Einbruch

Diebe stehlen dem Zoll in Berlin fünf Millionen Zigaretten

Aus der Asservatenkammer des Zolls in Berlin haben Unbekannte mehr als fünf Millionen unversteuerte Zigaretten gestohlen.

Aus der Asservatenkammer des Berliner Hauptzollamts in Hohenschönhausen sind rund 5,2 Millionen unversteuerte Zigaretten gestohlen worden (Archivbild).

Aus der Asservatenkammer des Berliner Hauptzollamts in Hohenschönhausen sind rund 5,2 Millionen unversteuerte Zigaretten gestohlen worden (Archivbild).

Foto: dapd / dapd/DAPD

Berlin. Unbekannte haben aus der Asservatenkammer des Berliner Hauptzollamts in Hohenschönhausen rund 5,2 Millionen beschlagnahmte, unversteuerte Zigaretten gestohlen. Das entspricht 26.000 handelsüblichen Stangen mit einem Gesamtgewicht von 3,4 Tonnen.

Der Einbruch sei am Sonntag, dem 26. Januar, bemerkt worden, wie ein Sprecher der Behörde der Berliner Morgenpost am Dienstag auf Anfrage bestätigte. Außerdem ist eine größere Menge beschlagnahmter Wasserpfeifentabak entwendet worden. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich dabei um mehr als eine Tonne. Zur Tabakmenge machte der Sprecher keine näheren Angaben.

Funke-Report: Einsatzort Shisha-Bar
Funke-Report: Einsatzort Shisha-Bar

Asservatenkammer des Berliner Hauptzollamts nicht ausreichend gesichert

Das Zollfahndungsamt ist auf der Suche nach den Tätern. „Aus ermittlungstaktischen Gründen kann ich Ihnen einen aktuellen Stand nicht mitteilen“, sagte der Sprecher. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist die Asservatenkammer des Berliner Hauptzollamts nicht ausreichend gesichert. So soll es keinen dauerhaften Wachschutz und eine veraltete Kamera am Eingang geben. Der Sprecher des Zolls wollte sich dazu nicht äußern, „um mögliche Nachahmer nicht auf den Plan zu rufen“.

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Marcel Luthe, sprach von einem unglaublichen Vorgang und fragte: „Wie kann ein Volumen von mehreren Lkw-Ladungen in aller Seelenruhe aus einem Asservatenlager verschwinden?“ Berlins Kriminelle nähmen den Senat nicht ernst. Der Ermittlungserfolg zur Tabaksteuer-Kriminalität löse sich aus Nachlässigkeit in Rauch auf, monierte der Oppositionspolitiker.

Zoll beschlagnahmte im Dezember 1,1 Tonnen unversteuerten Shisha-Tabaks

Die Menge des nun gestohlenen Wasserpfeifentabaks entspricht in etwa der, die die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Zigaretten (GE Zig) des Zollfahndungs- und des Berliner Landeskriminalamts Anfang Dezember konfiszierten. Damals wurden bei berlinweiten Razzien 1,1 Tonnen unversteuerter Tabak beschlagnahmt.

Verdächtig war eine deutsch-libanesisch-syrische Tätergruppe mit Bezügen zum Clan-Milieu. Ob es sich um denselben Tabak handelt, ist ungewiss. Aufgrund des Steuergeheimnisses könne er keine Auskunft darüber geben, wo und in welchen Zusammenhang das Diebesgut im Vorfeld beschlagnahmt wurde, so der Zollsprecher.

Gewerkschaft: "Schutz vieler Liegenschaften der Berliner Polizei katastrophal"

Im Dezember bezifferte der Zoll den erzielbaren Reingewinn der sichergestellten Menge Tabaks auf mehr als eine Million Euro und den Steuerschaden auf 26.000 Euro. Der liegt im Fall der nun entwendeten Menge Zigaretten deutlich höher bei mehr als einer Million Euro. Denn für jede der 26.000 Stangen hätte der Fiskus im legalen Verkauf 39,20 Euro kassiert.

„Der Diebstahl beim Zoll zeigt leider, dass nicht nur der Schutz vieler Liegenschaften der Berliner Polizei katastrophal ist“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin. „Die verantwortlichen Politiker sollten sich schon fragen, was es für ein Bild ergibt, wenn Sicherheitsbehörden Gegenstände beschlagnahmen, aber es letztlich leicht ist, ihnen diese wieder abzunehmen.“

Jendro weiter: „Jeder kann sich vorstellen, dass die Motivation in den tiefsten Keller rutscht, wenn man monatelang ermittelt, aufwändige Razzien durchführt und sich der Ertrag dann in Luft auslöst.“ Er fordert mehr Personal für den Schutz staatlicher Institutionen. „Das wird nicht jeden Einbruch verhindern, aber es würde im Verbund mit technischen Möglichkeiten derartige Straftaten erschweren.“

Wiederholt dringen Unbefugte auf Polizeigelände ein

Auch wenn der Diebstahl beim Zoll wegen der schieren Menge des Diebesguts seinesgleichen sucht, ist es nicht das erste Mal, dass in Berlin in ein Polizeigelände eingebrochen wurde. Im Juli haben Metalldiebe von einer Baustelle auf einem Polizeigelände an der Cecilienstraße in Biesdorf gleich zweimal mehrere Meter Starkstromkabel gestohlen. Ein weiterer Versuch Anfang Januar scheiterte.

Im Mai 2019 wurden dort zwei beschlagnahmte Fahrzeuge in Brand gesteckt, in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag zwei. Zuvor drangen Unbekannte an Heiligabend auf das Polizeigelände an der Belziger Straße in Schöneberg ein. Nachdem sie von einem Wachmann entdeckt wurden, bedrohten sie ihn und flüchteten.