Obstmesse in Berlin

Fruit Logistica: Besucher müssen den Corona-Check machen

Wer zur Fruit Logistica will, muss zuerst Fragen beantworten. Besuchern, die zu einer Risikogruppe gehören, wird der Zugang verwehrt.

Foto: privat

Berlin. Die Angst vor dem Coronavirus beherrscht auch die weltgrößte Obst- und Gemüsemesse Fruit Logistica in Berlin. Jeder Besucher, der die Veranstaltung besuchen will, muss einen der Handzettel ausfüllen, die an den Eingängen des Messegeländes verteilt werden.

Auf dem in englischer Sprache verfassten Zettel wird abgefragt, ob man in den vergangenen 14 Tagen in der chinesischen Provinz Hubei, in der sich das Virus hauptsächlich verbreitet hat, unterwegs war. Auch müssen Besucher darüber Auskunft geben, ob sie Kontakt zu Menschen hatten, die sich nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt haben, oder sie unter Symptomen wie Fieber, Husten oder Atemnot leiden.

Wer eine der Fragen mit „Ja“ beantwortet oder diese gar nicht beantwortet, dem wird der Zugang zur Messe verwehrt. Die Maßnahmen seien mit dem Gesundheitsamt des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf abgestimmt, heißt es auf dem Zettel.

Coronavirus hat negative Auswirkungen auf die Fruit Logistica

Die Furcht vor der Verbreitung des neuartigen Coronavirus hat auch Folgen für Unternehmen, Veranstaltungen und die Tourismuswirtschaft in Berlin. Ein Sprecher der Messe Berlin sagte auf Anfrage der Berliner Morgenpost, bei der Messe Fruit Logistica, die an diesem Mittwoch beginnt, sei mit „einer deutlich geringeren Zahl an chinesischen Ausstellern und Fachbesuchern als in den Jahren zuvor“ zu rechnen.

„Angesichts der Flugbeschränkungen haben zum jetzigen Zeitpunkt bereits 50 Prozent der Aussteller ihren Messebesuch abgesagt“, sagte der Sprecher weiter. Laut Ausstellerkatalog der Messe hatten sich zuvor 62 Unternehmen aus China für die Leistungsschau der internationalen Frischfruchtbranche angemeldet. Insgesamt nehmen rund 3200 Aussteller teil.

Messe Berlin: Höhere Hygiene-Standards bei der Obstmesse

Für die Fruit Logistica hat die Messe nach eigenen Angaben die hygienischen Standards noch einmal erhöht: An allen Eingängen und in den Toiletten sollen den Gästen Handdesinfektionsmittel zur Verfügung stehen. Zudem sollen stark frequentierte Bereiche wie Eingänge, Türgriffe, Rolltreppenläufe öfter gereinigt werden.

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Welche Folgen die Viruskrankheit für die Anfang März in Berlin stattfindende Internationale Tourismusbörse ITB hat, war noch nicht abzusehen. Nach Angaben der Berliner Tourismusgesellschaft „Visit Berlin“ habe bislang lediglich eine zehnköpfige Delegation aus China ihre geplante Reise zur ITB nach Berlin abgesagt. China hat im Kampf gegen das Virus Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt und auch Reisebeschränkungen ausgesprochen. Zahlreiche europäische Fluglinien haben darüber hinaus die Direktverbindungen zwischen Europa und China eingestellt. Chinesische Airlines fliegen derzeit aber noch Europa an. Auch die Gesellschaft Hainan hält weiter an ihrer Verbindung nach Berlin-Tegel fest.

Tourismuswirtschaft rechnet mit weniger chinesischen Gästen in Berlin

Wegen der sinkenden Gästeankünfte aus China rechnet auch die Berliner Tourismuswirtschaft mit Einbußen: Im Januar und Februar des vergangenen Jahres hatten noch 14.364 Gäste aus China und Hongkong die deutsche Hauptstadt besucht. Hotels und Pensionen hatten damals durch die Touristen aus dem asiatischen Großreich 36.930 Übernachtungen verbuchen können. „Die Zahl wird deutlich zurückgehen“, sagte Ralf Ostendorf, der bei „Visit Berlin“ für den chinesischen Markt verantwortlich ist.

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Nach seinen Angaben sind bislang wegen des Coronavirus und der verhängten Reisebeschränkungen zwei Drittel aller Reisen von Chinesen auf den europäischen Kontinent storniert worden. In der Summe beträfe das rund 177.000 Buchungen. Die Zeit bis Ende Januar gilt wegen des chinesischen Neujahrsfest für gewöhnlich als Hauptreisezeit in der Volksrepublik.

Nach Angaben des Handelsverbands Berlin-Brandenburg lassen sich bislang noch keine Umsatzverluste wegen ausbleibender China-Touristen in Berlin beziffern. „Wir gehen jedoch davon aus, dass die Reisebeschränkungen auch zu weniger Besuchern führen werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Nils Busch-Petersen.

Optik-Spezialist Berliner Glas aus Neukölln lässt Werk in China geschlossen

Für erste Firmen aus Berlin hat der Ausbruch des Coronavirus allerdings bereits Konsequenzen. Das Neuköllner Unternehmen Berliner Glas teilte am Montag auf Morgenpost-Anfrage mit, die Produktion im firmeneigenen Werk in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei, werde vorerst ausgesetzt. „Der Standort bleibt weiterhin geschlossen, um unsere Kolleginnen und Kollegen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen“, so eine Sprecherin.

Wuhan in Zentralchina gilt als Ursprungsort des Coronavirus. Wegen des Ausbruchs der Pandemie hatte Berliner Glas die dortigen Mitarbeiter bereits vier Tage früher in den Urlaub anlässlich des chinesischen Neujahrsfests geschickt. Zudem seien Schutzmaßnahmen für die Belegschaft getroffen worden. Dazu habe etwa das Messen der Körpertemperatur sowie das Bereitstellen von Atemschutzmasken gehört, so die Sprecherin. Berliner Glas beschäftigt an dem Standort 102 Mitarbeiter. Vor allem Mess- und Medizintechnik wird dort montiert. Zu den möglichen Folgen des derzeitigen Produktionsstopps wollte das Unternehmen keine Angaben machen. Auch Airbus hat inzwischen seine Produktion in China wegen des Coronavirus' gestoppt.

Mehrere Berliner Segler sitzen zurzeit in China wegen des Coronavirus fest. Segler Daniel Göttlich ist mie einem Teamkollegen in China im Trainingslager. Verfolgen Sie alle Nachrichten über das Coronavirus und den Ausbruch in China in unserem Newsblog.