Start-up

Das Berliner Start-up Foodly verkauft Foodboxen nach Bedarf

Das Start-up Foodly arbeitet anders als Hellofresh oder Marley Spoon mit Lieferdiensten zusammen. Das kommt dem Verbraucher zugute.

Hannes Kübel hat in Berlin Foodly gegründet. Das Start-up versendet ähnlich wie Hellofresh Kochboxen, arbeitet aber bei der Belieferung von Kunden mit bestehenden Online-Supermärkten wie Bringmeister von Edeka zusammen.

Hannes Kübel hat in Berlin Foodly gegründet. Das Start-up versendet ähnlich wie Hellofresh Kochboxen, arbeitet aber bei der Belieferung von Kunden mit bestehenden Online-Supermärkten wie Bringmeister von Edeka zusammen.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Das Geschäft mit Lebensmitteln ist in Deutschland ein riesiger Markt. Etwa 250 Milliarden Euro Umsatz haben Einzelhändler wie Edeka, Rewe, Kaufland oder Aldi im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Nudeln, Joghurts oder Tütensuppen erzielt. Anders als etwa der Verkauf von Elektronikartikeln findet das Geschäft von Rewe und Co. noch immer vorwiegend offline statt – in den Supermärkten selbst.

Lediglich einen Anteil von einem Prozent hat das Geschäft im Internet am Gesamtumsatz des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Einer Auswertung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland zufolge lag der Internet-Umsatz mit Lebensmitteln im vergangenen Jahr bei 1,6 Milliarden Euro. Aber: Keine andere Warengruppe hat derart starke Wachstumsraten. 2019 legte das Online-Geschäft mit Lebensmitteln um 17,3 Prozent zu.

In Berlin musste ein Dienst den Betrieb einstellen

Bereits seit ein paar Jahren arbeiten die Lebensmitteleinzelhändler daran, den Verkauf von Äpfel, Birnen oder auch Milchprodukten im Netz anzukurbeln. Rewe ist bereits seit 2011 mit einem eigenen Lieferdienst aktiv. Edeka beliefert nach der Online-Bestellung seine Kunden mit Bringmeister, Amazon mischt mit dem Lieferdienst Fresh mit. Doch das Geschäft ist kostenaufwendig. Nicht immer decken sich Ertrag und Aufwand. Die Schwarz-Gruppe etwa stellte den Kaufland-Lieferdienst im Dezember 2017 nach einer Testphase wieder ein. In Berlin verloren daraufhin 300 Menschen ihren Arbeitsplatz.

Um Kunden auch im Internet Kaufanreize zu bieten, suchen die Lebensmitteleinzelhändler nach guten Ideen, sagt Hannes Kübel (38). Der Berliner hat Ende 2018 den Kochboxen-Anbieter Foodly gegründet. Er mischt im selben Marktsegment wie die Platzhirsche Hellofresh und Marley Spoon mit – und ist doch komplett anders.

Berliner Start-up Foodly bietet Flexibilität

Im Gegensatz zur Konkurrenz müssen Kunden bei Foodly kein Abo eingehen, sondern können nach ihrem persönlichen Bedarf bestellen. Das funktioniert über eine App auf dem Smartphone. Nach der Anmeldung schlägt die Software dem Nutzer passend zu dessen zuvor abgefragten Vorlieben Rezepte vor. Allerdings – und auch das ist bei den Wettbewerben anders – ist Foodly auch bei den zu bestellenden Zutaten flexibel. „Unsere Kunden müssen keinen Reis bestellen, wenn sie zu Hause noch Reis im Küchenschrank haben“, erklärt Gründer Hannes Kübel.

Die zu den ausgewählten Rezepten passenden Produkte werden nicht von Foodly direkt geliefert, sondern von Partnern. In Berlin und 30 anderen deutschen Städten arbeitet das Start-up dabei derzeit mit dem Edeka-Dienst Bringmeister sowie dem Online-Supermarkt Food.de zusammen. Die Vorteile für Foodly liegen auf der Hand: Das junge Unternehmen spart sich Kosten für Einkauf, Verpacken und Logistik der Produkte. Bringmeister und Co. erhalten im Gegenzug Zugang zu einer jungen, internetaffinen Käuferschicht. Dafür beteiligen die Online-Supermärkte das Berliner Start-up prozentual an jedem über Foodly erzielten Umsatz.

Mindestens tausend Kunden nutzen Foodly derzeit

Genaue Nutzerzahlen gibt das junge Unternehmen derzeit noch nicht preis. Allein im Januar aber sei die Zahl der Kunden um 400 Prozent gewachsen und liege mittlerweile im unteren vierstelligen Bereich, sagt Gründer Kübel. Ein Grund für das Wachstum ist auch der Preis. Da Foodly-Kunden nur für die bestellten Lebensmittel zahlen, sind die verschickten Kochboxen deutlich günstiger als die der Wettbewerber. Abhängig vom Lieferanten wird allerdings eine Gebühr für das Ausfahren der Bestellung verlangt.

Für wöchentlich neue und auch wechselnde Rezepte arbeitet Foodly mit 60 Food-Bloggern zusammen. Ein Teil der derzeit acht Foodly-Mitarbeiter ist für die Qualitätssicherung zuständig. Jedes eingehende Rezept werde überprüft. „Im Zweifel kochen wir das auch nach“, sagt Hannes Kübel. Marktführer Hellofresh hingegen entwickelt seine Rezepte selbst. In dieser Hinsicht ist der Aufwand des Berliner Unternehmens, das 2019 erstmals in einem Quartal Gewinn erzielt hatte, deutlich größer.

Geldgeber sehen Potenzial in der Foodly-Idee

Investoren sehen im Wettbewerb mit den anderen Anbietern aber durchaus auch für Foodly Potenzial. Im Winter 2019 sammelte das Jung-Unternehmen gleich von sieben Business Angels Geld ein. Die jüngste Finanzierungsrunde spülte eine mittlere sechsstellige Summe in die Kassen. Mithilfe des Geldes soll vor allem die App verändert werden. So sollen Nutzer noch besser ihre Vorlieben einstellen und dann etwa auswählen können, ob sie sich rein vegan oder gar low-carb ernähren wollen. Darüber hinaus will Foodly sein Angebot auf weitere deutsche Städte ausweiten.

Der Lebensmittelmarkt sei sehr dynamisch – auch im Internet, sagt Hannes Kübel. Er geht davon aus, dass in den kommenden Jahren mit Blick auf die Lieferung von Lebensmitteln weitere Angebote hinzukommen werden. Möglicherweise werden Bestellungen so vorsortiert, dass Kunden sie nur noch abholen müssen. Denkbar sei aber auch ein Bringdienst mit Drohnen, sagt Kübel, der an der Technischen Universität Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat.

Foodly wirbt Personal bei der Konkurrenz ab

Kübel hat das Gefühl, dass sein Unternehmen die richtige Richtung eingeschlagen hat. Vielleicht liegt das auch an einer Personalie: Anfang des Jahres gelang es Foodly, den Marketingchef vom direkten Wettbewerber Marley Spoon abzuwerben.