Sprachkenntnisse

Bezirk stockt Willkommensklassen auf

An den Schulen fehlen Deutsch-Lerngruppen. Der Unterricht soll Ende Februar nun doch beginnen.

Es fehlen Plätze sowohl für Grund- als auch für Schüler weiterführender Schulen.

Es fehlen Plätze sowohl für Grund- als auch für Schüler weiterführender Schulen.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Anfang Januar wurde bekannt, dass sieben Lerngruppen für Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse in Tempelhof-Schöneberg fehlen. Das Defizit wurde öffentlich, nachdem bekannt wurde, dass das Bezirksamt mit einem Brandbrief an die Schulen um Hilfe bat. Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD) stellte in Aussicht, dass der Unterricht Ende Februar aufgenommen werden kann.

Im Dezember vergangenen Jahres war klar geworden, dass der Bedarf an Lerngruppenplätzen, in denen vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache lernen sollen, nicht ausreichen werde. 86 Plätze fehlen. Der Vorwurf in der Sondersitzung der Bezirksverordnetenversammlung in dieser Woche fiel scharf aus. Die CDU-Fraktion Tempelhof-Schöneberg hatte eine große Anfrage zum „Notstand bei der Beschulung von Kindern und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse in unserem Bezirk“ gestellt. Ralf Olschewski (CDU) sprach sogar von einem „politischen Skandal“.

Willkommensklassen: Sieben Schulen je eine Lerngruppe bereit

Man habe inzwischen sieben Schulen im Bezirk dafür gewinnen können, die fehlenden Lerngruppen einzurichten. Dies sei freiwillig für die Lehrstätten. Damit ergebe sich nun Platz für 87 Schülerinnen und Schüler. Das zusätzlich benötigte Personal dafür müsse durch die Schulaufsicht, also den Berliner Senat, zunächst akquiriert werden, so Stadtrat Schworck. Bis zum 12. Februar will der Senat die Personalsuche nach eigener Aussage beendet haben.

Als das Thema der Lerngruppen im Schulausschuss im Dezember angesprochen wurde, gab es noch keine Hinweise, dass mehr als die in den 51 existierenden Lerngruppen verfügbaren Plätze benötigt werden würden, erklärten sich Schworck und Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) in der BVV-Sondersitzung. Der Bedarf sei überraschend durch den Umzug von etwa 130 Menschen, vor allem Familien, in den Bezirk Tempelhof-Schöneberg gestiegen.

Dieser sei vor allem mit der Schließung der Geflüchtetenunterkunft an der Kreuzberger Stresemannstraße zu begründen. Sie sind in den Gemeinschaftsunterkünften Colditzstraße, Großbeerenstraße und Niedstraße untergekommen. Der regionale Bedarf könne sich immer wieder durch Umzüge zwischen den Bezirken ändern, gab Schworck zu bedenken.

Für den Bezirk sei die Info zum erhöhten Bedarf zu spät gekommen

„Wir bekommen die Info darüber, wann Menschen wohinziehen oft erst, wenn sie schon da sind“, verteidigte Angelika Schöttler ihr Bezirksamt. So sei es auch in diesem Fall gewesen. Für den Bezirk blieb so keinerlei Zeit, Lerngruppen zu organisieren. Auch die Info darüber, dass die Unterkunft geschlossen werde, habe „den Bezirk nicht erreicht“, so Schworck. Man wolle nun prüfen, wie es zu diesem Informationsstau kommen konnte. Stadtrat Schworck lenkte ein und sagte: „Wir hatten die Lerngruppen zurückgebaut – und davon offensichtlich zu viele.“

Carolin Behrenwald (Die Linke), Bezirksverordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Integration, wollte dies so nicht stehen lassen: „Aus dem Integrationsausschuss hätten Sie gewusst, dass viele Frauen und Kinder im Bezirk leben, die dieses Angebot brauchen.“

Willkommensklassen: Bezirk fordert Überarbeitung des Konzepts

Zum Schuljahr 2019/20 waren auf Antrag der Schulen und in Abstimmung mit dem Schulamt zwei Lerngruppen geschlossen worden. Zwei weitere wurden von Schulleitungen ohne Abstimmung geschlossen. Und für zwei weitere fehlte dauerhaft das Personal, so Schworck. Dass dies kein angemessenes Vorgehen sei, sehe man ein. Der Bezirk habe sich deshalb beim Senat dafür eingesetzt, dass das Konzept überarbeitet werde. „Der bisherige Ansatz der temporären Lerngruppen bereitet im Zuge der stetig steigenden Schülerzahlen, vollen Klassen und knapper werdenden Raumressourcen zunehmend Schwierigkeiten bei der Integration der Schülerinnen und Schülern aus den sogenannten Willkommens- in Regelklassen“, sagt Schworck.