Vorwürfe

Experten untersuchen Vorwürfe gegen Ballettschule Berlin

Zwei Experten arbeiten in der neuen Clearingstelle, die Vorwürfe gegen die Staatliche Ballettschule Berlin aufklären sollen.

Schwere Vorwürfe wurden gegen die Staatliche Ballettschule Berlin erhoben.

Schwere Vorwürfe wurden gegen die Staatliche Ballettschule Berlin erhoben.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. „Wir widmen uns Euren Erfahrungen, Sorgen, Ängsten und Anregungen – vertraulich und auf Wunsch anonym“, steht im Anschreiben an die Schüler der Staatlichen Ballettschule Berlin, das von der „Unabhängigen Clearingstelle“ bald – über die Elternhäuser – an alle Schüler verschickt werden soll. Am Mittwoch stellten sich die beiden Köpfe der Clearingstelle, die Kinder- und Jugendtherapeutin Elke Nowotny und der ehemalige Bundesgeschäftsführer der Kinderschutz-Zentren, Arthur Kröhnert, der Presse vor. Danach sollte es weiter zur Schulvollversammlung vor Ort gehen.

Vor Wochen sind Vorwürfe von Schülern, aber auch Pädagogen laut geworden, dass in der Schule ein „Klima der Angst“ herrsche. Der Druck der leistungsorientierten Schule sei zu hoch, auf die Erschöpfung der Schüler, von denen viele professionelle Balletttänzer werden wollen, werde keine Rücksicht genommen. Die Folge seien Verletzungen. Auch Essstörungen würden verstärkt, da es bestimmte Körpererwartungen gebe. Daraufhin wurden die beiden Leiter der Schule bis auf weiteres „freigestellt“. Eine Expertenkommission wurde eingesetzt, um die Vorwürfe zu prüfen, zu gewichten und womöglich neue Strukturen in der Schule zu installieren. Doch was ist die Rolle der Clearingstelle?

Nowotny und Kröhnert betonten, ihre Rolle sei, erreichbar zu sein und zuzuhören. „Wir glauben grundsätzlich jedem“, sagte Kröhnert. Der Auftrag sei aber kein kriminalistischer oder dienstrechtlicher. Trotzdem gehe es darum, die grundsätzliche Frage zu beantworten: „Gab es eine Kindeswohlgefährdung – ja oder nein“, formuliert es Nowotny. Mit jedem neuen Gespräch verändere sich ihr Bild von der Schule. Rund 60 Kontakte und Gespräche mit Schulangehörigen habe man schon gehabt – allerdings meist mit Eltern, Lehrern, Trainern oder ehemaligen Schülern.

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Glücklich wirkten auch Nowotny und Kröhnert nicht, dass sie sich der Schulgemeinschaft bislang nicht direkt vorstellen konnten. Nun versuche man aber, auch das Vertrauen der aktiven Schüler zu gewinnen. Der Clearingstelle wird wie auch der Expertenkommission mit einem gewissen Misstrauen begegnet – die Angst ist, dass sie nicht unabhängig genug arbeitet. Die Staatliche Ballettschule wird nicht vom Bezirk, sondern direkt von der Senatsverwaltung für Bildung beaufsichtigt. Man gehe mit allen Gesprächen streng vertraulich um, betonte Kröhnert. Alle zwei Wochen will man sich mit der Expertenkommission treffen und sich austauschen. Einzelfälle oder Namen werden dabei aber nicht besprochen. Es ginge um Strukturen.