Thilo Sarrazin

„SPD in den Händen von fundamental orientierten Muslimen“

In einem Interview greift der einstige Berliner Finanzsenator die Führung seiner Partei an, verweist aber auch auf Unterstützer.

 Thilo Sarrazin (Archivbild)

Thilo Sarrazin (Archivbild)

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin. Der einstige Berliner Finanzsenator und Buchautor Thilo Sarrazin (SPD) hat seine Partei scharf angegriffen. Sarrazin, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, sagte dem rechtskonservativen Onlineportal „Tichys Einblick“: „Die gegenwärtige SPD-Führung ist offenbar teilweise in den Händen fundamental orientierter Muslime, die eine kritische Diskussion des Islam in Deutschland grundsätzlich verhindern wollen.“

Zudem sagte er: „Die SPD wäre niemals auf die Idee gekommen in den 70er, 80er, 90er oder auch noch frühen 2000er Jahren jemanden wegen eines Buches, welches religionskritisch ist, aus der Partei auszuschließen. Die SPD sei „durch ihre marxistischen Wurzeln eine durchaus religionskritische Partei“.

Die SPD wirft Sarrazin kulturellen und antiislamischen Rassismus vor.

Thilo Sarrazin: Erfahre viel Zuspruch von Heinz Buschkowsky

„Religion ist Opium für das Volk“, habe Karl Marx gesagt. „Ich wäre auch garantiert nicht aus der SPD ausgeschlossen worden, wenn ich ein kritisches Buch nicht über den Islam sondern über die katholische Kirche geschrieben hätte“, so Sarrazin.

Er erfahre aber auch viel Zuspruch, etwa von seinem Parteifreund Heinz Buschkowsky, dem ehemaligen Neuköllner Bezirksbürgermeister. Dieser habe gesagt, dass „die Wirklichkeit“ noch viel schlimmer sei, als Sarrazin schreibe. Es gebe „viele Buschkowskys und Sarrazins“ in der SPD. Das Problem der Partei sei, dass sie „mittlerweile so weit in eine fundamentalistische linke Ecke abdriftet und dazu noch gegenüber vielen gefährlichen Entwicklungen in der Gesellschaft blind ist. Das muss uns Sorgen machen.“

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Thilo Sarrazin: SPD hat sich aus Mitte der Gesellschaft zurückgezogen

Sarrazins vernichtendes Urteil: Die SPD habe sich „aus der Mitte der Gesellschaft zurückgezogen“. „Sie wird geführt von Leuten, die nicht das breite Spektrum vertreten und sie ist in Gefahr, ihre Eigenschaft als Volkspartei der linken Mitte zu verlieren. Ich habe mich nicht geändert, die Partei hat sich geändert.“

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Zudem bekräftigte der ehemalige Berliner Finanzsenator, gegen seinen Parteiausschluss weiter vorgehen zu wollen. Sarrazin war in seiner Partei in die Kritik geraten, zuletzt mit seinem 2018 erschienenen Buch „Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Außerdem war er in Österreich bei einem FPÖ-nahen Institut aufgetreten.

Interview bei "Tichys Einblick": Thilo Sarrazin: „Ich habe mich nicht geändert, die SPD hat sich geändert“