E-Mobilität

Elektromobilität in Berlin: Was sich noch verbessern muss

Die Elektromobilität soll in Berlin massiv zulegen. Die Ziele sind ehrgeizig. Doch die Infrastruktur wächst nur langsam.

Das Land Berlin setzt auf Elektromobilität. Doch noch fehlen tausende Ladestationen.

Das Land Berlin setzt auf Elektromobilität. Doch noch fehlen tausende Ladestationen.

Foto: Tobias Hase / dpa-tmn

Die Worte von Ramona Pop (Grüne) waren mahnend. „2020 wird ein entscheidendes Jahr im Kampf gegen die Klimakrise.“ Von der Dringlichkeit des Themas musste die Wirtschaftssenatorin bei ihrer Rede am Mittwoch im Roten Rathaus allerdings nur wenige überzeugen: Pop sprach nämlich zur Eröffnung der Hauptstadt-Konferenz Elektromobilität.

Dieser, so die Grüne, komme in den nächsten Jahren eine entscheidende Bedeutung zu, wenn Berlin es wirklich schaffen wolle, bis 2050 CO2-neutral zu werden. „Wir meinen es ernst mit der Umstellung auf Elektromobilität“, sagte sie. Nun gehe es darum zu zeigen, wie agil die Stadt auf diesem Weg voranschreite.

Für den Berliner Verkehr ist das eine entscheidende Frage. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) will die Innenstadt bis 2030 zur emissionsfreien Zone machen. Verbrennungsmotoren sollen ab dann draußen bleiben. Ab 2035 soll das Ende von Diesel und Benzinern auch in den Außenbezirken kommen. Noch ein weiter Weg. Nur: Wo steht Berlin auf diesem aktuell?

In Berlin sollen knapp 10.000 Elektroautos angemeldet sein

Eher ernüchternd wirkt ein Blick auf die Zulassungsstatistik. Zwar stieg die Zahl der neu zugelassenen E-Autos 2019 um 120 Prozent. Mit 2588 Fahrzeugen machten die reinelektrischen Wagen jedoch nur einen Bruchteil von knapp drei Prozent aller neu zugelassenen Pkw in Berlin aus.

„Wir gehen davon aus, dass in Berlin knapp 10.000 Elektroautos angemeldet sind“, sagte Gernot Lobenberg, Leiter der landeseigenen Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo), auf der Konferenz. Noch ist das im Vergleich zur Gesamtzahl von rund 1,2 Millionen Pkw marginal, wenn die Zahl auch exponentiell wächst.

Lobenberg betonte, dass schon heute mehr als diese Zahl täglich auf den Straßen Berlins unterwegs seien. Hinzu kämen etwa 1500 E-Golfs, die für Volkswagens Carsharing-Dienst We Share durch Berlin fahren, aber nicht hier angemeldet sind. Weitere 300 Autos entfielen auf andere Sharing-Anbieter.

Berlin braucht bis zum Jahr 2030 bis zu 100.000 Ladestationen

Die noch überwiegende Zurückhaltung der Autokäufer verwundert nicht. Viele stellen sich die Frage, wo sie ihren Wagen mit neuer Energie versorgen sollen. Offen ist, wie viele Säulen künftig nötig sein werden. Führen im Jahr 2030 nämlich 300.000 E-Fahrzeuge durch Berlin, bräuchte die Stadt zwischen 14.000 und 100.000 Ladestationen, hat Emo errechnet. Je nachdem, wie groß der Anteil der Schnellladepunkte darunter wäre.

Davon ist die Stadt weit entfernt. Laut einer Studie des Energieverbands BDEW kam Berlin Ende 2019 auf insgesamt 974 Ladepunkte. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 25 Prozent. Bundesweit liegt die Hauptstadt dennoch nur auf Platz drei. Deutlich hinter Hamburg (1103) und München (1070), wo der Ausbau zuletzt schneller voran ging.

1000 Straßenlaternen sollen Ladepunkte werden

Schon heute müsste es eigentlich auch in Berlin mehr Stromsäulen geben. Anfang 2019 hat das Start-up Ubitricity bekannt gegeben, zusammen mit dem Land Berlin innerhalb von zwei Jahren 1000 Straßenlaternen zu Ladepunkten umzurüsten. Das vom Bund finanzierte Pilotprojekt soll sich auf die Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf konzentrieren.

Die ersten Ladepunkte waren für den Herbst 2019 geplant. Doch bislang ist nicht eine einzige neue Laterne aufgestellt worden. „Es hat sich herausgestellt, dass dieser Aufwand größer ist als ohnehin vermutet“, teilte ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung mit, die den Aufbau auf Landesebene betreut. Der Aufbau der ersten derartigen Laterne werde „voraussichtlich erst spät im zweiten Quartal 2020“ beginnen.

Das Projekt verzögere sich vor allem wegen „technischer Herausforderungen“ im historisch-gewachsenen Berliner Laternennetz, so der Sprecher. Teilweise würden Straßenzüge noch mit Gas beleuchtet. Und selbst wo Strom vorhanden sei, reiche die Netzleistung teils nicht aus, um E-Autos zu laden.

Insbesondere in Marzahn-Hellersdorf seien viele Netzanschlüsse der Laternen zunächst zu ertüchtigen, teilte der Sprecher mit. Auch die Laternenmasten selbst machten Ärger. Sie seien „nicht überall groß und stabil genug sind, um die zusätzliche Technik eines E-Ladepunktes ohne Weiteres aufzunehmen“. Zunächst musste deshalb eine Ausschreibung für neue Masten erfolgen. „Die Abstimmungen und die Standortplanung sind noch nicht abgeschlossen“, so der Sprecher.

75 Prozent der BSR-Fahrzeuge sollen 2020 elektrisch sein

Um Berliner Unternehmen den Umstieg schmackhaft zu machen, unterstützt die Wirtschaftsverwaltung seit 2018 den Kauf von E-Fahrzeugen finanziell. Für jedes E-Auto bekommen Unternehmen bis zu 4000 Euro Förderung. Bei Nutzfahrzeugen über 2,25 Tonnen gibt das Land maximal 8000 Euro.

Das Geld gibt es zusätzlich zur vom Bund gewährten Förderung von bis zu 6000 Euro. Das Landesprogramm werde viel besser angenommen als gedacht, sagte Pop. „Die rennen uns die Bude ein.“ Bis Anfang Februar habe es 3774 Anträge für E-Fahrzeuge gegeben. Mit dabei seien viele kleine und Mittelständische Unternehmen „vom Pflegedienstleister bis zu Anwaltskanzleien“, so Pop.

Bereits im großen Maßstab umgestellt, wird bei den landeseigenen Betrieben. Bei der Berliner Stadtreinigung würden noch in diesem Jahr 75 Prozent der Pkw und Kleintransporter elektrisch betrieben werden, teilte das Unternehmen mit. Auch ein Müllwagen fahre schon mit Strom.

Für die Berliner Wasserbetriebe sind 115 Autos elektrisch unterwegs, teilte ein Sprecher mit. Weitere 34 sollen in diesem Jahr folgen. Und auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben 124 ihrer 429 Dienstfahrzeuge auf Stromantrieb umgestellt. Daneben verkehren derzeit 31 E-Busse in Berlin. Noch in diesem Jahr kämen 107 Busse dazu, so ein BVG-Sprecher. Bis 2030 soll die gesamte Flotte von dann etwa 1900 Bussen elektrisch fahren. Wie überall in der Stadt beim Thema Elektromobilität: Noch ein weiter Weg.