Bildung

Anmeldeverfahren beginnt: Der beste Weg zur Wunschschule

Wohin nach der Grundschule? An diesem Montag beginnt das Anmeldeverfahren für weiterführende Schulen in Berlin. Infos und Tipps.

Wohin nach der Grundschule? Hier ein Bild aus der neu gebauten ISS Mahlsdorf am Tag der Eröffnung.

Wohin nach der Grundschule? Hier ein Bild aus der neu gebauten ISS Mahlsdorf am Tag der Eröffnung.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Drei Wünsche frei – das klingt fast wie im Märchen. Doch für viele Eltern und Schüler werden genau die drei Lücken, die sie nun nach Belieben füllen dürfen, zum strategischen Alptraum: „Name der zuerst gewünschten Schule (Erstwunsch), Zweitwunsch, Drittwunsch“. Ab 17. Februar entscheidet sich für rund 25.000 Berliner Sechstklässler, wie es nach der Grundschule weitergeht. Sekundarschule mit Oberstufe oder lieber ohne? Gymnasium? Oder doch auf der Gemeinschaftsschule bleiben?

„Wir hätten uns vorher nie träumen lassen, was das für ein Stress ist“, sagt ein Vater, dessen Tochter im Bezirk Pankow eigentlich auf ein Gymnasium wechseln will. Nach der vierten Klasse hatte man den Sprung schon einmal versucht, mit einem 1,0 Durchschnitt auf dem Grundschulzeugnis, dachte die Familie, dürfe das ja kein Problem sein.

Doch der Wechsel scheiterte, für das Mädchen fand sich trotz des perfekten Zeugnisses kein Platz auf dem Pankower Wunschgymnasium – zu viele Bewerber mit höchstem Notendurchschnitt, deshalb entscheidet dann ein Auswahlgespräch und Test. Darauf waren weder Tochter noch Familie vorbereitet. „Wir waren naiv“, sagt der Vater jetzt, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. „Dieses Mal entscheiden wir strategisch.“

Interaktiv: Berliner Schul-Finder - Finden Sie die Wunschschule für Ihr Kind

Mutter macht auf Twitter auf Bildungsmisere in Berlin aufmerksam

Strategisch denken, so lautet auch der Tipp von Sophie Lüttich an Eltern. Sie hat auf Twitter und Instagram den Hashtag „#Schulkrise in Berlin“ eingeführt, unter dem sie und Mitstreiter auf die Bildungsmisere in der Stadt aufmerksam machen.

Hintergrund der Aktion ist eine persönliche Leidensgeschichte: Der Sohn erhielt trotz Förderprognose der Grundschule mit einem Notendurchschnitt von 1,4 keinen Platz auf einer der drei Wunschschulen, die die Familie 2019 angegeben hatte. Der strategische Fehler: An seiner Erstwunschschule lag die Latte für den Notendurchschnitt, ab dem man sicher einen Platz bekam, in dem Jahr höher. Denn 60 Prozent der Plätze werden bei übernachgefragten Schulen nach Noten vergeben.

Auch beim Lostopf hatte er kein Glück; 30 Prozent der Plätze werden ausgelost. Die restlichen zehn Prozent sind für seltene Härtefälle und häufige Geschwisterkinder reserviert. Er ging also bei allen Wunschschulen leer aus. Am Ende wurde dem Friedrichshainer Schüler ein Gymnasium in Charlottenburg zugewiesen. Der tägliche Fahrtweg: fast eine Stunde für jeden Weg. Ist er glücklich und inzwischen angekommen? Nein, sagt Sophie Lüttich ganz klar. Die tägliche Belastung sei einfach zu groß.

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Berlinerin rät: Prüfen, wo der Nachwuchs Chancen hat

Aber was heißt das, strategisch denken? „Man sollte die Sekretariate der Wunschschulen anrufen und geradeheraus fragen, welcher Notendurchschnitt erfahrungsgemäß gebraucht wird, um sicher drin zu sein“, sagt Lüttich. Wer sicher sein will, dass es klappt, sollte eine Schule, wo der Nachwuchs wirklich Chancen hat, nur als Erstwunsch benennen. Denn das Problem ist: Viele begehrte Schulen füllen ihre Plätze allein mit Erstwunschbewerbern. Denn beim Erstwunsch spielt es, anders als beim Zweit- und Drittwunsch, keine Rolle, wo man wohnt; ob im Bezirk oder außerhalb.

Wer also solche überlaufenen Schulen auf den zweiten oder dritten Platz gesetzt hat, wird oft gar nicht mehr bei der Auswahl beachtet. Man ist ja schon Dank der Erstwünsche voll. Im schlimmsten Falle wird man vom Schulamt irgendwohin zugewiesen, Fahrtwege von bis zu einer Stunde sind erlaubt. 90 Prozent der Schüler hätten im vergangenen Schuljahr einen Platz an einer weiterführenden Schule entsprechend ihrem Erst-, Zweit- und Drittwunsch erhalten, hieß es 2019 von der Senatsverwaltung für Bildung. Das heißt aber auch, dass zehn Prozent zugewiesen wurden.

Andrang auf Schulen ist von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich

Denn viele Familien wählen nach anderen Kriterien: Gefiel die Schule dem Kind beim Tag der offenen Tür, liegt sie nah, gehen die Freunde auch dorthin? Entscheidungen mit Herz, aber das zählt bei der Auswahl nicht, sondern allein der Notendurchschnitt – außer der Nachwuchs hat irgendeinen „sonderpädagogischen Förderbedarf“. Andernfalls geht es allein um die Lernleistung. Wie groß der Andrang auf die Schulen ist, ist allerdings von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich. Gerade in kinderreichen Bezirken wie Pankow wird es eng. Dort drängen viele Kinder aus bildungsbürgerlichen Elternhäusern mit Gymnasialerwartung auf viel zu wenige Gymnasiumsplätze.

Schulstadtrat Torsten Kühne (SPD) aus Pankow betont, dass sechs weiterführende Schulen im Bezirk durch modulare Ergänzungsbauten oder Filialen mehr Schulplätze geschaffen hätten und ein Gymnasium (am Europasportpark) neu gegründet wurde. „Weiter werden alle räumlichen Kapazitäten der Schulen ausgereizt, um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern im Bezirk Pankow einen Schulplatz zu Verfügung zu stellen.“

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Pankow plant 24 neue Schulen

Auf lange Sicht seien 24 Schulneubauprojekte geplant, die meisten davon weiterführende Schulen. Denn man wolle auch die Oberschüler des Bezirks in Pankow halten. Er rät davon ab, den Erstwunsch „taktisch“ zu wählen – „es sollte wirklich die gewünschte Schule sein“. In über 90 Prozent der Fälle klappe es ja mit dem Erstwunsch. Allerdings räumt er auch ein, dass die Chancen bei Zweit- und Drittwünschen deutlich schlechter stünden. Einziger Hoffnungsschimmer: Bei diesen werden nur noch die Schüler, die im Bezirk wohnhaft sind, beachtet.

Aus der Senatsverwaltung für Bildung heißt es: „Es gibt wohl kein absolut gerechtes Anmeldeverfahren.“ Aber die meisten Schüler würden so am Ende bei ihrer Wunschschule landen. Bis 2010 galten dagegen noch der Wohnort und die Länge des Schulwegs als Ausschlagkriterium. „Da war der Unmut unter Schülern und Eltern wesentlich größer – die Wahlfreiheit war deutlich eingeschränkter“, sagt Martin Klesmann, Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung.

Anmeldung zur weiterführenden Schule vom 17. Februar bis 26. Februar 2020. Anmeldebogen (original) und Förderprognose wird dafür an der Erstwunschschule abgegeben.