Wirtschaft in Berlin

Wirtschaftsstandort: Berlin Partner zieht Bilanz

Dank Berlin Partner entstanden 2019 insgesamt 9000 Jobs. Und 85 Unternehmen siedelten sich in der Stadt an.

Siemensstadt 2.0

Siemensstadt 2.0

Foto: Siemens AG

Berlin. Ramona Pop (Grüne) sitzt gut gelaunt auf dem Podium im Ludwig-Erhard-Haus. Die Wirtschaftssenatorin lächelt in ihr Smartphone, macht ein Foto und witzelt mit Stefan Franzke, Geschäftsführer der Berlin Partner Wirtschaft und Technologie GmbH, an deren Sitz in der Fasanenstraße. Angesichts der Zahlen der Wirtschaftsfördergesellschaft von 2019 scheinen die Diskussionen um ihre Tauglichkeit als Berlins Wirtschaftschefin an Ramona Pop fröhlich abzuprallen. „Ich bin noch da“, sagt die 42-Jährige.

Nach Pops Debakel um die Internationale Automobilausstellung (IAA) – die Berliner Grünen hatten sich bei ihrem Parteitag im Dezember gegen die IAA-Bewerbung ausgesprochen und damit gegen Pop gestellt – rühmt diese sich nun lieber mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2019 um rund zwei Prozent. Damit steigt das BIP Berlins genauso stark wie das der Bundesrepublik Deutschland. Dies sei eine Lücke, die lange nicht geschlossen werden konnte, sagt Pop. Damit steht Berlin im innerdeutschen Spitzenfeld.

Allerdings: 2018 wuchs das BIP in Berlin noch um 3,1 Prozent, was die Grünen-Politikerin lieber verschweigt. Wir halten also fest: Berlins Wirtschaft wächst – nur eben nicht mehr ganz so stark. Und es gibt ja auch erfreuliche Nachrichten: So ist innerhalb der vergangenen drei Jahre die Zahl der Arbeitnehmer laut Zukunftsatlas 2019 stark gestiegen (um 12,6 Prozent). Und diverse Firmen haben ihre Standorte innerhalb der Stadt ausgebaut. So hat zum Beispiel die Mister Spex GmbH in Siemensstadt ein 10.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum errichtet. Das bestätigt auch die Wirtschaftssenatorin. „Wir haben nicht nur eine Ansiedlungsbewegung, sondern auch viele Unternehmen, die innerhalb Berlins ihren Geschäftsbereich erweitern“, sagt die Grünen-Politikerin.

Hinter Berlin Partner stehen der Senat und rund 280 Unternehmen als Geldgeber. Sie wollen den Wirtschaftsstandort Berlin fördern und vermarkten. Dabei vernetzen sie Unternehmen mit der Wissenschaft und suchen geeignete Standorte. Ramona Pop spricht von 85 Unternehmen, hauptsächlich aus dem Mittelstand in Süddeutschland und Europa, die sich 2019 durch Projekte von Berlin Partner in der Hauptstadt ansiedelten. Als Beispiel nennt Franzke den Würzburger Softwareentwickler Scoutbee. Die Investoren hätten darum gebeten, einen Standort in Berlin zu entwickeln und nicht in die Vereinigten Staaten abzuwandern.

Ambitionierte Projekte wie Siemensstadt 2.0

Insgesamt seien 2019 rund 9000 neue Arbeitsplätze durch Projekte von Berlin Partner entstanden, so Franzke. Fast ein Drittel davon sei im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik geschaffen worden. Dahinter folge der Bereich Mobilität und Verkehr, der stark von Firmen wie BMW oder Tesla geprägt sei. Zur Einordnung: In ganz Berlin entstanden 2019 insgesamt rund 50.000 neue Arbeitsplätze.

Neue Firmen, größere Standorte, mehr Arbeitsplätze – die Wirtschaft in Berlin entwickelt sich Pop zufolge auch wegen ambitionierter Projekte, etwa der Siemensstadt 2.0. Siemens will in den kommenden zehn Jahren rund 600 Millionen Euro investieren. Vor wenigen Tagen hat Ramona Pop einen Förderbescheid über 7,5 Millionen Euro für den Bau von Gemeinschaftslaboren am „kleinen Siemenscampus“ unterschrieben.

Ein ähnlich ambitioniertes Vorhaben plane das als Aufzugshersteller bekannte Unternehmen Schindler in Alt-Mariendorf. In den „Innovation Hub“ sollen rund 44 Millionen Euro fließen. Und auch der Softwarekonzern SAP hat sich ankündigt. Im Heide-Quartier in der Europacity nördlich des Hauptbahnhofs soll ebenfalls ein Digital-Campus entstehen. SAP will rund 200 Millionen Euro in das Projekt investieren.

Leuchtturmprojekt Tesla

Doch auch das Umland werde immer attraktiver für große Unternehmen, so Pop. Als Beispiel nennt sie die geplante Tesla-Fabrik bei Grünheide. Das Land Brandenburg und die Kommunen erhoffen sich durch die Ansiedlung des US-Konzerns eine Steigerung der Attraktivität und mehr Arbeitsplätze. Das stößt aber nicht überall auf Wohlwollen. Anwohner und Aktivisten gehen auf die Barrikaden. Sie kritisieren vor allem die Rodung der riesigen Waldfläche von rund 90 Hektar. Die Gegner befürchten auch, dass die Fabrik zu viel Trinkwasser verbrauchen könnte. Es ist ein Konflikt, dessen Ausgang noch offen ist. Aber auch hier gibt es eine gute Nachricht: Gerade wurde das Grundstück an Tesla verkauft.

Dass das Land Brandenburg künftig noch stärker im Bereich Technologie mitspielen will, zeigen auch Zahlen, die Franzke vorstellt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 70,7 Millionen Euro in Innovationen investiert. Davon kamen knapp drei Prozent vom Land Brandenburg, 7,6 Prozent aus Berlin. Fast die Hälfte des Betrags stellte der Bund mit Fördergeldern zur Verfügung.

Insgesamt spricht Ramona Pop von einem „tollen Jahr 2019“ für die Wirtschaft. Und das trotz vieler Widrigkeiten mit denen man zu kämpfen hatte. Pop verweist dabei auf viele Unsicherheiten, die allein durch den Brexit entstanden seien. „Trotz der Umstände bleibt Berlin ein guter Wirtschaftsstandort“, sagt die Wirtschaftssenatorin. Und lächelt.