Kriminalität

Tatort Schule - Immer mehr Polizeieinsätze

Die Zahl der Polizeieinsätze an Berliner Schulen ist 2019 gestiegen. Die Bildungsverwaltung zweifelt an der Aussagekraft der Daten.

Unterricht in einer Schule. (Archivbild)

Unterricht in einer Schule. (Archivbild)

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Berlin. Genau 4837 Mal gab es im vergangenen Jahr Polizeieinsätze mit „Schule“-Bezug in Berlin. Das sind 440 mehr als im Jahr zuvor, als es nur 4397 waren. Insgesamt steigt die Zahl der Einsätze mit dem Bezug „Schule“ seit Jahren kontinuierlich: Waren es 2015 noch 2330, kam man ein Jahr später schon auf 3315, und 2017 wurden 4274 derartige Einsätze gezählt. Das ergab eine Anfrage des Abgeordneten Mario Czaja, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Berliner CDU, und die Recherche der Berliner Morgenpost.

Hatte die Senatsverwaltung für Inneres dem CDU-Abgeordneten eher knapp auf seine Frage nach „Polizeieinsätzen an Schulen in Berlin“ geantwortet, ging die Pressestelle der Berliner Polizei deutlich ausführlicher auf Nachfragen ein. So fanden 2019 von den 4837 Polizeieinsätzen die größte Zahl im Bereich Grundschule statt – 2230 Einsätze – 1018 im Bereich Sekundar- und Oberschulen, 160 im weitesten Sinne bei Gymnasien und 78 im Bereich Gemeinschaftsschulen. 1351 der Einsätze mit „Schule“-Bezug fallen unter den Bereich „andere“. Das sind rund 28 Prozent. Aber was genau heißt andere?

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Statistik der Berliner Polizei erfasst auch einen Notruf von „Herr Schule“

Offenbar ist der „Katalogbegriff: ,Schule’“ im Polizeicomputer nicht eindeutig definiert. Der Einsatzanlass müsse keinen „direkten Bezug“ zu einer Schule besitzen, heißt es. Verkehrsunfälle, die sich in der Nähe einer Schule oder auf einem Schulweg ereigneten, gehörten auch dazu. Oder wenn das Wort „Schule“ in einer Adresse auftauche. „Ein Beispiel für Letztgenanntes wäre die ,Schulstraße’“, erläutert man bei der Pressestelle der Polizei.

Und auch bei der Senatsverwaltung für Bildung glaubt man, die Zahlen zu den Einsätzen hätten „null Aussagekraft“. Es könne auch sein, dass ein „Herr Schule“ sich bei der Einsatzzentrale melde, um einen Vorfall zu melden. Oder es einen Taschendiebstahl am „Baumschulenweg“ gebe. „Erfasst wird lediglich, dass das Wort oder der Wortbestandteil ,Schule’ gefallen ist“, so Martin Klesmann, Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung.

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Dass der Schulbezug doch häufig direkter ist, zeigen allerdings die Angaben über die Zahl der Einsätze an den einzelnen Schultypen. Allerdings konnte die Polizei nicht sagen, in wie vielen Fällen wiederum auch ein Einsatz wegen eines Gewaltvorfalls in einer Schule vorlag. „Das stellt bei der Anzahl der Daten einen unverhältnismäßig hohen und unzumutbaren Rechercheaufwand dar“, da man dafür auf „händische Auszählung“ zurückgreifen müsse, teilte ein Polizeisprecher mit.

Berliner Polizei versuchte, das Erfassungssystem zu präzisieren

Interessanterweise hatte die Polizei gerade versucht, ihr Erfassungssystem in Bezug auf das Thema Schule zu präzisieren, um „Straftaten an Schulen“ besser erfassen zu können. Seit 2018 war „Schule“ im polizeilichen IT-System POLIKS nur noch ein Oberbegriff, die Beamten waren demnach angehalten, nun den genauen Schultyp als „Tatörtlichkeit“ anzuklicken.

Allerdings habe man feststellen müssen, „dass durch den Wegfall der allgemeinen Bezeichnung ,Schule’ als auswählbaren Katalogbegriff die Erfassungsqualität im Jahr 2018 erheblich gesunken ist“, so die Polizei. Deshalb habe man mit Beginn 2019 wieder den allgemeinen Begriff „Schule (sonstige)“ bei POLIKS zugelassen.

Polizei-Einsätze im Bereich Schule gestiegen

„Straftaten an Schulen müssen klar erfasst werden, um die Schule überall als sicheren Lern- und Lebensort zu schützen“, fordert Mario Czaja nun. Der Anstieg der Einsätze im Bereich Schule betrage aktuell zehn Prozent. „Das ist ein alarmierendes Zeichen.“ Allerdings hat nicht jeder Polizeieinsatz mit einer Straftat zu tun. Die Gründe können vielfältig sein. 118 verschiedene Anlässe für Polizeieinsätze listet die Pressestelle auf – von A wie „Amoklage“ bis Z wie „Zwangseinweisung“. Wie viele davon unmittelbar mit einer Schule zu tun hatten, oder sich nur im Umfeld oder womöglich auch ganz woanders abspielten, bleibt dabei offen.

„Noch ist es nicht so, dass die Berliner Schulen pausenlos Hilfe holen müssen. Das sind sicher Einzelfälle“, meint Astrid-Sabine Busse vom Interessensverband der Berliner Schulleitungen. Auch gibt sie zu bedenken, dass Schulgelände oft auch nachmittags, am Wochenende oder in den Ferien von Vereinen genutzt werden.

Manche Schulen – wie die Spreewald-Grundschule in Schöneberg – haben auf dem Schulhof nach Schulschluss auch mit unerwünschten Besuchern – meist Drogenabhängige – zu kämpfen. Für die häufige Nennung von Grundschulen hat sie auch eine Erklärung: Das seien in Berlin schlicht die meisten Schulen.