Neues Stadion für Hertha

Stadion-Manager Teichert: „Ich bin sehr zuversichtlich“

Stadion-Manager Klaus Teichert über Turbulenzen bei der Standortsuche für ein eigenes Hertha-Stadion.

Fünf Fragen an Klaus Teichert, Geschäftsführer Hertha BSC Stadion GmbH

Klaus Teichert, Geschäftsführer Hertha BSC Stadion, stellt sich den Fragen von Chefreporter Joachim Fahrun.

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Seit fast vier Jahren ist der Berliner Bundesligist Hertha BSC auf der Suche nach einem Standort für ein neues Stadion. Doch das Land drückt auf die Bremse. Berlin möchte Hertha am liebsten im Olympiastadion halten. Über die Schwierigkeiten bei der Grundstückssuche und den Zeitplan für den Bau sprach die Berliner Morgenpost mit dem Geschäftsführer der „Hertha BSC Stadion GmbH“, Klaus Teichert.

Berliner Morgenpost: Herr Teichert, warum dringt Hertha mit dem Wunsch, ein eigenes Stadion zu bauen, in der Stadt nicht so richtig durch?

Klaus Teichert: Ich glaube, dass der Eindruck sich inzwischen verändert hat. Ich gebe Ihnen Recht, dass es am Anfang um die Frage ging, ob wir ein neues Stadion brauchen. Inzwischen verlagert sich die Diskussion auf die Frage, wo es denn gebaut wird. Von daher hat eine Wahrnehmungsänderung stattgefunden, auch wenn das länger gedauert hat, als ich es mir gewünscht hätte.

Aber aus dem Senat, vom Regierenden Bürgermeister oder dem Sportsenator, hat es bislang keine solche Zusage gegeben, oder?

Das stimmt. So weit sind wir noch nicht. Aber wir arbeiten daran, dass es in diesem Halbjahr passiert. Bis zur Sommerpause bräuchten wir eine Zusage, wo wir bauen können. Immerhin hat der Senat von sich aus den Festplatz vorgeschlagen. Das arbeiten wir jetzt gemeinsam ab und sind gespannt, zu welcher Bewertung der Senat kommt. Ich habe registriert, dass der Bezirk Mitte am 19. Dezember dazu einen Beschluss zum Bebauungsplan gefasst hat, bei dem es um Wohnungen und Schule geht.

In wieweit werden die Neubaupläne durch die aktuellen Turbulenzen rund um Jürgen Klinsmann befördert oder behindert?

Tatsächlich hat die Planung eines Stadions keinen Zusammenhang mit der Frage, wer Cheftrainer bei Hertha BSC ist.

Aber eine vertrauensbildende Maßnahme sieht doch anders aus?

Ich glaube, dass die Beteiligten durchaus den sportlichen und den infrastrukturellen Aspekt voneinander trennen können. Dass wir eine neue Infrastruktur brauchen, wird von niemandem in der Politik inzwischen mehr ernsthaft bestritten.

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Da hören wir andere Stimmen, die sagen, warum kann da ein WM-Finale stattfinden, aber Hertha nicht drin spielen?

Ob da jetzt noch ein WM-Finale stattfinden kann, wenn es keine wirklich barrierefreien Sanitäreinrichtungen gibt und das Stadion auch sonst den Anforderungen einer zukunftsfähigen modernen Spielstätte nicht mehr entspricht, ist eine offene Frage. Das Land nimmt jetzt ja noch einmal 70 Millionen Euro in die Hand, um das Stadion zu ertüchtigen. Das fließt nicht alles in WLAN und blaues Licht.

Müsste man die aktuelle Sanierung nicht gleich zusammen mit dem neuen Stadion diskutieren? Wenn im Olympiastadion kein Fußball mehr gespielt wird, bestünde doch eine ganz andere Sanierungsnotwendigkeit?

Das glaube ich nicht. Das Olympiastadion ist zuletzt zwischen 1998 und 2006 ertüchtigt worden. Das ist jetzt auch 20 Jahre her.

Nun schwelt die Diskussion über das neue Stadion schon seit zwei, drei Jahren. Haben Sie auch Fehler gemacht, weil sie mit Ihrer Forderung den Senat vor den Kopf gestoßen haben? Hätte man das eleganter lösen können?

Bestimmt haben wir Fehler gemacht. Allerdings haben wir 2016 erstmals erklärt, dass wir ein eigenes Stadion planen. Seitdem muss dem Land klar sein, dass wir aus diesem Stadion raus wollen. Ob man sich vor den Kopf gestoßen fühlt, weil der Mieter sagt, er will seinen Mietvertrag nicht verlängern, kann ich nicht beurteilen. Wir haben so früh wie möglich gesagt, dass dieses Stadion mittel- bis langfristig nicht mehr unseren Ansprüchen genügt und unser sportliches und wirtschaftliches Weiterkommen hemmt. Nun wird der alte Vermieter vermutlich der neue Grundstücksbesitzer sein.

Hätte man da nicht von Anfang an mehr den Konsens suchen sollen?

Den Konsens suchen wir weiterhin. Wir haben von Beginn an betont, dass wir gemeinsam eine Lösung finden wollen und hatten die Verabredung, dass wir miteinander statt übereinander reden wollen. Irgendwann haben wir dann Dinge über uns gelesen, die wir angeblich getan oder nicht getan haben. Da mussten wir reagieren.

Sie sind ja ein alter Fahrensmann der Berliner Politik und waren Staatssekretär unter Thilo Sarrazin. Ist das ein Vorteil oder Nachteil, weil Sie reservierter behandelt werden als jemand Unbekanntes?

Ich war von 2006 bis 2009 Staatssekretär, jetzt haben wir das Jahr 2020. Viele der damals handelnden Personen sind aus der Politik ausgeschieden. Wenn es da tatsächlich noch Animositäten gibt, die sich so lange gehalten haben, dann kann ich daran auch nichts ändern.

Sie haben 60 Standorte geprüft und haben sich dann für den Olympiapark entschieden. Nun kommt der Senat und sagt, prüft doch nochmal den Festplatz. Fühlen Sie sich da auf die Rolle geschoben?

Vielleicht muss man sehen, warum sich das Land so verhält, wie es sich verhält. Aus meiner Sicht besteht Sorge über die Nachnutzung des Olympiastadions. Wir haben angeboten an einem Nachnutzungskonzept mitzuwirken und sogar eine gemeinsame Betreibergesellschaft zu gründen, weil es uns nicht darum geht, jemandem etwas wegzunehmen, sondern für uns und die Stadt die sportliche Infrastruktur aufzubessern. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass dem Olympiapark ein Fußballstadion gut tut. Der Park benötigt eine Öffnung, der Park ist ja der Öffentlichkeit bis heute immer noch weitgehend unbekannt. Das könnte man ändern, unser Investment wäre da ein Baustein.

Die Nachnutzung des Olympiastadions ist eine Sache, eine andere ist die Flächenkonkurrenz in der Stadt zwischen Wohnen, Gewerbe und Grünflächen. Ist es da nicht verständlich zu sagen, wir wollen lieber Wohnungen bauen, als für Hertha ein Grundstück für das Stadion bereitzustellen?

Wir bauen das Stadion ja selbst. Es kostet dem Land kein Geld. Wir wollen ein Grundstück pachten und einen marktüblichen Pachtzins bezahlen. Wir wollen keine Subventionen und keine Förderung, sondern bauen mit unserem eigenen Geld ein Stadion für 270 Millionen Euro. Davon profitiert das Land.

Was spricht für den Festplatz und was dagegen?

Bei den 60 Standorten, die wir untersucht haben, war auch der Festplatz dabei. Damals ging es aber um die reine Festplatzfläche. Die war zu klein. Jetzt hat der Senat gesagt, wir können auch Flächen rundherum miteinbeziehen. Da passt ein Stadion drauf, inklusive der nötigen Parkplätze. Eines der Hauptprobleme ist dabei die Anbindung des Festplatzes an den öffentlichen Nahverkehr. Nur mit Straßenbahnen wird es nicht funktionieren. Die Anzahl der Besucher ist zu hoch. Man bräuchte eine U-Bahn. Die BVG hat eine Studie dazu vorgelegt. Technisch wäre das möglich. Das ist allerdings kompliziert, sonst hätte man es ja längst gemacht.

Ok, Ihre Skepsis gegenüber dem Festplatz ist offensichtlich. Nochmal zum Olympiapark, wo ein paar Mieter einer Wohnungsgenossenschaft weichen müssten. Ist da das letzte Wort gesprochen?

Grundsätzlich ist der Standort Olympiapark der am besten geeignete. Wir arbeiten weiter daran, an diesem Standort zu bauen. Ich sehe immer Gesprächsmöglichkeiten, bis wir den ersten Spaten in die Erde stechen.

Haben Sie auch da möglicherweise Fehler gemacht – die Mieter klagen darüber, dass über sie, aber nicht mit ihnen gesprochen wurde?

Das ist ein guter Punkt. Wir haben ganz am Anfang mit der Wohnungsbaugenossenschaft, die ja durchaus gesprächsbereit gewesen ist, ein Verfahren vereinbart. Da wir einen Vertrag mit der Genossenschaft schließen müssen und nicht mit 24 Mietparteien, war es der gemeinsame Wunsch, dass die Genossenschaft mit den Mietern und wir mit der Genossenschaft reden. Daran haben wir uns gehalten.

Ist das am Ende eine Geldfrage – bei einer Investition von 270 Millionen Euro kann man doch noch fünf drauflegen und den Mietern ein attraktives Angebot machen?

Das löst das Problem ja nicht wirklich. Wenn die Wohnungen leer sind, können sie ja neu vermietet werden. Für den Abriss von Wohnungen braucht man nach dem Zweckentfremdungsverbotsgesetz eine Genehmigung. Das entscheidet nicht der Mieter sondern das Land.

Im Olympiapark gibt es ja noch weit mehr Platz. Wie sieht es mit dem Maifeld aus? Kommt das auch noch in Frage?

Ich habe mich gefreut über den Vorschlag des Präsidenten des Landessportbundes, Thomas Härtel, die Diskussion um das Maifeld wieder anzustoßen. Es sollte keine Denkverbote geben. Selbstverständlich ist das Maifeld ein geeigneter Standort. Es hat ungefähr 100.000 Quadratmeter Fläche, außer einmal im Jahr Polo und ein paar anderen Veranstaltungen passiert da ja nichts. Für diese Veranstaltungen kann man sicher andere Flächen finden, die haben ja früher auch woanders stattgefunden. Polo und Bogenschießen könnten dann im Olympiastadion stattfinden, weil da ja kein Fußball mehr gespielt wird.

Ist das jetzt Ihr Favorit?

Das Maifeld ist einfach ein sehr gut geeigneter Standort. Er ist verkehrstechnisch fast so gut angeschlossen wie das Gelände vorne an der Rominter Allee, ist sportlich total unterausgelastet und liegt den größten Teil des Jahres brach. Ich könnte mir vorstellen, dass dort unter Würdigung der geschichtlichen Zusammenhänge ein Stadion entstehen kann.

In wieweit ist ihr Zeitplan noch zu halten? Sie wollen 2025 das neue Stadion eröffnen, aber noch immer ist nicht klar, wo?

Ja, wir wollen zum Saisonbeginn 2025/2026 in unserem eigenen Stadion spielen. Die reine Bauzeit beträgt drei Jahre. Einen großen Teil der Zeit beansprucht in der Tat die Standortfrage – und die Schaffung von Baurecht. Das kann man aber noch schaffen.

Haben Sie mit dem Denkmalschutz über das Maifeld gesprochen?

Ja, schon vor längerer Zeit. Das ist kein Selbstläufer. Natürlich sieht der Denkmalschutz zunächst einmal seine Aufgabe darin, das Bestehende zu bewahren. Das muss im politischen Diskurs noch einmal betrachtet werden. Wenn man sich die Reichsparteitagsbauten in Nürnberg ansieht, haben die auch jahrelang brach gelegen und werden inzwischen anderweitig genutzt.

Für den politischen Diskurs des Denkmalschutzes ist Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zuständig. Was sagt der denn dazu?

Die Koalition insgesamt muss letztlich dafür votieren. Da helfen Debattenbeiträge wie von Thomas Härtel natürlich.

Hertha hat ja jetzt mit Lars Windhorst einen offenbar finanzkräftigen Investor. Hilft das bei der Finanzierung des Stadions?

Unsere Pläne für eine eigene Spielstätte haben ja angefangen, bevor es Gespräche mit Herrn Windhorst gab. Unsere Projektfinanzierung für das neue Stadion ist vollkommen unabhängig davon erfolgt. Unsere Rechnung war: Wie viel Miete zahlen wir und zu welchen Konditionen können wir uns am Kapitalmarkt Geld besorgen? Dabei kam heraus, dass wir durch die Eigenfinanzierung nicht mehr bezahlen, als wir für die Miete aufbringen müssen.

Wie viel Miete zahlen Sie derzeit?

Zurzeit mehr als fünf Millionen Euro. Da wir einen Staffelmietvertrag haben, wird das im Laufe der Jahr noch mehr.

Wie optimistisch sind Sie, dass das alles noch klappt?

Sehr. Sowohl für den sportlichen Erfolg als auch die wirtschaftliche Basis ist es für uns ein sehr wichtiges Projekt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser eigenes Stadion bauen und 2025 eröffnen werden.

Und wo, glauben Sie, wird das am Ende sein?

In Berlin.

Zur Person

Der gebürtige Felsburger Klaus Teichert, Jahrgang 1954, hat eine bewegte Biografie. Der gelernte Tischler absolvierte nach dem Fachabitur ein Architekturstudium in Oldenburg, arbeitete als Projektingenieur bei Opel, und war in führender Position bei verschiedenen Unternehmen, unter anderem bei Hochtief Software GmbH, Innovationszentrum Bau GmbH der Investitionsbank Berlin, der BwConsulting GmbH der Bundeswehr sowie der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH tätig. Von 2006 bis 2009 war das frühere SPD-Mitglied Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Finanzen unter Senator Thilo Sarrazin (SPD). Seit Juli 2017 ist er Geschäftsführer der Hertha BSC Stadion GmbH. Teichert ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.