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Statistik

Berlin wächst so langsam wie seit zehn Jahren nicht mehr

Die Bevölkerung nahm 2019 nur noch um ein Prozent zu. Bezirke wie Neukölln und Tempelhof-Schöneberg haben sogar Einwohner verloren.

Ausländer stehen vor dem Landesamt für Einwanderung in Berlin. 777.000 Menschen mit nicht-deutschem Pass leben in der Stadt mit 2,992 Millionen Deutschen.

Foto: Adam Berry / Getty Images

Berlin wächst weiter, aber deutlich langsamer als in den vergangenen Jahren. Die Einwohnerzahl der Hauptstadt nahm 2019 nur noch um ein Prozent zu, wie das Landesamt für Statistik am Freitag berichtete. Das ist die niedrigste Wachstumsrate seit zehn Jahren. In zwei Bezirken, nämlich in Neukölln und Tempelhof-Schöneberg, ging die Einwohnerzahl sogar zurück.

Genau 3.769.495 Personen hatten zum Jahresende 2019 ihren Hauptwohnsitz in Berlin, das waren 21.347 mehr als ein Jahr zuvor. Die Dynamik schwächt sich schon seit einiger Zeit ab. 2018 waren 34.000 Menschen hinzugekommen. Der Höhepunkt war 2016 registriert worden, als auch in Folge der großen Flüchtlingswelle rund 60.000 zusätzliche Einwohner in die Stadt zogen.

Entwicklung liegt im Rahmen der Prognose des Senats

Mit dem Plus von etwas über 21.000 Menschen liegt Berlin im Rahmen der amtlichen Bevölkerungsprognose des Senats. Die mittlere Variante dieser Pläne aus dem Jahr 2016 spricht für 2020 von einem Zuwachs von eben 20.000 Personen. In der Politik wird das sich abschwächende Wachstum zwar registriert, es werde aber nicht zu einer Änderung der Pläne für zusätzliche Wohnungen, Schulen oder Kitas führen.

Auch die Opposition drängt darauf, sich für weiteren Zuwachs zu wappnen. „Alle Großstädte weltweit wachsen“, sagte der Stadtentwicklungsexperte der CDU-Fraktion, Stefan Evers. Niemand dürfe dem „Trugschluss erliegen“, dass das in Berlin anders laufen werde. Zumal man das starke Wachstum der Umlandgemeinden bei der Gesamtbetrachtung der Region berücksichtigen müsse.

Inder sind die Nation mit dem größten Plus an Neu-Berlinern

Ein Trend setzte sich im Vorjahr fort. Während die Zahl der Menschen mit deutschem Pass sinkt, kommen mehr Menschen aus anderen Ländern nach Berlin. Die Statistiker zählten 2019 7526 weniger Deutsche in der Stadt.

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Es ist anzunehmen, dass viele von ihnen nach Brandenburg gezogen sind und pendeln. Ein Indiz dafür, dass diese Menschen in der Region bleiben, ist das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Jobs in Berlin. Diese nehmen schneller zu als die Bevölkerung innerhalb der Stadtgrenzen.

Der Zugewinn an ausländischer Bevölkerung fällt mit einem Plus von 28.873 geringer aus als in den Vorjahren. das Landesamt gibt auch hier eine statistische Bereinigung als einen Grund an. Man habe das Register bereinigt und dabei vor allem EU-Ausländer gestrichen, die die Stadt bereits verlassen, sich aber nicht abgemeldet hatten.

Zahl der Polen in der Stadt sinkt

Beim Zuzug von Ausländern nach Berlin hat sich zuletzt einiges verschoben. Besonders viele Menschen aus Indien haben sich in der Stadt angesiedelt. Ihre Zahl wuchs um 3700 und liegt jetzt bei fast 13.000. Die meisten Inder sind jung, viele studieren an den Berliner Hochschulen. Das gilt auch für Chinesen, deren Zahl auf 13.300 zugenommen hat.

Die Nation mit dem zweitgrößten Plus sind die Syrer mit fast 3600 zusätzlichen Menschen in der Stadt. das dürfte auf die Zusammenführung von früher nach Deutschland geflüchteten Syrern mit ihren Angehörigen zurückzuführen sein. Die Aufnahme eines Studiums und die Familienzusammenführung sind nach Angaben des Landesamtes für Einwanderung die wichtigsten Quellen der Immigration nach Berlin. Dritte Nation mit einem großen Plus ihrer Staatsangehörigen in Berlin ist Russland (+1605). Jetzt leben 26.600 Russen in der Stadt.

Die lange Jahre größte Zuwanderergruppe ist aber offenbar auf dem Rückzug. Die Zahl der Polen ist gesunken, um 1447. Die Polen bleiben aber nach den Türken (98.000) mit 56.000 die zweitgrößte Migranten-Community in der Stadt vor den Bulgaren (knapp 31.000) und den Russen (27.000) und Rumänen (24.000). Insgesamt 284.000 Nicht-Deutsche in Berlin stammen aus den Staaten der Europäischen Union.

Starkes Wachstum in Treptow-Köpenick und Lichtenberg

Die Entwicklung unterscheidet sich erheblich innerhalb der Bezirke und Stadtteile. Dynamisch geht es vor allem in Treptow-Köpenick und Lichtenberg zu, die innerhalb eines Jahres um fast 4000 beziehungsweise 3700 Einwohner wuchsen. Das liegt an den vielen dort lokalisierten Neubauprojekten, aber auch an einem Bevölkerungsaustausch in vielen Neubauquartieren. Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) sagte, in viele Wohnungen, in denen bisher zum Beispiel alleinstehende ältere Frauen gelebt hätten, seien nun Familien mit Kindern gezogen. So ergebe sich ein Mehrbedarf an Schulplätzen, ohne dass es einen Neubau gegeben habe. Pankow wuchs um 2300 Menschen und zählt nun 409.000 Einwohner.

Umgekehrt verläuft die Entwicklung in Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Hier lebten 869 beziehungsweise 445 Menschen weniger als vor einem Jahr.

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