Abgeordnetenhaus

Hindenburg wird von Berlins Ehrenbürgerliste gestrichen

Paul von Hindenburg ist nicht mehr Ehrenbürger von Berlin. Dieser hatte Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt.

Die Aufnahme zeigt den Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.

Die Aufnahme zeigt den Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.

Foto: dpa

Berlin. Der ehemalige Reichspräsident Paul von Hindenburg wird von der Ehrenbürgerliste Berlins gestrichen. Das hat das Abgeordnetenhaus am Donnerstag mit der Mehrheit von Rot-Rot-Grün bei seiner Plenarsitzung beschlossen. Die drei Regierungsfraktionen hatten den Antrag eingebracht, Hindenburg die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Regina Kittler (Linke) erinnerte daran, dass Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler berufen habe. Er habe dazu beigetragen, die Demokratie in Deutschland zu zerstören und der Diktatur den Weg zu ebnen. "Die Zeit, in der wir leben, erfordert wieder ein Aufstehen für Demokratie", sagte Kittler. "Das schließt die konsequente Verurteilung von Tätern ein. Und Hindenburg war Täter."

Paul von Hindenburg kein Ehrenbürger Berlins mehr: Kritik von CDU

Robbin Juhnke von der CDU lehnte diese "ahistorische Sichtweise" auf Hindenburg ab. Hindenburg sei zweimal in freier Wahl zum Reichspräsidenten gewählt worden, beim zweiten Mal mit Unterstützung der SPD. Er sei zwar eine historische umstrittene Figur, es sei aber falsch, ihm die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Hindenburg war am 20. April 1933 Ehrenbürger Berlins geworden, am gleichen Tag wie Adolf Hitler. Dem Nazi-Diktator wurde die Ehrenbürgerschaft im Dezember 1948 aberkannt.

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1813 verlieh Berlin die erste Ehrenbürgerwürde

Seit 1813 wurden Menschen ehrenhalber zu Bürger Berlins gemacht, aktuell umfasst die Liste 121 Personen. Unter den Ehrenbürgern sind zahlreiche Politiker sowie Künstler, Wissenschaftler, Unternehmer und weitere Personen der Zeitgeschichte. Otto von Bismarck, Theodor Heuss, Michail Gorbatschow, Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble stehen auf der Liste, ebenso Heinrich Zille, Marlene Dietrich, Herbert von Karajan, Rudolf Ludwig Karl Virchow und Werner Otto.

Die erste Ehrenbürgerwürde verlieh Berlin im Juli 1813 Conrad Gottlieb Ribbeck, er war Oberkonsistorialrat und Propst zu Berlin. Adolf Hitler wurde die Ehrenbürgerwürde 1933 verliehen und 1948 aberkannt. Gleichzeitig wurden Hermann Göring, Joseph Goebbels und Wilhelm Frick von der Liste gestrichen.

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