Notfälle

Haus in Wannsee eingestürzt - "Wie ein Bombenangriff"

Nach Bauarbeiten fällt ein Teil eines Hauses in Wannsee zusammen. Verletzt wird niemand. Der Schaden ist immens.

Doppelhaushälfte in Wannsee eingestürzt
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Berlin. Sie saß im Wohnzimmer und wartete. In wenigen Minuten würde ihr Mann nach Hause kommen. Kurz vor zehn Uhr am Donnerstagabend – in Wannsee keine Zeit, zu der noch viel auf den Straßen passiert. Gisela Schmidt bereitete sich langsam auf die Abendruhe vor. Ihr Mann betrat gerade die gemeinsame Wohnung, als es vor der Tür krachte.

Am nächsten Morgen erzählt Gisela Schmidt, während sie an den Trümmern des am Abend eingestürzten Nachbarhauses in der Alsenstraße vorbeiläuft: „Es hat sich angehört wie ein Bombenangriff.“ Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Das Haus ist seit Jahren unbewohnt.

An der Stelle, an der am Donnerstag noch die Hauswand stand, blickt man am Freitagmorgen in den leeren Dachstuhl. Morsche Holzbalken hängen in der Luft und auf dem matschigen Boden sammeln sich Bruchstücke aus Beton. Einzelne Ziegel zieren noch die Ruine des Hauses aus den 1930er-Jahren. Ein Absperrband und drei Bauarbeiter vor der Zufahrt zum Grundstück sichern die Doppelhaushälfte. Sicherheit dürfte hier nur relativ sein.

Wannsee: Das Nachbarhaus musste noch am Abend evakuiert werden

Zwar sagt Marcel Mattick, Pressesprecher des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf, dass keine unmittelbare Gefahr für Menschen bestand und auch weiterhin nicht besteht. Aber nachdem die Hauswand am Donnerstagabend zusammenfiel, hatte ein Statiker der Bauaufsicht auch die andere Haushälfte für unsicher erklärt, weshalb der 83-jährige Bewohner die Nacht bei Nachbarn verbringen musste. Am Morgen zieht er allerdings zurück in seine Wohnung.

Die Ursache des Einsturzes ist auch am Freitagnachmittag noch unklar. Die Polizei kündigt Untersuchungen an. Auf Nachfrage verweisen die Beamten aber auf die Pressestelle des Bezirksamts. Dort kann Marcel Mattick aber noch nichts Konkretes sagen. Detaillierte Informationen könne er frühestens Anfang kommender Woche liefern, so der Behördensprecher.

Und derweil spekulieren die Anwohner. Für sie scheint die Alsenstraße am Freitag eine richtige Attraktion zu sein. Viele haben im Radio von dem eingestürzten Gebäude gehört und nehmen einen kleinen Umweg beim Spaziergang in Kauf, um die zerstörte Haushälfte zu sehen. Eine Frau hat zunächst Angst um die Galerie ein paar Häuser weiter und zeigt sich erleichtert, als es „nur“ das unbewohnte alte Fischerhaus getroffen hat. Eine andere Spaziergängerin vermutet, die gesprengte Bombe von Stahnsdorf vor einigen Tagen hätte den Einsturz ausgelöst. „Da hat hier der ganze Boden gebebt.“ Auf Nachfrage beim Bezirksamt äußert man sich dazu nicht.

Offiziell will niemand über das Haus reden. Hinter vorgehaltener Hand berichteten Anwohner aber, Bauarbeiter hätten am Donnerstag noch eine Grube für den geplanten Neubau auf dem Grundstück ausgehoben. Und tatsächlich hätte der 30er-Jahre-Bau in den Neubau integriert werden sollen: Der Bauherr wollte nach Angaben des Bezirksamts den Dachraum nutzen.

Dafür hätten Dachgauben nach historischem Vorbild gebaut werden sollen, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Den Plänen sei auch zugestimmt worden. Letztlich hätte ein Einfamilienhaus entstehen sollen. Doch aus den Plänen dürfte wohl zunächst nichts werden. Was mit den Überresten des denkmalgeschützten Hauses geschehen soll, ist noch offen.

In der Alsenstraße klettern die Bauarbeiter am Freitag mit einer Motorsäge und einem Stock auf das Dach. Sie stoßen die restlichen Ziegel auf den Boden und sägen den Dachstuhl auseinander, um weitere Einstürze oder herabfallende Teile zu verhindern.

Das alte Fischerhaus in der Alsenstraße oder auch als Büdnerhaus bekannt liegt auf dem Grundstück eines früheren Kolonistenhauses, das 1764 erbaut wurde. Es liegt quasi in dessen Garten und vermittelt heute die charakteristische Hausform der Dorferweiterung des 18. Jahrhunderts. Als Büdner galten in Norddeutschland Hausbesitzer mit einem kleinen ländlichen Anwesen. Die Häuser waren meist nur von der Giebelseite zugänglich. Also von der Seite, die in der Nacht auf Freitag einstürzte. Das Gebäude in der Alsenstraße ist nach Angaben der Feuerwehr allerdings erst in den 1930er-Jahren errichtet worden und erinnert lediglich an diese Zeit und die Büdnertradition.