Analyse

Welcher Bezirk die besten Bedingungen für Familien bietet

Eine Internetplattform testete, welcher Berliner Bezirk familienfreundlich ist und welcher weniger. Vor allem der Südwesten überzeugt.

Der Spielplatz im Stadtpark Steglitz: Laut einer Studie leben Kinder mit ihren Eltern im Südwesten Berlins am besten.

Der Spielplatz im Stadtpark Steglitz: Laut einer Studie leben Kinder mit ihren Eltern im Südwesten Berlins am besten.

Foto: imago stock

Pankow mit dem Ortsteil Prenzlauer Berg wird ja vielfach als der Kinder-Boom-Bezirk Berlins wahrgenommen. Tatsächlich sind die Bedingungen für Familien im Nordostbezirk ziemlich gut. Noch besser leben Kinder mit ihren Eltern jedoch im Südwesten Berlins. Steglitz-Zehlendorf ist nämlich der familienfreundlichste Bezirk der Stadt.

Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Datenanalyse des Unternehmens Care.com, das über seine Internetplattform Betreut.de Familiendienstleistungen wie etwa das Finden von Babysittern oder Helfern für die Seniorenbetreuung anbietet.

Für die Studie haben die Autoren öffentlich zugängliche offizielle Statistiken ausgewertet und auch eigene Daten hinzugezogen.

Kriterien für die Bewertung sind

  • Kinderreichtum
  • Wohnverhältnisse
  • Sicherheitslage
  • Ärzteversorgung
  • Angebote für Bildung und Betreuung
  • Freizeitmöglichkeiten und Grünflächen.

Berliner Südwesten überzeugt mit hoher Sicherheit

Der Südwesten überzeugt vor allem mit seiner vergleichsweise hohen Sicherheit. Steglitz-Zehlendorf ist der Bezirk mit den wenigsten Straftaten pro Einwohner. Auch passieren weniger Verkehrsunfälle als im restlichen Stadtgebiet. Außerdem praktizieren hier die meisten Kinderärzte pro Kind und es steht das größte Sport- und Freizeitangebot für Kinder zur Verfügung.

Zusammen mit viel Grün und sogar einem bei den Angebotsmieten durchschnittlichen Niveau bei den Wohnkosten reicht es für Steglitz-Zehlendorf zu Platz eins im Ranking. Gleichwohl leben dort relativ gesehen weniger Kinder und Jugendliche als anderswo in Berlin. Der Anteil der unter 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung liegt hier bei 16 Prozent.

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In Pankow fehlen Sportvereine und Schwimmbäder

In den kinderreichsten Bezirken Spandau und Pankow sind 18 Prozent der Bewohner minderjährig. Beide Bezirke folgen denn auch in der Rangliste der Kinderfreundlichkeit. Pankow kommt auf Platz zwei, Spandau folgt auf Rang drei. Pankow liegt beim Angebot von Spielplätzen ganz vorne in Berlin. Bei der Kriminalität und den Verkehrsunfällen schneidet Pankow zwar nicht so gut ab wie Steglitz-Zehlendorf, ist aber gleichwohl relativ sicher.

Weniger gut steht es in Pankow mit dem Angebot von Sportvereinen und Schwimmbädern. Kunstschulen hingegen haben die Studienautoren im Nordosten besonders viele gefunden. Pluspunkte gibt es auch wegen der vielen Kitas im Bezirk und des hohen Anteils von Kindern, die tatsächlich auch eine Kindertagesstätte besuchen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sind das 95,6 Prozent.

Spandau bietet viele Freizeitoptionen

Spandau profitiert besonders vom vielen Grün und den guten Freizeitoptionen. So sind im Bezirk vergleichsweise viele Sportvereine angesiedelt. Auch die im Berliner Vergleich günstigen Mieten sind ein positiver Faktor für die Familien in der Havelstadt. Die Angebotsmiete für freie Wohnungen wird mit 8,51 Euro angegeben. In anderen Lagen der Stadt müssen Mieter deutlich mehr als zehn Euro pro Quadratmeter ausgeben.

Auf den Plätzen vier und fünf folgen die Ost-Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick. In Marzahn-Hellersdorf ist das Risiko für Kinder, bei einem Verkehrsunfall zu schaden zu kommen, am geringsten von ganz Berlin. Auch die Mieten sind günstig, im Osten der Stadt lebt es sich noch günstiger als in Spandau. Treptow-Köpenick, mit 15 Prozent unter 18-jähriger Bevölkerung einer der kinderärmsten Bezirke der Stadt, verdankt seine Position vor allem dem vielen Grün.

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Neukölln liegt am Ende der Liste: Es fehlen Kinderärzte

Im Mittelfeld rangieren Reinickendorf, der mit 14 Prozent Minderjährigen kinderärmste Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Lichtenberg. In der City-West schlagen vor allem das gute Freizeitangebot und die nahen Einkaufsmöglichkeiten positiv für Familien zu Buche.

Schlechter schneiden in der Bewertung die dicht bebauten Innenstadtbezirke ab. Friedrichshain-Kreuzberg auf Platz zehn ist für Neuzuzügler überaus teuer, es gibt vergleichsweise viele Straftaten und Verkehrsunfälle sowie wenige Grünflächen. Dafür bietet Friedrichshain-Kreuzberg ein dichtes Netz an Kindertagesstätten und Schulen, auch die Betreuungsquote in den Kitas ist besonders hoch. Vergleichbar ist das Bild im elftplatzierten Bezirk Mitte. Wenig Platz, teure Mieten, kaum Grün, dafür jedoch viele Unterhaltungs- und Bildungsangebote in der Nähe.

Am schlechtesten schneidet nach den Kriterien der Rangliste Neukölln ab. Der mit 17 Prozent Minderjährigen eher kinderreiche Bezirk leidet unter einem eklatanten Mangel an Kinderärzten und einem vielerorts schlechten Wohnumfeld für Familien mit Kindern.

Insgesamt sieht die Internet-Plattform Familien innerhalb des Berliner Stadtgebietes aber besser aufgehoben als in den meisten Umlandgemeinden. Eine frühere Untersuchung sieht deutliche Vorteile beim Schul- und Unterhaltungsangebot, die die Nachteile bei Grün und Wohnkosten nicht ausgleichen.

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