Nord-Süd-Verbindung

S-Bahnlinie S21: Bundestag gibt Bedenken gegen Strecke auf

Nach langem Streit gibt der Bundestag seine Bedenken gegen die neue S-Bahnlinie S21 im Untergrund auf. Die Bahn kann nun weiter planen.

Die S-Bahnlinie S21 soll die zweite Nord-Süd-Verbindung im Berliner Untergrund werden (Symbol).

Die S-Bahnlinie S21 soll die zweite Nord-Süd-Verbindung im Berliner Untergrund werden (Symbol).

Foto: Thilo Rückeis TSP / picture-alliance

Beim Bau der neuen Berliner City-S-Bahnlinie S21 ist nun auch offiziell der Durchbruch erzielt worden. In der Sitzung der Bau- und Raumkommission des Bundestags gaben die Bundestagsabgeordneten am Mittwochabend ihre Bedenken gegen den Verlauf der neuen S-Bahnstrecke im Untergrund am Reichstag auf. Zuvor hatte die Deutsche Bahn (DB) den Parlamentariern ihre überarbeiteten Pläne für die künftige Nord-Süd-Verbindung unterhalb der Berliner Innenstadt präsentiert.

„Die Bedenken des Bundestages hinsichtlich der Statik des Reichstagsgebäudes konnten endlich ausgeräumt werden“, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) nach der Sitzung. Zur Einigung zwischen Bahn und Bundestagsverwaltung war es auf informeller Ebene schon Ende Dezember gekommen. Mit der Sitzung am Mittwoch ist der Streitpunkt nun auch offiziell ausgeräumt worden. Damit ist der Weg endlich frei für den Bau eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte Berlins. Zuvor hatte die Frage der Trassenführung im Untergrund unter dem Regierungsviertel die Planungen verzögert. „Mit der Zustimmung der Baukommission des Ältestenrates haben wir jetzt die Möglichkeit, zügig weiter zu planen und zukünftig die baulichen Vorleistungen zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor aus den dreißiger Jahren zu nutzen“, sagte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für das Land Berlin.

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Die Bahn plant, den Parlamentsbau mit zwei Teilröhren von beiden Seiten zu umfahren. Die östliche soll unter dem Friedrich-Ebert-Platz verlaufen. Auf westlicher Seite soll das Gleis unter dem Platz der Republik Richtung Brandenburger Tor führen. Doch den Parlamentariern lag dieser Arm zu nahe am Reichstagsgebäude. Sie sahen die Standfestigkeit des historischen Baus bedroht. Die statische Sicherheit sei nun gewährleistet, teilte die Deutsche Bahn mit. Die Röhre wird dafür mindestens 13,5 Meter vom Fundament des Reichstags entfernt verlaufen. Der parlamentarische Betrieb könne somit „ohne wesentliche Einschränkungen fortgesetzt werden“.

In den neuen Plänen macht der westliche Tunnelteil dafür einen weiteren Bogen um den Sitz des Bundestags. Die Variante ermöglicht es den Planern dennoch vor dem Brandenburger Tor auf einen schon seit den Dreißigerjahren bestehenden S-Bahntunnel, den sogenannten „Heuboden“, zu treffen. Dieser Punkt war für die Deutsche Bahn entscheidend. Andernfalls wären Kosten und Planungszeit explodiert.

Strecke zum Hauptbahnhof geht erst 2021 in Betrieb

Mit der einvernehmlichen Lösung zum Streckenverlauf habe die neue Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn „eine wesentliche Hürde genommen“, sagte Berlins Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne). „Die S 21 ist für Berlin ein sehr wichtiges Projekt, das die innerstädtischen Verkehrsadern spürbar entlasten wird.“ Die Strecke für das Großprojekt S21 soll vom Gesundbrunnen über Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und Gleisdreieck zu den S-Bahnhöfen an der Yorckstraße führen. Damit soll die Kapazität auf der stark ausgelasteten Nord-Süd-Verbindung vergrößert werden. Ursprünglich sollte der zweite Bauabschnitt vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz 2030 in Betrieb gehen. Nach aktuellen Prognosen der Senatsverkehrsverwaltung rollen die Züge wohl erst 2035, dann soll auch der dritte Bauabschnitt bis zur Yorckstraße eröffnen. Für 2021 ist zunächst die Vorbereitung der Planfeststellung vorgesehen, heißt es auf der Informationsseite der DB.

Später als gedacht können auch erst S-Bahnen auf dem ersten Bauabschnitt der S21-Trasse rollen. Die ersten ersten Züge auf der Stummelverbindung zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof sollen demnach „im Sommer 2021“ fahren, teilte die Bahn mit. Grund dafür sei unter anderem der „schwierige Baugrund“, wie ein Bahnsprecher auf Anfrage mitteilte. Zuvor sollte der 2020 erfolgen. Allerdings hatte das Unternehmen zuletzt durchblicken lassen, den Termin nicht halten zu können. Beschlossen ist auch weiterhin nicht der Bau des S-Bahnhofs Perleberger Brücke. Noch immer fehlt die dafür nötige Nutzen-Kosten-Analyse der Verkehrsverwaltung. Damit „kein Verzug im Gesamtprojekt auftritt“ hätten sich Verkehrsverwaltung und Bahn dazu entschieden, schon jetzt Vorsorgemaßnahmen für die neue Station einzuleiten, sagte der Bahnbevollmächtigte Kaczmarek.