Olympia-Bewerbung

Berlin für 2032 raus aus dem Olympia-Rennen

Der Deutsche Sportbund setzt ganz auf das Rhein-Ruhr-Gebiet. Für eine Ausrichtung im Jahr 2036 besteht aber weiterhin Hoffnung.

Im Zeichen der Ringe: Berlin muss sich als Gastgeber der Olympischen Spiele mindestens bis 2036 gedulden.

Im Zeichen der Ringe: Berlin muss sich als Gastgeber der Olympischen Spiele mindestens bis 2036 gedulden.

Foto: Laurent Gillieron / dpa

Berlin wird es also nicht – zunächst. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hält die Rhein-Ruhr-Region für den derzeit einzig möglichen Bewerber für die Olympischen Spiele 2032. Eine vom DOSB in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zeichne „ein erfreulich positives Bild“ der Stimmungslage in Rhein-Ruhr und in jeder der beteiligten Kommunen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Nordrhein-Westfalen biete mit dieser Initiative „eindeutig die bessere Ausgangslage als derzeit Berlin“.

Diese Vorentscheidung sei nach intensiven und verschiedenen Analysen gefallen. „Zum einen haben wir das Erbe unserer verschiedenen Bewerbungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten systematisch analysiert“, erklärte Hörmann. Zuletzt war München im Bemühen um die Winterspiele 2018 und 2022 sowie Hamburg um die Sommerspiele 2024 gescheitert.

Außerdem seien die Konzepte analysiert und die Stimmungslage an Rhein und Ruhr sowie an der Spree ermittelt worden.

Olympische Spiele: Für Berlin kommt die Vergabe zu früh

„Fairerweise muss man dazu betonen, dass Rhein-Ruhr bereits einen zwei- bis dreijährigen Prozess hinter sich hat, den Berlin so nicht hatte“, betonte der DOSB-Chef. Zudem sei denkbar, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Sommerspiele in zwölf Jahren schon 2022 vergeben könnte: „Somit reicht nach menschlichem Ermessen und logischer Abwägung die für eine Bewerbung 2032 zur Verfügung stehende Zeit für Berlin nicht mehr aus.“ Die Hauptstadt wäre aber für 2036 oder 2040 „allemal ein interessanter und nahe liegender“ Bewerber.

Formal gesehen habe sich Berlin nie beworben, wie ein Sprecher der Berliner Sportverwaltung betont. „Wir können uns Olympische Spiele 2036 vorstellen, wir können sie uns aber auch 2040 in Berlin vorstellen, weil wir wissen, welche Impulse sportliche Großereignisse für die Entwicklung einer Stadt haben können“, so der Sprecher.

„Olympische Spiele 2036 in Berlin wären 100 Jahre nach dem scheußlichen Missbrauch der olympischen Idee durch die Nationalsozialisten ein wichtiges Zeichen.“ Allerdings würde man sich nur im Verbund mit andern Städten oder Regionen bewerben.

DOSB-Vize Kaweh Niroomand hält 2036 für realistisch

Auch DOSB-Vize Kaweh Niroomand hält eine Kandidatur Berlins 2036 für realistisch, sagte er der Berliner Morgenpost am Mittwoch. Für die Hauptstadt sei der nötige zeitliche Vorlauf einfach nicht da gewesen, so der Manager des deutschen Volleyball-Meisters Berlin Recycling Volleys.

Als problematisch schätze er dabei auch ein, dass die Landesregierung keine einheitliche Position zum Thema hatte. „Es steht auch nicht auf der Agenda“, so Niroomand.

Eine „sehr gute Grundlagenarbeit“ habe hingegen Michael Mronz, Begründer der Initiative „Rhein Ruhr City 2032“, mit der Landesregierung und den beteiligten 14 Städten der Region in den letzten beiden Jahren geleistet, so Alfons Hörmann weiter.

Dem „tragfähigen Konzept“ hätten neben dem Landtag schon etwa die Hälfte der Stadträte zugestimmt. „Auch die erfreulichen Ergebnisse der Forsa-Umfrage lassen den Schluss zu, dass aus heutiger Sicht eine solide Ausgangsbasis für weitere Aktivitäten gegeben sein sollte“, stellte Hörmann fest.

Vorsitzende des Sportausschusses: Eine Bewerbung wäre für Rhein-Ruhr „aussichtsreich“

Für sehr aussichtsreich hält auch die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, die „bemerkenswerte Herangehensweise an das Projekt Olympia-Bewerbung“ der Initiative Rhein-Ruhr für 2032.

„Ich bin zuversichtlich, dass es ein innovatives Konzept ist, das über den Sport hinaus geht, die Menschen überzeugen kann, dass Olympische Spiele über das Sportevent hinaus einen Mehrwert für ihre eigene Lebenswirklichkeit mit sich bringen können“, sagte Dagmar Freitag. „Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der erforderlichen Sportstätten an Rhein und Ruhr ohnehin bereits vorhanden ist“, sagte die SPD-Politikerin.

Im zweiten Quartal 2020 soll sich nach Hörmanns Vorstellungen das DOSB-Präsidium klar positionieren, wie der weitere Fahrplan aussehen kann und welche Grundlagen gegeben sind, „so dass man im zweiten Halbjahr mit NRW in den sehr intensiven Dialog“ gehen könne. Die offizielle Entscheidung über eine Olympia-Kandidatur kann nur von einer Mitgliederversammlung des DOSB getroffen werden. Die nächste wird am 5. Dezember in München stattfinden.

Olympische Spiele 2032: Rhein-Ruhr muss nun Konzept vorlegen

Rhein-Ruhr muss nun das Olympia-Konzept fertigstellen. „Dabei muss insbesondere klar sein, wie die mögliche Finanzierung aussieht“, sagte Hörmann. Dazu gehöre, wie eine konkrete Mittelverteilung zwischen Bund, Land und Kommunen gestaltet werden soll. „Denn gerade das war der wohl entscheidende Punkt auf der Zielgeraden in Hamburg: Es wurde ein erheblicher Mittelbedarf aufgezeigt, aber niemand konnte ganz konkret sagen, wie dieser gedeckt wird.“

Nicht minder wichtig sei die demokratische Legitimation der Bürger für das Großprojekt. „Gerade in den Kernstädten wie zum Beispiel Köln und Düsseldorf brauchen wir eine deutliche Zustimmung, weil das Konzept andernfalls sinnlos und zum Scheitern verurteilt wäre“, sagte Hörmann.

Präsident des Landessportbunds: Berlin ist Deutschlands Sportmetropole Nummer eins

Eine Bewerbung könne nur erfolgreich sein, wenn sie aus der Gesellschaft kommt und von ihr getragen wird, sagt auch Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin. „Das bedarf einer guten und nachhaltigen Vorbereitung.“

Die Hauptstadt sei aus seiner Sicht aber dennoch ein geeigneter Austragungsort: „Berlin kann auf jeden Fall Olympische und Paralympische Spiele ausrichten. Unsere Stadt ist Deutschlands Sportmetropole Nummer eins mit ausgezeichneten Sportstätten, herausragender Erfahrung in der Durchführung von internationalen Sport-Großveranstaltungen und vor allem einer sportbegeisterten Bevölkerung“, so Härtel.

Mit Blick auf eine mögliche Bewerbung für 2036 sehe er für Deutschland eine Chance zu zeigen, wie es sich seit den missbrauchten Spielen durch das Nazi-Regime verändert hat. „In den nächsten Jahren kommen weitere sportliche Großereignisse nach Berlin, auf die wir uns schon freuen, unter anderem die Special Olympics World Games 2023 und die Fußball-EM 2024“, so Härtel.