Lungenkrankheit

Coronavirus: Das müssen Berliner wissen

In Berlin gibt es weiter keinen bestätigten Coronavirus-Fall. Bei Symptomen empfiehlt die Gesundheitssenatorin, den Hausarzt zu fragen.

Spahn sieht Deutschland am Beginn einer Coronavirus-Epidemie

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland "am Beginn einer Coronavirus-Epidemie". Mit dem Bekanntwerden neuer Infektionsfälle habe sich die Gesamtlage verändert, sagt Spahn in Berlin. Besonders komplex ist die Lage in Nordrhein-Westfalen.

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  • Der Coronoavirus ist bislang nicht in Berlin angekommen. Es gibt bis Freitagvormittag keinen bestätigten Coronavirus-Fall, einige Verdachtsfälle werden derzeit überprüft.
  • Berlins Gesundheitsverwaltung empfiehlt Angehörigen von Risikogruppen, sich vorsorglich impfen zu lassen - vor allem gegen Pneumokokken und Keuchhusten. Gegen Sars-CoV-2 selbst gibt es weiter keinen Impfstoff.
  • Einer der Coronavirus-Infizierten aus Nordrhein-Westfalen hat sich kürzlich im Brandenburger Erlebnisbad Tropical Islands aufgehalten. Die Ansteckungsgefahr soll aber gering sein.
  • Die Berliner Feuerwehr bittet darum, bei Nachfragen nicht den Notruf 112 zu wählen, sondern die Hotline der Gesundheitsverwaltung unter der 030 90 28 28 28.
  • Die Berliner CDU verlangt vom Senat, sofort ein Handlungskonzept gegen das Coronavirus vorzulegen.
  • Innenminister Horst Seehofer spricht sich für eine Absage der Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin aus.

Berlin. Trotz weiterer Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus in Deutschland und neuen Todesfällen unter anderem in Frankreich ist Sars-CoV-2 noch nicht in Berlin angekommen. Bis Freitagvormittag gab es in der Hauptstadt keinen bestätigten Fall. Die Gesundheitsämter der Bezirke überprüften aber einige Verdachtsfälle, die Amtsärzte verhängten in Einzelfällen auch häusliche Isolation für mögliche Träger des Virus.

„Die Situation ist hochdynamisch“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Mittwoch. „Da die Pandemie nach der Entwicklung in Italien auch in Deutschland wahrscheinlicher geworden ist, müssen wir neue Maßnahmen ergreifen, um besonders gefährdete Teile der Bevölkerung zu schützen.“

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Coronavirus: Risikogruppen sollten sich impfen lassen

Deshalb empfiehlt die Berliner Gesundheitsverwaltung für alle Angehörige von Risikogruppen, sich vorsorglich impfen zu lassen. Das betrifft Personen über 60 Jahren oder mit Vorerkrankungen. Weil es gegen das Coronavirus noch keinen Impfstoff gibt, wird geraten, das Risiko eines schweren oder gar tödlichen Verlaufs zu minimieren.

Deshalb sollten sich Risikogruppen gegen Pneumokokken und Keuchhusten impfen lassen. Eine bereits mit einem Krankheitserreger befallene Lunge könne auch noch von einem zweiten oder dritten Erreger – hier dem Coronavirus – angegriffen werden, so die Gesundheitsverwaltung. „Dabei würde es sich um eine Komplikation handeln, die die Behandlung sehr erschweren würde und Patienten besonders gefährden würde“, erklärte die Behörde.

Coronavirus-Infizierter aus NRW hielt sich im Tropical Islands auf

Einer der Coronavirus-Infizierten aus Nordrhein-Westfalen hat sich kürzlich im Brandenburger Erlebnisbad Tropical Islands aufgehalten. „Unsere bisherigen Prüfungen haben ergeben, dass kein erhöhtes Ansteckungsrisiko bestanden hat“, teilte das zuständige Gesundheitsamt Dahme-Spreewald am Donnerstag mit. „Augenblicklich tendiert die Ansteckungsgefahr gegen Null.“ Der infizierte Mann war nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom 20. bis zum 23. Februar in dem Freizeit-Resort südlich von Berlin.

Wie Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) betonte, hatte der Mann keine sehr engen Kontakte mit anderen Badegästen. Man habe von dem Patienten sehr genau erfahren, mit wem er in Kontakt war. Engeren Kontakt habe es nur zu Mitarbeitern gegeben, zum Beispiel bei der Essensausgabe. Eine Isolation dieser Menschen sei nicht nötig. Sie könnten sich aber freiwillig testen lassen. Mit den Tests soll am Freitag begonnen werden, so Nonnemacher. Die 91 Mitarbeiter des Badeparks zeigten demnach keine Symptome.

Das örtliche Gesundheitsamt hat für alle Fragen von Bürgern zum Erreger ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist den Angaben zufolge täglich zwischen 8 und 22 Uhr unter 03375/262146 erreichbar.

Verdachtsfälle auf Coronavirus waren in Berlin bislang alle negativ

In den Gesundheitsämtern der Berliner Bezirke bereiten sich die Amtsärzte und andere Mitarbeiter auf eine weitere Ausbreitung des Virus vor. Die Lage sei „angespannt, aber wir kriegen es hin“, sagte Spandaus Gesundheitsstadtrat Frank Bewig (CDU). Man nehme bei Verdachtsfällen Abstriche vor, lasse die Proben im Labor Berlin untersuchen und recherchiere, welche Kontakte die Menschen gehabt hätten.

Bisher hätten sich aber alle Verdachtsfälle als negativ erwiesen. Noch lasse sich die Lage kontrollieren. „Wenn wir aber wie in Italien 30 oder 40 Fälle bekommen, kann das Gesundheitsamt das nicht mehr alleine bewältigen“, so der Stadtrat.

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Gesundheitssenatorin: Bei Coronavirus-Verdacht doch Hausarzt fragen

Kalayci setzt beim Bewältigen des neuartigen Coronavirus auf Hausärzte. „Ich habe immer gesagt, dass unser Gesundheitssystem gut aufgestellt ist, dazu gehören auch unsere Hausärzte“, sagte die SPD-Politikerin dem RBB.

„Die Empfehlung ist tatsächlich, je nachdem wie die Symptomatik ist, wie die aktuelle Lage ist, sich beim Hausarzt zu melden.“ Die Kassenärztliche Vereinigung habe die Mediziner darüber informiert, wie sie mit Patienten mit möglichen Symptomen einer Covid-19-Erkrankung umgehen können. Für akute Fälle seien dann weiterhin die Krankenhäuser zuständig.

Innenminister Horst Seehofer für Absage der ITB

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus für eine Absage der Internationalen Tourismusmesse (ITB) ausgesprochen.

„Ich persönlich bin der Meinung, dass man sie nicht durchführen sollte“, sagte Seehofer am Donnerstag der „Wirtschaftswoche“. Das Risiko bei einer solch großen Tourismusmesse mit Vertretern auch aus betroffenen Regionen und mit erwarteten 150.000 Besuchern sei nicht kalkulierbar.

Eine feste Empfehlung werde allerdings am Freitag der neue Krisenstab der Bundesregierung zum Corona-Virus erarbeiten, kündigte Seehofer an. Die Absage einer solchen Großveranstaltung sei bedingt „durch höhere Gewalt. Das ist dann wie ein Orkan oder wie eine Krankheit“, sagte Seehofer dem Blatt. Die endgültige Entscheidung liege beim Land Berlin.

Berliner Feuerwehr: Nicht den Notruf 112 wählen

Für Informationen zum Virus ist bei der Gesundheitsverwaltung täglich von 8 bis 20 Uhr die Telefonnummer 030-90 28 28 28 als Hotline geschaltet. Aus den Gesundheitsämtern hieß es aber, viele Leute riefen unnötig an und belasteten die Mitarbeiter an den Telefonen. Die Zahl der Anrufer war zuletzt in die Höhe geschnellt. Am Dienstag hätten sich 316 und am Mittwoch 290 Menschen gemeldet, teilte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Lena Högemann, am Donnerstag auf Anfrage mit. Zwischen Freitag und Sonntag seien es pro Tag noch zwischen 18 und 42 Anrufer gewesen. Insgesamt wurden demnach seit dem Start der Hotline vor rund einem Monat knapp 2750 Anrufer gezählt.

„Viele Fragen drehen sich aktuell um die Situation der Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Italien oder anderen Risikogebieten“, sagte Högemann. Es riefen Menschen aus ganz Deutschland an, aber auch aus dem Ausland. Die Besetzung der Hotline werde laufend dem Bedarf angepasst, hieß es. Die Anrufe würden von Fachleuten aus den Gesundheitsämtern, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sowie von den Kliniken Charité und Vivantes angenommen, hieß es. Die Hotline ist ein Angebot vorrangig an Menschen, die bei sich eine Ansteckung mit dem neuartigen Erreger Sars CoV-2 befürchten. In Berlin sind bisher keine Fälle nachgewiesen.

Auch die Berliner Feuerwehr verwies am Donnerstag auf die Hotline der Gesundheitsverwaltung. In einem Tweet beim Kurznachrichtendienst Twitter schrieb der Feuerwehr: "Immer öfter erreichen uns Nachfragen zum Corona​virus über den Notruf 112. Bitte nutzen Sie ausschließlich die Nummer der SenGPG."

Viele Menschen würden sich derzeit melden, nur um Informationen zum Coronavirus und Verhaltensregeln zu erfahren, sagte ein Feuerwehr-Sprecher. „Aber da müssen wir ganz klar sagen: Die 112 ist nur für wirkliche Notlagen da. Dafür müssen wir die Leitungen frei halten. Wir können keine Beratungsgespräche anbieten.“ Sollte es allerdings wirkliche Notfälle mit schwer kranken oder infizierten Menschen geben, würde man sich natürlich kümmern und einen Krankenwagen schicken.

Die Behörden weisen zudem auf die Gefahrenlage hin: Entscheidend sei, ob es in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einem bestätigten Fall gegeben habe oder ob eine Person in den Risikogebieten war. Dazu hat das Robert-Koch-Institut keineswegs ganz Norditalien erklärt, sondern bisher nur die Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien. Hinzu kommen die Risikogebiete in China, im Iran und in Südkorea.

Die Amtsärzte würden individuell entscheiden, ob ein Test vorgenommen oder häusliche Isolation angeordnet wird. Die Krankenkasse Barmer wies darauf hin, dass die Kassen die Kosten für die Tests in begründeten Verdachtsfällen übernehmen würden.

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In Berlin gibt es 152 Verdachtsfälle – bisher sind alle Ergebnisse negativ

In Berlin gibt es weiterhin bislang keinen bekannten Krankheitsfall. „Wir haben Informationen zu 152 Abklärungsfällen erhalten“, sagte Gesundheitsverwaltungssprecherin Högemann am Donnerstag. „Davon sind derzeit noch 22 Ergebnisse offen, alle anderen Abklärungsfälle waren negativ.“

Auch in der Berliner Schulverwaltung stellt man sich auf einen Ernstfall ein. „Wir haben einen Krisenstab eingerichtet, der jeden Tag tagt“, sagte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) im Schulausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Das Expertengremium stehe eng mit der Senatsverwaltung für Gesundheit im Austausch. Ein Schreiben mit der Nummer der Hotline und grundsätzlichen Informationen, wie man sich bei einem Infektionsfall zu verhalten habe, sei an alle Schulleitungen gegangen. Erster Ansprechpartner für Berliner Schulen sei in Verdachtsfällen immer das Gesundheitsamt.

Berliner CDU fordert Handlungskonzept gegen das Coronavirus

Zweifel am Stand der Vorbereitungen in Berlin kommen von der Hauptstadt-CDU. Tim-Christopher Zeelen, gesundheitspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, erklärte am Donnerstag: "Der Senat muss sofort ein abgestimmtes und verbindliches Handlungskonzept vorlegen, wie er den Gesundheitsschutz der Berliner vor dem Coronavirus und die nötigen Bürgerinformationen sicherstellen will."

Die CDU halte es für fahrlässig, "dass in den 38 Notfallkrankenhäuser und –zentren bisher keine gesonderten Kapazitäten für den Ernstfall geschaffen wurden." Berlin benötige einen geeigneten Quarantäne-Standort und mehr als ein Nachweislabor an der Charité. Zeelen weiter: "Wir benötigen zudem eine Bevorratung an Schutzmasken und Medikamenten. Unsere Polizei muss die Schutzausrüstung erhalten, die sie braucht."

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