Ausstellung

Automesse IAA könnte Berlin 700 Millionen Euro bringen

Die Investitionsbank rechnet bei Ausrichtung der IAA mit einem deutlichen Kaufkraftplus. Senatorin Pop schlägt eine Umbenennung vor.

Berlin will die Automobilmesse IAA nach Berlin wollen. Die Stadt rechnet bei einer Ausrichtung mit 700 Millionen Euro Kaufkraftzufluss.

Berlin will die Automobilmesse IAA nach Berlin wollen. Die Stadt rechnet bei einer Ausrichtung mit 700 Millionen Euro Kaufkraftzufluss.

Foto: Silas Stein / dpa

Berlin. Mit Hamburg, München und Berlin sind im Moment noch insgesamt drei Städte im Rennen um die Ausrichtung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ab 2021. Bereits Anfang März will der Verband der Automobilindustrie (VDA) entscheiden, welche Metropole den Zuschlag erhält. Für Berlin hätte die IAA dabei auch eine bedeutende wirtschaftliche Komponente. „Die Bruttowertschöpfung der IAA für Berlin würde ungefähr bei 700 Millionen Euro liegen und bei 4000 bis 5000 ständigen Arbeitsplätzen“, sagte der Chef der Berliner Tourismusagentur „Visit Berlin“, Burkhard Kieker, am Freitag vor Journalisten. Kieker beruft sich dabei nach eigener Aussage auf eine Berechnung der Investitionsbank Berlin.

Die letzte Ausstellung gilt als Misserfolg

An ihrem langjährigen Standort Frankfurt am Main hatte die IAA im vergangenen Jahr 560.000 Besucher angezogen – deutlich weniger als noch vor ein paar Jahren. Bei der letzten Auflage 2017 waren es 810.000 Besucher, die IAA Pkw 2015 hatte sogar noch 932.000 Menschen in die Frankfurter Messehallen gelockt. Angesichts des deutlichen Bedeutungsverlustes gilt die zurückliegende IAA nicht nur innerhalb des Verbands VDA als Misserfolg. Auch deswegen soll sich die Messe von einer Autoschau hin zu einem Impulsgeber für neue Mobilitätskonzepte wandeln.

„Visit Berlin“-Chef Kieker gab sich am Freitag mit Blick auf die baldige Entscheidung zuversichtlich. Das Konzept, das Berlin angeboten habe, habe nicht mehr viel mit dem zu tun, was die IAA einmal war, sagte er. „Ich denke auch, dass man beim VDA weiß, dass man sich zu weit von der Politik und von dem, was in dieser Republik gedacht wird, entfernt hat. Ich denke, dass wir daher auch ganz gute Chancen haben“, erklärte Kieker weiter.

Andere Städte hingegen haben dem VDA offenbar auch finanzielle Angebote gemacht, um den Zuschlag für die Messe zu erhalten. „München hat vorgestern mit 15 Millionen Euro gewinkt. Ich halte das für ein Zeichen der Ideenlosigkeit“, sagte Kieker als deutlichen Seitenhieb in Richtung des Mitbewerbers im deutschen Süden. Die bayerische Staatsregierung hatte am Mittwoch bestätigt, eine Ausrichtung der IAA in München mit Zuschüssen unterstützen zu wollen. Berlin plant nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) kein ähnliches Angebot an den VDA.

Pop sprach sich am Freitag darüber hinaus dafür aus, einer möglichen IAA in Berlin einen neuen Namen zu geben. „Natürlich gehört zu einer Erneuerung nicht nur, sich einen neuen Ort auszusuchen und inhaltlich neu zu denken. Man muss sich auch überlegen, wie die Überschrift ist“, sagte Pop. Als Wirtschaftssenatorin könne sie aber keine Umbenennung fordern. Das sei Sache des ausrichtenden Verbands, betonte sie.

Jürgen Klinsmann warb für die IAA in Berlin

Anders als bei der Hamburger Bewerbung war Pop als Wirtschaftssenatorin nicht Teil des Teams, das Ende Januar die Ideen der Hauptstadt beim VDA in Mitte vorstellte. Ein Grund dafür war auch ein Parteitagsbeschluss der Grünen in Berlin. Die dortigen Delegierten hatten sich gegen eine IAA-Bewerbung der Hauptstadt ausgesprochen. Das Berliner Bewerbungsteam für die IAA war fünfköpfig – darunter der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und als populäres Gesicht Jürgen Klinsmann, damals noch Hertha-Trainer.

Pop betonte am Freitag, der VDA werde sich in Berlin auch den Skeptikern der Automobilindustrie stellen müssen. Auch wenn die Stadt den Zuschlag erhalte, werde es Diskussionen geben. Der VDA müsse Skeptiker überzeugen, so Pop. Eine neue IAA in Berlin müsse sich entfernen von PS-Protzerei und sich zu emissionsarmen Antrieben hinbewegen. Darüber hinaus müsse die Verkehrssicherheit eine große Rolle spielen. „Wenn diese Themen angefasst werden, dann könnte das sicherlich auch Skeptiker überzeugen“, erklärte Pop weiter.

Offiziell will der VDA im Schlussspurt der IAA-Vergabe nicht sagen, welche der drei Städte die besten Chancen hat. Derzeit besuchen Verbandsvertreter die Lokalitäten in den Bewerberstädten. Bereits am Donnerstag war eine VDA-Delegation bei der Messe Berlin zu Gast, am Freitag besuchte der Verband München. Nächste Woche soll Hamburg an der Reihe sein.

Berlin, so heißt es von mehreren Quellen aus dem Umfeld des Verbands, habe bislang mit der Dezentralität des Konzepts und den in der Stadt erfahrbaren neuen Mobilitätskonzepten gepunktet. Für die deutsche Hauptstadt spreche zudem die Nähe zur Politik. Darüber hinaus habe die Messe dem VDA aufgezeigt, wie die IAA als Marke gestärkt werden könne. Das ist durchaus wichtig für den VDA, der sich stets auch zu einem Großteil über die Einnahmen aus der IAA finanzierte. Für eine Ausrichtung in Berlin würde darüber hinaus auch die Nähe zur VDA-Zentrale sprechen: Der Verband würde sich so Reisekosten und Spesen in erheblicher Höhe sparen.

Hamburg liegt vorn beim Thema „autonomes Fahren“

Aber auch Hamburg habe in Person von Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos, für die SPD) einen engagierten Eindruck im Bewerbungsgespräch hinterlassen, ist zu hören. Westhagemann soll die Vorreiterrolle der Hansestadt in Bezug auf das autonome Fahren und neue Mobilität betont haben. München scheint vor allem angesichts der Dauer-Präsenz von BMW in der Stadt anderen Herstellern wie Daimler und VW schwer vermittelbar zu sein. Für die Stadt spricht aber die jahrelange Erfahrung mit der Durchführung von Großveranstaltungen. Über die Vergabe der IAA entscheiden neben Präsidium und Geschäftsführung des VDA auch die großen deutschen Automobilbauer.