Messe

Fruit Logistica zeigt Ideen für Belieferung nach Brexit

Die Fruit Logistica zeigt Innovationen rund um Obst- und Gemüseanbau. Was der britische EU-Austritts für die Fachmesse bedeutet.

Die Fruit Logistica findet seit 27 Jahren in Berlin statt und zeigt Innovationen der Lebensmittelbranche.

Die Fruit Logistica findet seit 27 Jahren in Berlin statt und zeigt Innovationen der Lebensmittelbranche.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. An diesem Mittwoch startet auf dem Messegelände unterm Funkturm wieder die Fruit Logistica, die größte Fachmesse für Saatgutproduzenten, Anbautechniker und den Lebensmitteleinzelhandel. Insgesamt knapp 80.000 Besucher zieht die Messe, die hier seit 1993 jedes Jahr stattfindet, im Durchschnitt an.

An mehr als 3200 Ständen können sich Beschäftigte der Lebensmittelbranche an drei Tagen über Trends und Innovationen rund um den Anbau und Transport von Obst und Gemüse austauschen. Und: Das Who’s who der Obst- und Gemüsebranche ist natürlich sehr international: Aus rund 90 verschiedenen Ländern werden Aussteller erwartet, die ihre Produkte vorstellen wollen.

Wie schon in den vergangenen Jahren stehen auch 2020 wieder Innovationen bei Verpackungen im Mittelpunkt. Dabei haben sich etliche Unternehmen das Ziel auf die Fahne geschrieben, Verpackungen dort zu vermeiden, wo es möglich ist. Und wo das eben nicht geht, sollen Salat, Pilze, Beeren und Co. zumindest nachhaltig verpackt werden. Um die Umweltbelastung möglichst gering zu halten. So zeigt ein Unternehmen auf der Messe zum Beispiel einen Gittersack, der aus Baumwolle hergestellt wird und somit vollständig biologisch abbaubar ist.

Bis jetzt werden Zwiebeln und Kartoffeln meist in solchen Säcken aus Plastik verkauft. Der italienischer Marktführer für frisch geschnittenen Salat präsentiert in Berlin hingegen eine neue Salatbox. Eine Portion Salat in der Mittagspause wird, geht es nach den Italienern, zukünftig also in einer Box gekauft, die zu 30 Prozent aus recyceltem PET stammt; außerdem könne die Schale wiederverwendet werden und sei vollständig recycelbar, so die Hersteller.

Recyclebare Verpackungen für Preis nominiert

Mehrere neue und umweltverträgliche Verpackungen sind sogar für den Fruit Logistica Innovation Award nominiert, der die beste Innovation in der Obst- und Gemüsebranche kürt. So zum Beispiel ein kleines Etikett, das man auf einen Apfel kleben kann. Eines, so verspricht es der Hersteller, das sich in zwölf Wochen selbst auflöst und in 180 Tagen biologisch abgebaut sein soll.

Ein bestimmendes Thema auf der Fachmesse wird zudem der eben vollzogene Brexit sein. Denn Großbritannien ist für Händler ein wichtiger Markt. Nach Deutschland ist die Insel der zweitgrößte Importeur von Obst und Gemüse in der Europäischen Union. Rund 6,5 Millionen Tonnen Früchte kaufen britische Händler jährlich im Ausland – denn das Land kann seinen Obstbedarf nur zu 16 Prozent selbst abdecken.

Die Befürchtung der Branche: Der Brexit könnte die Einfuhr von Lebensmitteln künftig deutlich erschweren. Mehrere Unternehmen stellen daher auf der Fruit Logistica Innovationen im Bereich Lagerung und Transport vor. Schließlich soll das Obst und Gemüse bei den Briten frisch ankommen – auch wenn es vielleicht künftig etwas länger unterwegs sein könnte.

Nachhaltigkeit, Bio und Fairtrade in einem

Frisches Obst und Gemüse wird es auf der Fachmesse indes zuhauf geben. So stellt ein italienischer Ananashersteller seine neueste Sorte vor. Die Bio-Frucht sei kleiner und länglicher als andere Sorten, verspricht er, und man könne sogar das Herzstück der Frucht, das bei anderen Sorten oft holzig sei, mitessen. Außerdem würde die Ananas im westafrikanischen Togo von 1300 jungen Landwirten, davon einem Drittel Frauen, in ökologischer Landwirtschaft angebaut. Die Arbeiter würden für ihre Ananasse ein Dreifaches des lokalen Preises bezahlt bekommen – Nachhaltigkeit, Bio und Fairtrade in einem.

Für den Fruit Logistica Innovation Award sind ebenfalls einige neu gezüchtete Obst- und Gemüsesorten nominiert. Zum Beispiel lila Brokkoli, der seine exotische Farbe durch die Kreuzung mit chinesischem Grünkohl erhält. Oder dunkelviolette Tomaten mit „einzigartigem säuerlich-süßem Umami-Geschmack“, wie der Züchter erklärt.

71 Prozent der Deutschen essen jeden Tag Obst und Gemüse

Die Lust der Deutschen auf Obst und Gemüse ist unersättlich. Laut dem Ernährungsreport 2019 essen 71 Prozent der Bundesbürger täglich Obst und Gemüse. Zum Vergleich: Nur 28 Prozent der Befragten gaben an, täglich Fleisch zu essen. Milchprodukte wie Joghurt oder Käse stehen bei fast zwei Drittel der Kunden täglich auf dem Speiseplan. Dem Ernährungsreport zufolge kochen übrigens 40 Prozent der Deutschen jeden Tag, weitere 37 Prozent stellen sich mehrmals pro Woche an den Herd. Nur jeder Zehnte kocht nie.

Außerdem ein großes Thema bei deutschen Essern: Die Gesundheit. 91 Prozent sagten, dass ihnen das bei ihren Mahlzeiten wichtig sei. Doch bei all dem Bewusstsein für Gesundheit und Nachhaltigkeit landen pro Bundesbürger jedes Jahr durchschnittlich 55 Kilogramm Essen im Müll.

Lebensmittel in der Tonne – genau das will die Fruit Logistica vermeiden. Und spendet das Obst und Gemüse, das auf der Messe ausgestellt wird, an die Berliner Tafel. Rund 350 Ehrenamtliche eilen zum Messeschluss, ausgestattet mit Kisten, Hubwagen und Eimern, in die Messehallen und verladen rund 100 Tonnen Obst und Gemüse in bereitstehenden Lkw.

Anschließend werden die Lebensmittel übers Wochenende in einer separaten Halle sortiert, schnell Verderbliches wird sofort zu sozialen Einrichtungen gebracht. Alles andere wird dann im Lauf der Woche verteilt – oder zu Marmeladen und Chutneys eingekocht.