB wegen Coronavirus abgesagt

Die Reisemesse ITB Berlin ist wegen des neuartigen Coronavirus abgesagt worden. Frage nach Entschädigung ist noch offen.

So will der neue Krisenstab das Coronavirus bekämpfen

Die Bundesregierung hat einen Krisenstab eingerichtet. Das Ziel: Infektionsketten unterbinden und das Coronavirus in Deutschland eindämmen.

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Berlin. Nach der Absage der weltgrößte Reisemesse ITB in Berlin wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist offen, ob Aussteller oder andere beteiligte Unternehmen eine Entschädigung erhalten. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte am Sonnabend eine Prüfung dieser Frage in Aussicht.

„Wir müssen uns jetzt die einzelnen Fälle genau ansehen und prüfen“, sagte eine Sprecherin auf dpa-Anfrage und verwies auch auf andere abgesagte Messen. „Die privatrechtlichen Verträge der jeweiligen Betreiber oder Aussteller können unterschiedliche Regelungen beinhalten. Deshalb ist es wichtig, sich das jetzt genau anzusehen und zu prüfen.“ Bei der Messe Berlin als ITB-Veranstalter hieß es, man prüfe nun alle Folgen, die sich aus der Absage ergäben.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat seit einigen Tagen eine Hotline geschaltet, an die sich Unternehmen mit Fragen im Hinblick auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus wenden können. Unter 030/18615-1515 gibt es hier montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr Antworten auf unterschiedlichste Fragestellungen.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengefasst. Darüber hinaus berichten wir in einem Newsblog laufend über die aktuellsten Entwicklungen bei der Ausbreitung und Eindämmung des Coronavirus in Berlin. Die überregionalen News zu Covid-19 können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Die Internationale Tourismusbörse ITB war am Freitag wegen des neuartigen Coronavirus für dieses Jahr abgesagt worden. „Wir nehmen unsere Verantwortung für die Gesundheit und die Sicherheit unserer Gäste, Aussteller und Mitarbeiter sehr ernst. So blicken wir schweren Herzens auf die jetzt notwendig gewordene Absage der ITB Berlin 2020“, sagte Berlins Messechef Christian Göke am Freitagabend.

ITB Berlin abgesagt: Auflagen vom Gesundheitsamt waren zu hoch

Zuvor hatte nach Angaben der Messegesellschaft das zuständige Gesundheitsamt von Charlottenburg-Wilmersdorf die Auflagen zur Durchführung der Messe erhöht. Demnach hätte jeder Messeteilnehmer der Messe Berlin belegen müssen, nicht aus den definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu einer Person aus den Risikogebieten gehabt zu haben.

Die Auflagen seien für die Messe Berlin nicht umsetzbar gewesen, teilte das Landesunternehmen mit. Wegen der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus hatten sich zuvor zudem auch Bundesgesundheits- und Bundeswirtschaftsministerium dafür ausgesprochen, die ITB in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sagte am Abend im RBB, am Ende gehe es immer darum, die Menschen zu schützen. „Bei Messen sind viele Menschen zusammen, die Belüftung ist meistens schlecht. Das ist ideal für Viren was die Übertragbarkeit angeht.“ Ursprünglich sollte die ITB ab dem kommenden Mittwoch fünf Tage lang auf dem Messegelände unterm Funkturm stattfinden. Die Veranstaltung gilt als weltweit wichtigste Messe für die Tourismusbranche mit rund 10.000 Ausstellern aus über 180 Ländern.

ITB abgesagt: Wirtschaftlicher Schaden

Die Absage richtet in Berlin auch wirtschaftlichen Schaden an. Laut Berechnungen der Investitionsbank Berlin (IBB) geben die ITB-Besucher in der Stadt etwa 84 Millionen Euro in der Stadt für Hotelübernachtungen, gastronomische Angebote oder Taxifahrten aus. Als Basis für die Berechnung war die IBB Ende 2015 von 172.000 Besuchern bei der Tourismusmesse ausgegangen. Im vergangenen Jahr lag die Besucherzahl leicht darunter, bei 160.000.

Lesen Sie auch: Die Absage der ITB ist schmerzhaft, aber vernünftig

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sagte am Abend, die Entscheidung, die ITB abzusagen, verdiene Respekt. Gleichwohl sei die Absage der Leitmesse mit sieben Milliarden Euro Umsatz ein schwerer Schlag. „Es ist zu befürchten, dass Aussteller und Messebauer auf ihren Kosten sitzen bleiben. Hotels, Gaststätten, dem Handel und dem Taxi-Gewerbe werden in jedem Fall beträchtliche Umsätze entgehen“, sagte Eder. Von der Politik fordert Eder nun Hilfe für betroffene Firmen: „Der Senat sollte nun nach Wegen suchen vor allem die direkt betroffenen Berliner Aussteller und Messeunternehmen zu unterstützen“, sagte er.

Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft: Es ist die richtige Entscheidung

Von der Reisebranche erhielt die Messegesellschaft Rückendeckung. Für den Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft ist der Schritt „eine schmerzliche aber auch die einzig richtige Entscheidung und ein Gebot der Verantwortung“. Die Absage der Messe stelle auch wirtschaftlich einen harten Einschnitt für die Branche dar. Nach einer Umfrage der Veranstalter schloss die Branche auf der ITB 2019 Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von rund sieben Milliarden Euro ab.

Die Messe habe in ihrer 54-jährigen Geschichte keine vergleichbare Situation erlebt, hob Aufsichtsratschef Wolf-Dieter Wolf hervor. In den vergangenen Tagen hatten bereits Aussteller abgesagt. Es gab Kritik, dass die Messeleitung so lange mit der Absage Zeit ließ.

Wegen der Ausweitung der Coronavirus-Epidemie waren europaweit zuvor bereits weitere Messen abgesagt worden. Die Schweiz hatte am Freitag zu einer drastischen Maßnahme gegriffen und alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten. Das Verbot soll bis mindestens 15. März gelten. Das betrifft unter anderem den Genfer Autosalon, der am 5. März starten sollte und zu dem jedes Jahr mehr als 600.000 Besucher kommen.

Das sagen Berliner Reiseveranstalter zum Coronavirus

Das sich ausbreitende Coronavirus hat Auswirkungen auf die Reiseveranstalter Berlins. Martin Schmidt-Hussinger ist der Geschäftsführer der Kreuzberger Passat Reisen GmbH. Er berichtet von zahlreichen Stornierungen, vor allem in Richtung Italien. Nach der Quarantäne eines Kreuzfahrtschiffes sei das Interesse an solchen Fahrten sehr gering. Ähnlich sieht es mit Reisen nach Asien aus. „China nimmt hier den ganzen Kontinent in Geiselhaft. Die Nachbarländer werden gemieden.“

Eine Erfahrung, die auch Tobias Büttner gemacht hat. Er ist Geschäftsführer der Berliner Geoplan Privatreisen GmbH, die exklusive Touren in alle Welt anbietet. „Die Flüge nach China wurden reihenweise storniert. Das hat auf andere asiatische Länder übergriffen - Japan, Vietnam und Thailand beispielsweise. Aber man weiß fairerweise auch nie, wohin die Entwicklung geht. Vor zwei Wochen galt Südkorea etwa noch als sicheres Land.“

Es gibt laut Büttner aber durchaus Kunden, die Asien schon vor einiger Zeit gebucht haben und nun trotz der Vorfälle fliegen. Neue Touristen kommen hingegen kaum hinzu. „Januar, Februar, März… das sind eigentlich unsere starken Monate. Nach Corona gehen aber nur 10% unserer sonstigen Buchungen in Richtung Asien ein.“

Bei Stornierungen in die Risikogebiete sind die Reiseveranstalter dabei nach Schmidt-Hussingers Erfahrung sehr kulant - vor allem, wenn der Urlaub in der Zukunft stattfindet. Liegt die Reise besonders nah, gibt es für den Großteil der Passagiere meist die Möglichkeit zur Umbuchung. „Hierzu haben die Betroffenen viele Nachfragen. Deswegen haben wir von den Veranstaltern und Reiseversicherern umfangreiches Informationsmaterial vorliegen.“

Die Verunsicherung durch das Coronavirus ist groß

Dasss die Verunsicherung der Reisenden wegen des Coronavirus groß ist, merkt auch Sandra Brzovic. Sie arbeitet in der Reiseland-Filiale am Bayerischen Platz. „Wegen des Coronavirus werden wir mehrmals am Tag angerufen. Und das obwohl wir kaum Gäste haben, die nach Italien oder China fliegen.“