Polizei

Polizeipräsidentin: täglich Angriffe gegen Polizisten

Im Dienst auf der Straße müssen Polizisten in Berlin auf vieles gefasst sein. Auf Pöbeleien, Widerstand, Anspucken und Faustschläge. Was ist zu tun?

Barbara Slowik, Berlins Polizeipräsidentin, spricht bei der Senatspressekonferenz.

Barbara Slowik, Berlins Polizeipräsidentin, spricht bei der Senatspressekonferenz.

Foto: dpa

Berlin. In der Hauptstadt sind 2018 täglich nach Angaben von Polizeipräsidentin Barbara Slowik im Schnitt 19 Polizisten Opfer einer Gewalttat geworden. Das sagte Slowik der Deutschen Presse-Agentur. Solche Taten gegen Beamte summierten sich 2018 auf fast 7000. Das sei gegenüber 2017 ein leichter Anstieg gewesen. Zudem würden ihre Kolleginnen und Kollegen immer wieder beleidigt, bedroht und beschimpft. Es sei unfassbar.

Gewalt zu erfahren, sei belastend. "Deshalb ist es mir wichtig, möglichst viel zu tun, um diese Belastung aufzufangen", betonte Slowik. Es gehe um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und tätliche Angriffe. Wer so etwas erleben müsse, werde unterstützt.

Zu den Hilfen gehöre eine Hotline, an die sich jeder angegriffene Beamte wenden könne, so die Polizeipräsidentin. Neben unmittelbarer psycho-sozialer Unterstützung gebe es Hilfe bei Versicherungsfragen oder der Meldung von Dienstunfällen. Das seien Punkte, die Betroffene nicht immer sofort vor Augen hätten, die aber wichtig seien, sagte Slowik.

Zuletzt hatten in der Silvesternacht aggressive Gruppen junger Männer Böller auf Polizisten, Feuerwehrleute und Passanten geworfen. In der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain mit einst besetzten Häusern werden seit Jahren Polizisten von linksextremistischen Tätern attackiert. Auch am 1. Mai fliegen regelmäßig Steine und Flaschen gegen Frauen und Männer in Uniform.

Zu einem krassen Fall kam es Ende Mai 2019, als ein Polizist bei einer Kontrolle von drei Geschwistern in Wedding massiv angegriffen wurde. Sie schlugen den Beamten zu Boden. Dessen Kollegin konnte nur durch das Ziehen der Dienstpistole die Gewalttäter in Schach halten. Die hinzugekommene Mutter filmte den Angriff noch. Beide Beamte erlitten Blutergüsse, Prellungen sowie Quetschungen.

Seit Mai 2017 werden Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienste bereits härter bestraft. Das Strafgesetzbuch sieht für Drohungen und tätliche Angriffe auf Amtsträger bei der Ausübung ihres Dienstes Haftstrafen von bis zu fünf Jahren vor.

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht eine neue Dimension, "was die Schwelle der Gewalt angeht", hatte GdP-Sprecher Benjamin Jendro nach den Angriffen in der Silvesternacht gesagt. Zunehmend würden auch Schreckschusspistolen gezückt, die nicht von echten Waffen zu unterscheiden seien. Angreifer riskierten schwerste Verletzungen Unbeteiligter und sogar Menschenleben.

Die Hauptstadt verlange den Kolleginnen und Kollegen unglaublich viel ab, unterstrich Slowik. "Dennoch bieten sie jeden Tag, wieder und wieder der Kriminalität die Stirn und greifen Hilfebedürftigen unter die Arme." Sie könnten stolz darauf sein, was sie für die Sicherheit in der Stadt leisteten. "Ich bin es allemal."