Kinder-Schwimmkurse

Vier Stunden Warten fürs Seepferdchen

Hunderte Eltern stehen stundenlang Schlange, um einen Schwimmkurs für ihre Kinder zu buchen. Auch die Bäderbetriebe sind genervt.

Freitagmorgen um kurz nach 6 Uhr in der  Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE): Eltern warten auf den Start der Anmeldung.

Freitagmorgen um kurz nach 6 Uhr in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE): Eltern warten auf den Start der Anmeldung.

Foto: Michael Bee / BM

Berlin. Die Anmeldung für Baby- und Kinderschwimmkurse der Berliner Bäderbetriebe (BBB) bleibt ein lästiges Geduldsspiel. Denn wer einen solchen Kurs buchen will, kann dies nicht etwa im Internet erledigen. Eltern müssen sich stattdessen auf ein umständliches Verfahren einlassen und zum Verkaufsstart in der Schwimmhalle persönlich vorstellig werden. Die Folge: lange Schlangen, viel Frust. Eine Situation, die noch einige Zeit andauern könnte.

So wie am Freitagmorgen: Um 6 Uhr ist das Foyer der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) in Prenzlauer Berg gut besucht. Obwohl die Ticketschalter des größten und meistbesuchten Berliner Bades erst um 8 Uhr öffnen und der öffentliche Betrieb nicht vor 11 Uhr startet, stehen etwa 100 Personen vor dem Kassenbereich – darunter auch Mütter mit ihren Säuglingen oder Kleinkindern. Die Schlange windet sich in mehreren Schleifen durch den Vorraum. Viele sitzen auf dem Boden und starren auf ihre Handys. Immerhin ist das Foyer geöffnet, sonst müssten die Eltern auf der Zufahrt unterhalb des S-Bahnhofs Landsberger Allee warten.

Der Verkauf startet um 8 Uhr, die erste Mutter kommt um 3.45 Uhr

Aurica Buscaneaou (40) aus Friedrichshain ist die Erste in der Schlange. Sie wartet sei 3.45 Uhr im SSE, um ihren Sohn zu einem Seepferdchen-Kurs anzumelden. „Warum gibt es keine Online-Anmeldung?“, fragt sie. Schon zweimal, sagt sie, sei sie bei der Anmeldung nach langem Anstehen gescheitert. Dieses Mal wollte sie nichts riskieren und sei extra früh gekommen. „Ein Losverfahren wäre doch schlau, dann könnte man sich diesen ganzen Mist hier sparen“, sagt ein Vater zum anderen.

Um 8 Uhr schließlich, die Zahl der Wartenden ist auf etwa 300 angestiegen, öffnen die Kassen des Bads – und schon nach drei Minuten ist der erste Kurs ausgebucht. Mitarbeiterinnen des SSE gehen durch die Reihen und rufen im Minutentakt die schlechten Neuigkeiten durch die Vorhalle. Schnell ausverkauft sind zumeist Kurse mit späten Anfangszeiten, weil für berufstätige Eltern nur diese überhaupt infrage kommen. Etliche Mütter und Väter gehen deshalb leer aus, die Warterei am frühen Morgen war umsonst. Andere verlassen schon vorher ohne Kursticket das Bad, um noch pünktlich zu ihrer Arbeit zu kommen. Immer wieder machen Eltern ungläubig mit ihren Handys Fotos der Warteschlange.

Kurs-Buchung und Bezahlung im Internet sollen „relativ bald“ kommen

Zumindest kurzfristig wird sich an der Situation nichts ändern, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe. Ein Online-Ticketsystem sei schon seit Jahren in Arbeit, ein externer Dienstleister arbeite an der Programmierung. Wann dieses System aber nun endlich zum Einsatz kommen kann, will er nach diversen Rückschlägen nicht einmal mehr prognostizieren. „Die Situation ist auch für die Bäderbetriebe frustrierend. Wir würden uns das schneller wünschen“, sagt er. Was er vage vorhersagen will: Kurs-Buchung und Bezahlung im Internet sollen „relativ bald“ kommen.

Berlinweit, sagt Oloew, sei die Situation aber bei weitem nicht so angespannt wie im SSE. Besonders in den kinderreichen Ortsteilen Prenzlauer Berg und Friedrichshain, dem Einzugsbereich der Schwimm- und Sprunghalle, übersteige die Nachfrage nach Plätzen das Kurs-Angebot deutlich. In anderen Kiezen sehe das schon anders aus. Im Spreewaldbad in Kreuzberg beispielsweise hätte man die Zahl der Kurse sogar wieder reduzieren müssen, weil zu wenig Kinder angemeldet worden seien. Eltern könnten viel Wartezeit und Nerven sparen, wenn sie bei der Suche nach einem Kurs auch andere Bäder in ihre Wahl einbezögen, sagt Oloew.

Nur vier Prozent der Beckenflächen in Berlin für Kinderkurse nutzbar

Insgesamt sei das Problem mangelnder Kursplätze nur zu lösen durch den Bau kleinkindertauglicher Becken – also Anlagen, die Wassertemperaturen um die 32 Grad ermöglichen. Denn lediglich vier Prozent der Beckenflächen in Berlin seien überhaupt für Baby- und Kleinkinderkurse nutzbar. Dies soll sich durch Modernisierungen – wie zum Beispiel im Stadtbad Tiergarten – ändern. Die finanziellen Mittel dafür habe der Senat schon bereitgestellt. Doch die Umsetzung dauert.

Die Berliner Bäderbetriebe bieten in ihren Hallen zum Beispiel Wassergewöhnungskurse für Babys ab drei Monaten an. Aber auch Anfängerkurse für Kleinkinder ab drei Jahren oder Seepferdchen-Kurse bis hin zu Erwachsenen-Angebote. Die Termine und der Verkaufsstart werden auf der Website der Bäderbetriebe (www.berlinerbaeder.de) bekanntgegeben, gekauft werden müssen die Tickets in den Schwimmhallen, wo die Kurse stattfinden. Angeboten werden die 30- bis 45-minütigen Kurse mit zehn bis 20 Unterrichtseinheiten ab 70 Euro. Im Vergleich ist das äußerst preiswert. Private Schwimmschulen verlangen oft mehr als das Doppelte. Und auch bei den Privaten muss man häufig mehrere Monate auf einen freien Platz warten. Immerhin aber kann man sich online auf Wartelisten setzen.