Auszeichnung

Berliner Projekte mit German Jewish History Award geehrt

Der Preis wurde zum 20. Mal durch die Obermayer- Stiftung vergeben.

Ralf Wieland (SPD), Präsident des Abgeordnetenhauses Berlin (vorn 2. v. l.), Joel Obermayer, Direktor der Obermayer-Stiftung (vorn 2. v. r.) und die diesjährigen Preisträger im Abgeordnetenhaus.

Ralf Wieland (SPD), Präsident des Abgeordnetenhauses Berlin (vorn 2. v. l.), Joel Obermayer, Direktor der Obermayer-Stiftung (vorn 2. v. r.) und die diesjährigen Preisträger im Abgeordnetenhaus.

Foto: Julia Lehmann

Zum 20. Mal hat die US-amerikanische Obermayer-Stiftung am Montag in Berlin den German Jewish History Award verliehen. Anlässlich dieses Jubiläums wurden auch drei Jubiläums-Auszeichnungen vergeben. Eine davon ging an das Fanprojekt der Sportjugend Berlin und Hertha BSC. Die offizielle Verleihung sollte am Abend im Plenarsaal stattfinden. Sie ist Teil der Berliner Parlamentsveranstaltungen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag, der sich am 27. Januar zum 75. Mal jährte.

Die drei Jubiläums-Auszeichnungen gingen an das Netzwerk für Demokratische Kultur aus Sachsen und den „Geschichtomaten“ aus Hamburg sowie an das Fanprojekt der Sportjugend Berlin und Hertha BSC. In der Veranstaltungsreihe „Aus der eigenen Geschichte lernen“ haben sich Hertha-Fans mit der Geschichte und Rolle des Fußballvereins während der NS-Diktatur beschäftigt. „Es hatte ja nie eine Rehabilitierung ausgeschlossener Mitglieder stattgefunden, das haben die Fans durch ihr Engagement nun erreicht", so Söhnke Vosgerau, der das Fanprojekt koordiniert. Dabei sind die Hertha-Fans auch auf vergessene jüdische Vereinsmitglieder wie Dr. Hermann Horwitz gestoßen, einem Mannschaftsarzt, der in Auschwitz ermordet wurde.

Zusatzpreis geht an Berliner Lehrerin

Mit einem Zusatzpreis für herausragende Leistung ausgezeichnet wurde auch die Berliner Lehrerin Sabeth Schmidthals. Sie versucht, ihren Schülern an der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Moabit mit der Aufarbeitung ihrer eigenen Migrationsgeschichten Empathie zu vermitteln. Die Pädagogin ist mit den Schülern bereits zu Gedenkstätten in Israel, Polen, Frankreich und Spanien gereist.

Die mit je 1000 Euro dotierten Preise gingen in diesem Jahr auch an Karl-Heinz Nieren aus Nordrhein-Westfalen. Seit 1976 engagiert er sich dafür, die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte seines Ortes Geilenkirchen an Schüler weiterzutragen. Zwei Publikationen und etwa 100 verlegte Stolpersteine sind die Folge seiner Arbeit.

Preisträger Roland Müller aus Sachsen verfasste etliche Bücher und Artikel über das jüdische Leben in Breslau (heute das polnische Wroclaw). Norbert Giovannini aus Baden-Württemberg hat in seiner 30-jährigen Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte in Heidelberg vier Bücher und zahlreiche Artikel verfasst. Zudem hat er an einer Ausstellung zu ehemaligen jüdischen Bürgern und an der Errichtung von Gedenktafeln an der alten Synagoge in Heidelberg mitgewirkt. Ein weiterer Zusatzpreis ging an Michael Batz aus Hamburg. Der Dramaturg hat sich mit inzwischen 20 Dokumentarstücken den Facetten der NS-Zeit in Hamburg gewidmet.

Obermayer-Stiftung widmet sich der Aufarbeitung jüdischer Geschichte

Die Auszeichnungen sollen den Preisträgern nicht nur Prestige bringen, sagte Joel Obermayer, Direktor und Geschäftsführer der Obermayer-Stiftung. Viel mehr sollten sie damit etwas bewegen können. „Ich bin sehr stolz auf die Preisträger, sie sind großartig“, sagte Obermayer.

Die Obermayer-Stiftung vergibt den Preis jedes Jahr an Menschen, die sich in besonderem Maße der Aufarbeitung jüdischer Geschichte und der Aufrechterhaltung jüdischer Kultur verdient gemacht haben. Gründer der Stiftung, Arthur S. Obermayer, war ein Vorstandsmitglied der Amerikanisch-Jüdischen Gesellschaft. Seine Vorfahren stammen aus Deutschland.