Stadionneubau

Hertha BSC will auf das Berliner Maifeld

Stadion-Manager Klaus Teichert hält den Standort für ein neues Stadion für geeignet. Verhandlungen mit dem Senat.

Fünf Fragen an Klaus Teichert, Geschäftsführer Hertha BSC Stadion GmbH

Klaus Teichert, Geschäftsführer Hertha BSC Stadion, stellt sich den Fragen von Chefreporter Joachim Fahrun.

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Berlin. Nach den Turbulenzen der vergangenen Woche wegen des überraschenden Abgangs des Cheftrainers Jürgen Klinsmann ist Hertha BSC auf gute Neuigkeiten angewiesen. Die eine brachte am Sonnabend der ersehnte Auswärtssieg über Paderborn. Die andere teilte Stadion-Manager Klaus Teichert im Interview mit der Berliner Morgenpost mit.

„Dass wir eine neue Infrastruktur brauchen, wird von niemandem in der Politik mehr ernsthaft bestritten“, sagte Teichert. Dies sei ein deutlicher Fortschritt. Um die festgefahren Fronten beim Wunschstandort des Hauptstadt-Clubs im Olympiapark aufzubrechen, brachte Teichert zudem einen Standort auf dem Gelände wieder neu ins Spiel: das Maifeld.

Das ganze Interview: Stadion-Manager Teichert: „Ich bin sehr zuversichtlich“

„Grundsätzlich ist der Standort Olympiapark der am besten geeignete“, betonte der Stadion-Manager. Hertha arbeite weiter daran, an diesem Standort zu bauen. „Ich sehe immer Gesprächsmöglichkeiten, bis wir den ersten Spaten in die Erde stechen“, so Teichert. Allerdings hatte Sportsenator Andreas Geisel (SPD) diesem Standort eine Absage erteilt. Denn dort, wo das Stadion gebaut werden sollte, stehen Genossenschafts-Häuser mit 24 Wohnungen. Die Genossenschaft hatte im Frühjahr 2019 endgültig abgelehnt, das Grundstück an Hertha BSC zu veräußern.

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Hertha auf dem Maifeld: Bewegung in der Standortsuche

Vor wenigen Monaten war jedoch Bewegung in die Standortsuche gekommen. Der Senat hatte vier Überprüfungen auf dem Flughafengelände in Tegel und in der Nachbarschaft in Auftrag gegeben. Der Verein wertet dies als Zeichen, dass die Notwendigkeit eines reinen Fußballstadions vom Senat nun doch anerkannt wird. Allerdings sei man von den vorgeschlagenen Ersatz-Standorten in Tegel nicht überzeugt – vor allem wegen der fehlenden Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Nachdem der Präsident des Landessportbundes, Thomas Härtel, im Januar in der Berliner Morgenpost die Diskussion um das Maifeld angestoßen hatte, greift Teichert die Idee nun auf. „Es sollte keine Denkverbote geben. Selbstverständlich ist das Maifeld ein geeigneter Standort“, sagte der Stadion-Manager. Es habe ungefähr eine Fläche von 100.000 Quadratmetern, die lediglich einmal im Jahr für Polo und ein paar andere Veranstaltungen genutzt werde, und sei zudem sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen.

„Polo und Bogenschießen könnte dann im Olympiastadion stattfinden, weil da ja kein Fußball mehr gespielt wird“, regte der Geschäftsführer der Stadion GmbH an. Das Maifeld stehe zwar unter Denkmalschutz, aber: „Ich könnte mir vorstellen, dass dort unter Würdigung der geschichtlichen Zusammenhänge ein Stadion entstehen kann“, warb Teichert für den Standort.

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Stadion-Neubau soll das Land kein Geld kosten

Das Maifeld war 1936 fertiggestellt worden und von den Nationalsozialisten als Platz für die Mai-Aufmärsche und andere propagandistische Veranstaltungen vorgesehen. Natürlich sei es Aufgabe des Denkmalschutzes, das Bestehende zu bewahren, räumte Stadion-Manager Teichert ein. Gerade beim Maifeld müsse dies aber im politischen Diskurs noch einmal betrachtet werden. Im März will der Senat erneut zur Standortfrage Stellung nehmen.

Auch zur Finanzierung äußerte sich Teichert, der früher einmal Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen gewesen war. Der Stadion-Neubau koste das Land kein Geld. „Wir wollen ein Grundstück pachten und einen marktüblichen Pachtzins bezahlen“, versicherte Teichert. Hertha BSC benötige keine Subventionen und keine Förderung, sondern baue mit eigenem Geld ein Stadion für rund 270 Millionen Euro. Davon werde auch das Land Berlin profitieren, betonte der Stadion-Manager.

Der Fußballverein hält nach wie vor an den ehrgeizigen Plänen fest, zum Saisonbeginn 2025/2026 in einem eigenen, reinen Fußballstadion zu spielen. Dieses Ziel sei immer noch zu schaffen, sagte Teichert. Die reine Bauzeit für ein Fußballstadion beträgt drei Jahre. Einen großen Teil der Zeit beansprucht dagegen die Standortfrage – und die Schaffung von Baurecht.

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