Verkehr in Berlin

Trotz Bedarfs: Senat plant keine Park-and-Ride-Plätze

Auch aktuelle Daten, wie viele Pendler-Parkplätze es überhaupt in Berlin gibt, liegen der Senatsverwaltung nicht vor.

Schild an einem Park and Ride-Parkplatz.

Schild an einem Park and Ride-Parkplatz.

Foto: Jens Wolf / dpa

Hunderttausende Autos fahren täglich durch Berlin. Geht es nach Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) und der rot-rot-grünen Koalition, soll sich das in den nächsten Jahren ändern. Wer in der Hauptstadt unterwegs ist, soll das Vorzugsweise mit dem öffentlichen Nahverkehr, per Fahrrad oder zu Fuß machen. Im Zentrum lässt sich das bewerkstelligen. Wer hingegen am Stadtrand oder in Brandenburg wohnt, für den wird es ungleich komplizierter. Helfen könnten zusätzliche Park-and-Ride-Anlagen (P+R) an Bahnstationen am Stadtrand. Wer von außerhalb kommt, könnte hier das Auto stehenlassen und weiter auf der Schiene ins Zentrum fahren.

Die Senatsverkehrsverwaltung sieht jedoch keinen Anlass für zusätzliche P+R-Flächen in Berlin. „Es bestehen aktuell von Seiten des Senats keine konkreten Planungen für einen Ausbau des P+R-Angebots in Berlin“, teilt Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) auf Anfrage des Abgeordneten Sven Kohlmeier (SPD) mit.

Auch aktuelle Daten, wie viele Pendler-Parkplätze es überhaupt in Berlin gebe, liegen der Senatsverwaltung nicht vor, das Thema sei schließlich Aufgabe der Bezirke. Die letzten gesamtberliner Zahlen stammen von 2013. Damals wurden in Berlin 44 Park-and-Ride-Anlagen erfasst mit rund 5000 Parkplätzen. In Brandenburg gab es zeitgleich an 116 Bahnhöfen Abstellflächen für 22.000 Autos. Seitdem dürfte die Zahl in Berlin eher gesunken sein. Für mehrere Anlagen im Stadtgebiet ist ein Abriss bereits beschlossen. Häufig sollen die Flächen für den Wohnungsbau genutzt werden.

Wohnungsbau konkurriert mit Park-and-Ride-Flächen

Der Platzmangel mache den Bau von Park-and-Ride-Flächen in der Hauptstadt kompliziert. In Berlin selbst sei es schwerer als in Brandenburg, ausreichende und geeignete Flächen in Bahnhofsnähe zu finden, teilte Streese mit. Meist gebe es „konkurrierende höherwertige Nutzungen“, wie den Bau neuer Wohnungen, die dem entgegenständen. Neue P+R-Anlagen sollten daher „möglichst in Brandenburg errichtet werden“. Der Senat stehe deshalb „in engem Austausch“ mit Brandenburg bezüglich des Ausbaus.

Für Kohlmeier gehen die Bemühungen nicht weit genug. Er fordert den Ausbau von Park-and-Ride-Anlagen in Berlin: „Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich Park-and-Ride-Flächen, auch bei mir im Wahlkreis in Kaulsdorf.“ Auch für Pendler aus dem Umland seien Park-und-Ride-Flächen eine gute Möglichkeit, um in die Innenstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Dadurch, so Kohlmeier, gäbe es weniger Stau in der Innenstadt und weniger Emissionen. Der Ausbau sei wichtig, „nicht nur in Kaulsdorf, sondern in ganz Berlin“.