Nahverkehr

BVG verbaut Sitzbänke mit Armlehnen - schon gibt es Kritik

Ältere Fahrgäste begrüßen die Aufstehhilfe – doch es gibt Kritik an den Umbauten, denn Obdachlose können hier nicht mehr schlafen.

Jutta Billet (80) findet die neuen Armlehnen an den Wartebänken gut.

Jutta Billet (80) findet die neuen Armlehnen an den Wartebänken gut.

Foto: Uta Keseling / BM

Berlin. Mehr Sicherheitspersonal und neue Sitzbänke mit Armlehnen – mit diesen Maßnahmen wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Sicherheit und den Komfort in ihren U-Bahnhöfen erhöhen. Um den Drogenhandel einzudämmen, sei vermehrt Sicherheitspersonal gemeinsam mit Polizeistreifen auf den Linien U7 und U8 im Einsatz, sagt BVG-Sprecherin Petra Nelken.

Fahrgäste, aber auch Bezirkspolitiker aus Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg hatten zuletzt immer wieder den ausufernden Drogenhandel in Zügen und auf Bahnhöfen in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln beklagt. „Wir sind vor Ort, um Drogenhandel zu unterbinden und Präsenz zu zeigen“, so Nelken. Dabei arbeite man mit der Polizei und den Bezirken zusammen. Rund 260 Sicherheitsleute seien derzeit rund um die Uhr allein für die BVG unterwegs, „und wir werden weitere einstellen“. Besonders „belastete“ Bahnhöfe würden zudem öfter gereinigt.

Kritik gibt es an einer Neuerung, die derzeit auf U-Bahnhöfen und an Tramhaltestellen eingeführt wird: Armlehnen an den Sitzbänken. „Überall in Berlin baut die BVG Sitzbänke so um, dass Obdachlose darauf nicht mehr schlafen können und vertrieben werden“, schrieb zum Beispiel Taylan Kurt, sozialpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in der BVV Mitte, vergangene Woche auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Dazu zeigte er das Bild einer Sitzbank mit Armlehne im U-Bahnhof Turmstraße in Moabit. Das Argument der BVG, Kunden wollten es so, hält er für vorgeschoben.

BVG-Sprecherin Nelken bestätigt: „Wo Bahnhöfe saniert oder die herkömmlichen Holzbänke verschlissen sind, werden Metallsitze mit Armlehnen eingebaut.“ Dies geschehe auf Wunsch von Fahrgästen, die bei einer Befragung für abgetrennte Sitzgelegenheiten votiert hätten. „Für ältere Menschen sind die Armlehnen zudem eine gute Aufstehhilfe.“ Die Armlehnen seien bisher in zehn von insgesamt 174 U-Bahnhöfen verbaut, so Nelken. Auch an Straßenbahnhaltestellen gebe es ähnliche Sitzgelegenheiten, etwa am Alexanderplatz.

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BVG will keine Obdachlosen vertreiben, heißt es

Am Bahnhof Gesundbrunnen haben sämtliche Wartebänke Armlehnen. Allerdings hat nicht jeder Sitzplatz eine, sondern nur jeder zweite oder dritte, was tatsächlich zumindest Fragen aufwirft. BVG-Kundin Jutta Billet ist 80 Jahre alt und findet die Armlehnen gut: „Sie helfen beim Aufstehen, gerade, wenn man es wie ich am Rücken hat.“

Nelken versichert, die BVG vertreibe keine Obdachlosen. Der Vorwurf kam auch deshalb auf, weil seit diesem Winter keine „Kältebahnhöfe“ nachts geöffnet bleiben wie in anderen Jahren. Wenn sich derzeit an vielen Bahnhöfen sichtbar weniger Obdachlose aufhielten als im vergangenen Jahr, liege dies auch daran, so Nelken, dass das Angebot der Kältehilfe in Berlin deutlich ausgeweitet wurde. Zudem sei das BVG-Personal geschult, beispielsweise den Kältebus zu holen. Niemand werde einfach in der Kälte ausgesetzt, so die Sprecherin. „Es wird bei der BVG niemand auf der Treppe erfrieren.“

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