Coronavirus

„Diamond Princess“-Passagiere kommen nach Berlin

In Berlin landen am Sonnabend Passagiere der „Diamond Princess“, auf der das Coronavirus grassiert. Wie ist Berlin vorbereitet?

Auf der „Diamond Princess“ wurden 621 Infektionen nachgewiesen. Zwei Passagiere starben inzwischen

Auf der „Diamond Princess“ wurden 621 Infektionen nachgewiesen. Zwei Passagiere starben inzwischen

Foto: -- / dpa

Das Coronavirus hat bisher um Berlin einen Bogen gemacht. In 96 Fällen seien Menschen auf eine mögliche Infektion untersucht worden, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Dennoch bleibe das Thema für Berlin aktuell.

Am Sonnabend werde auf dem militärischen Teil des Flughafens eine Maschine mit Passagieren des japanischen Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" landen. An Bord des Schiffes, dass wochenlang vor Japan in Quarantäne lag und wo mehr als 640 Menschen infiziert wurden, waren auch zwei Berliner, sagte Kalayci. Diese Menschen kehren jetzt zurück und sollen 14 Tage in häuslicher Quarantäne bleiben, so die Senatorin.

„Sie wurden vor Ort negativ getestet“, sagte sie weiter. Der Umgang mit ihnen sei nun zwischen den Behörden abgestimmt, die Amtsärzte seien vorbereitet.

Coronavirus: Opposition kritisiert „Showveranstaltung“

Das Landesparlament befasste sich in seiner Aktuellen Stunde mit der Lage rund um das Coronavirus. Berlin sei gut vorbereitet, hieß es vonseiten der Senatorin und von Vertretern der Koalition. Kalayci verwies auf die Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in den Bezirken. Diesen brauche man für einen gesundheitlichen Bevölkerungsschutz. Dort gebe es zwar noch 62 offene Stellen, das seien aber weniger als zuletzt.

Inzwischen habe man gegen Bedenken des Hauptpersonalrats durchgesetzt, den Amtsärzten ebenso viel Geld zu bezahlen wie den Medizinern in den Krankenhäusern. Für die Ärzte bedeutet das eine Gehaltserhöhung von bis zu 1500 Euro. Die Koalition hofft nun, mehr Mediziner für die Bezirksämter und auch für die Feuerwehr zu gewinnen.

Die Opposition tat sich schwer mit der Debatte, weil es in Berlin zwar keine aktuellen Probleme mit dem Coronavirus gebe, aber ein Ausbruch natürlich möglich sei. „Langweilig“ sei die Debatte, schimpfte Florian Kluckert (FDP), die Koalition mache eine „Showveranstaltung“. Statt über das Coronavirus zu reden, sollten lieber die Probleme in den überfüllten Notaufnahmen, die fehlenden Pflgekräften etwa in der Kinderkrebsklinik der Charité, den Mangel an Kinderärzten oder Wechsel einer kompletten Infektiologie-Abteilung vom Vivantes-Klinikum Auguste-Viktoria-Krankenhaus zum katholischen St-Joseph-Krankenhaus thematisieren. „Sie ignorieren die Probleme“, so der Liberale.

Kaum beachtet: 79.000 Menschen in Deutschland mit Grippe infiziert

Die AfD rügte die Lage in der Quarantäne, in der 20 China-Rückkehrer noch einige Tage in einem Nebengebäude der DRK-Kliniken in Köpenick verbringen müssen. Den Standort habe das Bundesgesundheitsministerium mit dem Roten Kreuz ausgesucht, wiesen Koalitionsvertreter die Kritik zurück. „Die Unterbringung in Köpenick war eine Zumutung“, sagte der Gesundheitsexperte der Linken, Wolfgang Albers: „Berlin hätte das besser gemacht.“

Albers verwies in der Debatte über das Coronavirus auf die laufende Influenza-Welle, die öffentlich kaum zur Kenntnis genommen werde. Das Robert-Koch-Institut spricht in seinem jüngsten Wochenbericht von 79.000 mit der Grippe infizierten in Deutschland und 132 Todesfällen.