Bildung

Sandra Scheeres will mehr Mathematik an Berlins Schulen

Die Bildungssenatorin will den sogenannten MINT-Unterricht stärken. Bisher sind die Pläne des Senats aber noch wenig konkret.

Sandra Scheeres (SPD), Bildungssenatorin von Berlin.

Sandra Scheeres (SPD), Bildungssenatorin von Berlin.

Foto: dpa

Berlin. Fachleute wie Physiker, Informatiker und Ingenieure werden in Berlin dringend gebraucht. Doch das Interesse an einer solchen Ausbildung im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ist nicht groß. Nur wenige Jugendliche wollen nach dem Schulabschluss diesen Weg einschlagen. Die Senatsbildungsverwaltung will nun mit ihrer neuen Initiative junior1stein gegensteuern.

„Die Berufe im MINT-Bereich bieten gute Karrieremöglichkeiten, und junge Leute können gut davon leben“, sagte Senatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch bei der Präsentation von junior1stein.

„Es geht darum, Begeisterung zu schüren für die MINT-Fächer in der Schule.“ Lehrer müssten diese Begeisterung auf ihre Schüler ausstrahlen. Schon in der Kita könne das Interesse an Naturwissenschaften geweckt werden.

Kitas und Schulen schließen sich zu junior1stein zusammen

Im Rahmen von junior1stein schließen sich fünf bis sieben Bildungseinrichtungen, darunter Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen, zu einem regionalen Verbund zusammen. In diesem Verbund werden sie Ressourcen gemeinsam nutzen, etwa vorhandene Laboratorien und Geräte. Erzieher und Lehrer aus den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichen tauschen sich aus. Gemeinsame Projekte werden initiiert.

Vorgesehen ist auch der Besuch von außerschulischen Lernorten wie dem Helleum in Marzahn und dem Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin Buch. Bildungsangebote für Kinder und für Lehrer, wie etwa bei der gemeinnützigen GmbH Junge Tüftler, sollen stärker genutzt werden.

Nur 15 Prozent wollen im MINT-Bereich studieren

Unterstützung dabei geben Anke Renger und Dimitri Podkaminski vom junior1stein-Management. Sie haben erste Erfahrungen an der Lise-Meitner Schule und dem Schülerforschungszentrum Berlin am Campus Efeuweg in Neukölln gesammelt. „Wir sind seit Jahren in der MINT-Szene in Berlin und Brandenburg aktiv und haben ein starkes Netzwerk“, sagte Dimitri Podkaminski am Mittwoch.

Den Schulen und Kitas im regionalen Verbund sollen Kontakte zu Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen vermittelt werden. Auch beim Akquirieren von Fördermitteln, die für Projekte nötig sind, wollen Podkaminski und Renger helfen. Und bei der Fortbildung für Lehrkräfte.

Einer Studie zufolge könnten sich nur 15 Prozent der Jugendlichen vorstellen, ein Studium oder eine Ausbildung in den MINT-Bereichen zu machen, sagte Anke Renger. Das soll sich ändern. „Es gibt in Berlin viele MINT-Initiativen, die tolle Angebote machen.“

Doch es gebe „ganz viele Schulen und Kitas, die diese Angebote noch nicht nutzen.“ Sie wolle man vor Ort unterstützen und besser vernetzen. „Die MINT-Fächer sollen an die Interessen junger Menschen und an gesellschaftliche Themen angeknüpft werden“, so Renger. Soziale Barrieren müssten überwunden werden. „Allen Kindern soll die Möglichkeit der MINT-Bildung eröffnet werden.“

Land Berlin fördert junior1stein

Jeweils ein regionaler Verbund von Schulen und Kitas wird zunächst in Neukölln, Mitte und Spandau aufgebaut. Start ist voraussichtlich im Sommer. Eine Laufzeit von fünf Jahren ist geplant. Vorgesehen ist, dass 2022 auch in den anderen Bezirken ein Verbund aus Schulen und Kitas gebildet wird.

Langfristiges Ziel ist außerdem, dass ein eigenes Gebäude für junior1stein in Berlin errichtet wird. Finanziert wird junior1stein vom Land. Die Senatsbildungsverwaltung gibt das Geld für eine Stelle und stellt 75.000 Euro für Sachmittel und Honorare zur Verfügung. Die Senatswirtschaftsverwaltung fördert junior1stein in diesem Jahr voraussichtlich mit etwa 50.000 Euro.

Zum Vorhaben sagte Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus: „Interesse für MINT-Fächer kann man nicht verordnen. Es muss vermittelt werden.“ Dazu brauche man Lehrkräfte, die für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern können. Gefragt seien attraktive Arbeitsbedingungen und ein leistungsförderndes Lehr- und Lernumfeld.